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Hafensommer Rainald Grebe verbreitete gut Laune

Wortgewandtes Multitalent

Archivartikel

Ein großer Vorteil für die Besucher des Würzburger Hafensommers ist der, dass die Künstler auf dem Weg zur Bühne ganz nah an ihnen vorbeikommen. Der eine oder andere kommt da auch in den Genuss eines Direktkontaktes.

Am Dienstagabend ist dies ein kleiner Junge in vorderster Reihe. Bei ihm macht Rainald Grebe Halt, um ihm ein paar Zeilen seines neuen Liedes „Historisch“ in gewohnter Grebe-Manier in die Ohren zu „brüllen“. Der Junge trägt es mit Fassung, das Publikum lacht, und Rainald Grebe setzt singend seinen Weg zur Bühne fort. Dort wartet bereits die „Kapelle der Versöhnung“, mit der Grebe derzeit im Rahmen der Sommertour „Das Wigwamkonzert“ durch die Lande reist. Im Gepäck haben die Musiker ihr neues Album „Albanien“, das am 19. Juli veröffentlicht wurde.

Das Konzert an diesem lauen Sommerabend ist eine gelungene Mischung aus alten und neuen Liedern. Und natürlich muss auch das Publikum wieder ran. Bei „Multitasker“ und „Das Volk“ fordert Grebe es zum Mitsingen des Refrains auf, während bei „Fitnessstudio“ die Wadenmuskeln der hüpfenden Zuschauer gefordert sind.

Dazwischen auch immer wieder dieser für Rainald Grebe so typische, eigenwillige Nonsens. Warum auch nicht eben mal dem Tubabläser eineinhalb Liter Wasser in die Tuba gießen? Mal schauen, ob er mit wassergefülltem Instrument und auf einem Bein stehend, weiterhin das Lied „Diktator der Herzen“ begleiten kann. Er kann, auch wenn es sich mehr wie ein klägliches Blubbern anhört, was da aus der Tuba herauskommt.

Als Rainald Grebe die ersten Noten seines Liedes „Brandenburg“ anspielt, ist das Publikum begeistert und in freudiger Erwartung. Doch sein wohl bekanntestes Lied wird Grebe an diesem Abend nicht spielen. Es verhalte sich bei ihm und „Brandenburg“ wie bei Rex Gildo und „Hossa“ oder Matthias Reim und „Verdammt ich lieb Dich“. Wer möchte schon gerne mit dem immer gleichen Song assoziiert werden? Bei Grebes großartigem und vielseitigem Repertoire wäre dies auch vermessen. Das Publikum lässt sich vom Fehlen dieses Grebeschen Meisterstücks nicht die gute Laune verderben, bekommt es doch an diesem Abend neben Liedern des neuen Albums noch einige bekannte Werke, wie zum Beispiel „Burnout“, „Die 90er“ oder „Prenzlauer Berg“ geboten, bei denen es begeistert mitsingen kann.

Nach gut zweieinhalb Stunden geht in Würzburg ein absolut unterhaltsamer und kurzweiliger Abend zu Ende. Einmal mehr hat Rainald Grebe sein Multitalent als Kabarettist, Musiker und Comedian bewiesen. Die wenigen der rund 800 Besucher, die am Ende des Konzertes genügend Geduld aufbringen und auf Rainald Grebe und die „Kapelle der Versöhnung“ warten, bekommen auch noch Autogramme. Trotz seines großen Erfolges und vieler Auszeichnungen, wie unter anderem „Deutscher Kabarettpreis“ oder „Prix Pantheon“ präsentieren sich hier nahbare Menschen wie du und ich. Anke Vogel