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FN-Interview Barclay James Harvest feat. Les Holroyd spielen am 4. November in Tauberbischofsheim

"Wiedervereinigung wird es nicht geben"

Barclay James Harvest feat. Les Holroyd gastieren am Samstag, 4. November, im Rahmen ihrer "50th Anniversary Tour" auch in Tauberbischofsheim.

Dabei haben sie natürlich auch ihre großen Hits wie "Life is for Living" und "Hymn" mit im Gepäck. Im FN-Interview äußerte sich Bandleader Les Holroyd über den Bruch der Originalband und stellte klar, wie der Bandname wirklich zustande kam.

Les, Sie haben schon viele Interviews gegeben. Welche Frage können Sie überhaupt nicht mehr hören?

Les Holroyd: Eine Frage, die mich oft anödet, ist die nach einer möglichen Wiedervereinigung der alten Band. Ich habe diese Frage schon so oft beantwortet und die Antwort ist immer dieselbe: Es wird niemals passieren.

Warum?

Holroyd: Erstens war der Bruch der Band nicht nur auf die Musik zurückzuführen, sondern hatte auch mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten in der Band sowie mit dem Business und Leuten von außerhalb zu tun, die sich einmischten.

Irgendwann wollte ich einfach nichts mehr damit zu tun haben. Ich wollte einfach nur Musik machen.

Natürlich hatten wir tolle Zeiten in der Vergangenheit, aber es war dann nicht mehr auszuhalten. Zu viele Köche verderben den Brei.

Es gibt verschiedene Versionen darüber, wie der Name der Band entstand: Wie war es wirklich?

Holroyd: Bevor John Lees und Woolly Wolstenhome Teil der Band wurden, also in den frühen 60er Jahren, spielten Mel Pritchard und ich in einer Band namens "Art and Soul and the Wickeds". Wir spielten Blues und gaben viele Konzerte.

Unser Leadsänger zu dieser Zeit war ein junger Mann namens Rodney James Buckley. Als unser Manager damals ein Farmhaus kaufte, schlug er vor, dass wir dort leben und Songs schreiben. Das war damals sehr in Mode - denken Sie nur an Bands wie Traffic und Led Zeppelin.

Es ist leicht zu erkennen, woher der Bandname stammt: Die Ernte, also Harvest, kam von der Tatsache, dass wir in einem Farmhaus lebten, James war der mittlere Name des Sängers, und Barclay wurde von seinem Nachnamen Buckley abgeleitet, es klang mehr englisch.

Leute, die behaupten, der Bandname kam dadurch zustande, dass wir Zettel aus einem Hut zogen, haben anscheinend zu viele Märchen der Gebrüder Grimm gelesen.

Sie werden das legendäre Konzert vor dem Berliner Reichstag wohl nie vergessen. Wie ist es für Sie, dieses Gebäude fast täglich in den Nachrichten zu sehen?

Holroyd: Ja, das stimmt, es war wirklich etwas ganz Besonderes. Es hat auch eine lustige Komponente: Jedes Mal sage ich dann: Da, das war meine Garderobe! Ich konnte sogar von dort aus über die Berliner Mauer schauen.

Ab welchem Punkt in einem Konzert wissen Sie, dass es "läuft"?

Holroyd: Normalerweise nach zwei oder drei Liedern. Da kann man sehen, wie die Leute reagieren. Wenn es gut ist, dann kann man sich entspannen - vorausgesetzt, die Technik funktioniert (lacht).

Sie wissen immer noch alle Liedtexte auswendig. Wie machen Sie das?

Holroyd: Nur bei Aufnahmen im Tonstudio nutze ich Noten- und Textblätter. Niemals tue ich das in unseren Live-Konzerten, genauso wenig nutze ich Playback. Ich denke, so etwas ist nicht gut. Manche Künstler machen das, aber dann ist wohl ihr Herz nicht bei der Sache. Allerdings darf ich auf der Bühne nicht über die Texte und die Musik nachdenken, denn sonst wird es ein bisschen kompliziert. Das ist etwas, was ich seit vielen Jahren getan habe. Man analysiert das nicht.

Bald werden Sie in Tauberbischofsheim spielen. Bitte verraten Sie uns etwas zum Programm.

Holroyd: Ich freue ich sehr darauf, in "Tauber" aufzutreten. Ich habe hier noch nie gespielt. Das Programm beinhaltet natürlich einige alte beliebte Klassiker. Wir versuchen immer, etwas Neues ins Programm aufzunehmen, aber das ist schwierig, weil die Leute lieber altes Material hören wollen. Das ist ja auch vollkommen in Ordnung.

Ich habe viele neue Songs geschrieben. Vielleicht können wir in "Tauber" auch davon etwas spielen. Es kommt darauf an, wie lange uns die Leute hören wollen (lacht).