Walldürn

„Hausmadonna“ eingeweiht Initiative des Heimat- und Museumsvereins / Zeichen der Volksfrömmigkeit

Alte Tradition wird am Leben gehalten

Archivartikel

Walldürn.Übergeben und gesegnet wurde am Donnerstagnachmittag eine weitere „Hausmadonna“. Sie ist nach der Restaurierung an der Außenfassade des Hauses der Bahngeschichte (ehemals Haus Bonn) in der Hauptstraße zu finden. Der Weihe vorausgegangen war eine Feierstunde im Bürgersaal des Alten Rathauses.

Bürgermeister Markus Günther freute sich über die Einweihung einer weiteren „Hausmadonna“ aus dem Fundus des Stadt- und Wallfahrtsmuseums. Mittlerweile sehe man Hausmadonnen in Straßen immer seltener. Gründe hierfür seien oft, dass die alten Gebäude renoviert oder umgebaut worden seien, es eine Madonna gar nicht mehr gebe oder sie in den Speicher gewandert oder ganz verschwunden seien. An manchem Gebäude erinnere nur noch das leere Gehäuse an die ehemalige Schutzpatronin des Anwesens, die als Namensgeberin dieser Landschaft und Region das sogenannte „Madonnenländchen“ verkörpere.

Dritte Madonna geweiht

Der Heimat- und Museumsver-ein wolle diese alte und zunehmend in Vergessenheit geratene Tradition, Hausmadonnen an Häusern aufzuhängen, nun wieder neu beleben und habe die Initiative ergreifen. Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit weihe man nun schon an einem prägenden Gebäude in der Innenstadt eine solche Madonnenfigur ein. Zu viele Beweise dieser Volksfrömmigkeit seien aus dem Stadtbild verschwunden und verloren gegangen. Sehr erfreulich sei es deshalb, dass es sich der Heimat- und Museumsverein seit 2018 auf Idee seines Mitgliedes Hardy Frank auf seine Agenda geschrieben habe, diese Kultur wieder zu erwecken und mit Leben zu erfüllen.

Der Bürgermeister dankte allen, die zur Realisierung des Projektes beigetragen haben. Ohne die vielen helfenden Hände wäre eine solche außergewöhnliche Idee von vorn herein zum Scheitern verurteilt.

Eine weitere Schutzpatronin ziere nun die Innenstadt. Diese religiösen Kleindenkmäler seien Ausdrucksformen des Glaubens und Gedenkens im öffentlichen Raum. Die Region zwischen Main, Tauber, Jagst und Neckar werde immer wieder als „Madonnenländchen“ bezeichnet – ein Name, den der badische Heimatforscher Hermann Eris Busse der Region aufgrund seiner vielen religiösen Kleindenkmale in den 1920er Jahren gegeben habe. Und in der Tat seien Madonnenbilder bis heute häufig in den Fluren und in Städten und Ortschaften anzutreffen. Sie würden zum einen von der tiefen Frömmigkeit der Menschen zeugen und zum anderen aber auch von den Schwierigkeiten und Sorgen der Bewohner dieses rauen Landstrichs. In Form von religiösen Kleindenkmälern drücken die Menschen ihre Bitten und ihren Dank aus.

Felicitas Zemelka ging in einem geschichtlichen Rückblick auf „Hausmadonnen – ein vergessenes Kulturgut“ ein. Friedbert Günther, Initiator dieser Aktion, schilderte den Ablauf von der Idee bis hin zur Vollendung im Laufe des letzten halben Jahres aufzeigte. Mit der farblichen Neugestaltung durch Erhard Lang, den Wetterschutzmaßnahmen durch Ralf Englert und die Firma Josef Kreis, die Beleuchtung der Madonna durch die Firma Licht-Concept und die Montage und Befestigung der Hausmadonna durch die Firma Rudolf Kieser.

Segnung durch die Pfarrer

Anschließend erfolgte die Übergabe der „Hausmadonna“, bei der Stadtpfarrer P. Josef Bregula OFM Conv. und Pfarrer Karl Kress gemeinsam die Segnung vornahmen. Im Anschluss daran bestand die Möglichkeit zur Besichtigung des Eisenbahnmuseums. ds