Walldürn

Wasser- und Bodenverband „Siegmannsäcker Entwässerung landwirtschaftlicher Flächen auf der Walldürner Höhe verhindert Missernten

266 Kilometer Drainagerohre verlegt

Zu nasse Böden waren früher ein großes Problem für die Landwirte auf der Walldürner Höhe. Seit vor 50 Jahren Drainagerohre verlegt wurden, ist das Risiko von Ernteausfällen deutlich gesunken.

Wettersdorf. Missernten waren einst auf der Walldürner Höhe keine Seltenheit. Vor allem der hohe Grundwasserspiegel bereitete den Landwirten bei der Bewirtschaftung ihrer Böden regelmäßig große Probleme. „Der Grundwasserstand steht bei Regenfällen so hoch, dass der Boden in stärkstem Maße in seiner Keimfähigkeit beeinträchtigt wird“, beklagten sie sich die Gründungsväter des Wasser- und Bodenverbands „Siegmannsäcker“ bereits in den 1930er Jahren beim Kulturbauamt in Mosbach.

Wettersdorfer Landwirte hatten damals mit „feuchten Grundstücken, die in nassen Jahren überhaupt keinen Ertrag und in normalen Jahren einen sehr schlechten Ertrag abwerfen“ zu kämpfen. Nur in ganz trockenen Jahrgängen war mit einer halbwegs zufriedenstellenden Ernte zu rechnen.

Die Lösung für das Problem lag auf der Hand: „Die Gemeinde beabsichtigt, die dafür in Frage kommenden Teile der Gemeindemarkung von sich aus zu drainieren“, schrieben die Vertreter des 143 Einwohner zählenden Dorfs nach Mosbach. Bis die Entwässerungsrohre unter den landwirtschaftlich genutzten Flächen in Wettersdorf, Glashofen und Kaltenbrunn verlegt waren, mussten jedoch einige Hürden überwunden werden.

Zunächst schien das Vorhaben in noch weitere Ferne zu rücken: Das Kulturbauamt räumte einem ähnlichen Projekt in Vollmersdorf höhere Priorität ein. Dann erhielt eine Feldbereinigung Vorrang vor der geplanten Drainung. Wenig später zerstörte der Zweite Weltkrieg auf lange Sicht sämtliche Hoffnungen auf eine Verwirklichung des Projekts.

Erst Mitte der 1960er Jahre kam neuer Schwung in das Vorhaben. Aber auch der erste Versuch einer Verbandsgründung im Jahr 1965 stand unter keinem guten Stern: Den Eigentümern der Grundstücke gelang es nicht, sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise zu einigen.

Dabei hatte sich an der Ausgangslage nach wie vor nichts geändert. Wegen Übernässung des Geländes hatten die Landwirte immer wieder totale Missernten zu beklagen. Den Schaden der Ernteausfälle bezifferte Bürgermeister Wilhelm Meidel auf rund 1000 DM je Hektar.

16 Gewanne einbezogen

Nachdem das damals in Adelsheim ansässige Wasserwirtschaftsamt die Grundstücke einiger Beschwerdeführer aus dem Verbandsgebiet herausgestrichen hatte, war der Weg endlich frei für die Gründung des Verbands im September 1967. Das gemeinsame Ziel war es damals, Drainagen unter 16 Gewannen – darunter das namensgebende „Siegmannsäcker“ – zu verlegen und instandzuhalten sowie das gesammelte Wasser ordnungsgemäß abzuleiten.

Obwohl die Finanzierung gesichert war, lief das Großprojekt nur sehr schleppend an. Ende 1967 hatte das mit der Durchführung beauftragte Unternehmen aus München gerade mal Arbeiten im Wert von 32 000 DM erbracht. Die Wettersdorfer beklagten sich daraufhin beim Landratsamt, dass die Firma Kriegisch zu langsam arbeite und aufgrund einer finanziellen Notlage einen zu kleinen und noch dazu veralteten Maschinenpark einsetze. Wettersdorfer Landwirte, die beim Anschluss der Rohre mithalfen, erhielten keinen Lohn ausbezahlt.

Nach weiteren Verzögerungen versuchte das Wasserwirtschaftsamt, den Vertrag mit der Firma Kriegisch aufzulösen. Das Unternehmen weigerte sich jedoch und machte für die Verzögerungen die Witterung verantwortlich. Nachdem im Frühjahr 1968 Schmelzwasser die Kreisstraße Kreisstraße 46 zerstört hatte und noch immer Lohngelder für Wettersdorfer Bauhelfer offen waren, überwies das Wasserwirtschaftsamt einen Teilbetrag an die Firma Kriegisch, verklagte diese und schrieb die Drainagearbeiten neu aus.

Die Walldürner Firma Bau-Bonn erhielt im August 1968 den Zuschlag. In den ersten beiden Bauabschnitten verlegten deren Arbeiter knapp 167 Kilometer Rohre. Bis Dezember 1970 kamen weitere 99 Kilometer Drainagegräben dazu. Die Kosten für alle drei Bauabschnitte beziffert der Verband auf 842 115 DM. Finanziert wurde der Betrag über Darlehen, Beihilfen von Bund und Land sowie aus Eigenmitteln, die anteilig auf die Grundstücksbesitzer umgelegt wurden.

Den Betrieb der Drainanlage und die Schuldentilgung sichert eine jährliche Umlage, die die Verbandsmitglieder zahlen, sofern sie ihre Verpflichtungen nicht vorzeitig abgelöst haben. Seit 1996 ist der Verband schuldenfrei.

Um Kosten zu sparen, waren die Mitglieder in vergangenen Jahren regelmäßig zu Arbeitseinsätzen „mit Schaufel und Hacke“ aufgerufen, bei denen die Landwirte die Wassergräben reinigten.