Walldürn

Walldürner Wallfahrtsbasilika Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann (Würzburg) zelebrierte feierliches Pontifikalamt

„Auf besondere Weise ganz nahe“

Archivartikel

Walldürn.Im Anschluss an den Einzug und die Begrüßung der Pilger aus dem Baunatal, aus dem Eichsfeld und aus Fulda fand am Mittwochnachmittag in der Walldürner Wallfahrtsbasilika noch ein von Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann (Würzburg) zelebriertes feierliches Pontifikalamt statt, in dessen Mittelpunkt die Wallfahrtspredigt stand, in der der Hauptzelebrant auf das Leitwort der diesjährigen Walldürner Wallfahrt Zum kostbaren Heiligen Blut „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14, 6) näher einging.

Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula zeigte sich sehr erfreut und tief beeindruckt über die stattliche Teilnehmerzahl von 702 Pilgern und Wallfahrern, die diesen langen und beschwerlichen Fußmarsch angetreten hatten. Für viele Menschen würden die Aussagen Jesu paradox und unverständlich erscheinen. Aber gleichzeitig stelle sich der Mensch vielfach drei Grundfragen: „Welchen Weg soll ich in dieser multioptionalen Gesellschaft einschlagen?“, „Gibt es überhaupt eine Wahrheit?“ und „Wem kann man heute überhaupt noch vertrauen in einer Gesellschaft, in der es kaum noch Vorbilder gibt?“

Und ebenso sehne sich doch der Mensch nach Leben. Man wolle ewig jung sein, ewig schön sein und so lang wie möglich leben. Warum sei der Stellenwert von Wellness, Beauty und Gesundheit in unserer Gesellschaft so hoch? Sei es nicht die tiefste Sehnsucht des Menschen nach echtem Leben?

Er persönlich sei davon überzeugt, dass Jesus mit seiner Aussage „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ genau auf die drei Grundfragen unseres Lebens zurückgreife. Diese Fragen seien immer aktuell gewesen, sie seien an diesem Mittwochmorgen aktuell und würden auch in der Zukunft aktuell sein. Und deshalb sei auch Jesu Aussage gestern, heute und morgen – ob wir wollten oder nicht – aktuell.

Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann aus Würzburg betonte, sei er sehr beeindruckt gewesen von dem erhebenden Einzug der 702 Pilger. Es sei immer wieder sehr bewegend, die Teilnehmer dieser im-posanten Fußprozession beim Einzug in der Wallfahrtsstadt Walldürn und bei der Teilnahme an diesem Wallfahrtsgottesdienst in der Wall-fahrtsbasilika zu sehen und zu erleben.

Nach den Lesungen aus dem 5. Buch Mose „Deuteronomium und aus dem Brief des Apostel Paulus an die Galater und nach der Verkündigung des Heiligen Evangeliums nach Johannes stellte Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann (Würzburg) in seiner Predigt sodann das Leitwort der Wallfahrt zum kostbaren Heiligen Blut in den Mittelpunkt seiner Predigt. Wie er hierbei eingangs betonen konnte, weile man im Wallfahrtsort Walldürn an einer bleibenden Stätte der eucharistischen Gegenwart des Herrn. Er sei ein besonderer Ort der realen Präsenz Jesu Chris-ti unter den Gestalten von Brot und Wein.

Blutwunder

Hier habe sich im Jahr 1330 bei dem Priester Heinrich Otto das Blutwunder ereignet, dem man sich heute noch in dem kleinen ausgestellten Corporale nähern könne. Nachdem der Priester damals den Kelch mit dem Blut Christi umgestoßen habe, hätte sich der Wein gefärbt rot wie Blut und es hätten sich um die Gestalt des Gekreuzigten in der Mitte elf „Veronicae“ (Köpfe des Dornengekrönten) geformt. Seit dem 15. Jahrhundert habe sich daraufhin die Heilig-Blut-Wallfahrt entwickelt, die nis auf den heutigen Tag ihre große Bedeutung erhalten habe.

Gerade in der heutigen Umbruchzeit sei es wichtig, dass die katholischen Christen Christus unter der Gestalt des Weines und des Bro-tes ganzheitlich gegenwärtig sehen würden. Es gebe zwei theologische Fachausdrücke dafür: „Transsubstantiation“ und „Realpräsenz“. Unter der „Transsubstantiation“ verstehe man, dass sich während der Wandlung durch einen gültig geweihten Priester Brot und Wein zwar als äußere Gestalten nicht ändern würden, aber Christus selbst – aufgrund seines Auftrages im Abendmahlsaal – die Wandlung von Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut vornehme. Das Wort „Realpräsenz“ bedeute, dass Christus wirklich gegenwärtig sei.

Für evangelische Christen sei dies zumeist nicht nachvollziehbar, denn es gebe dort keine allgemein verbindliche Sicht. Die einen würden sich bei der Abendmahlfeier an das Geschehen im Abendmahlsaal erinnern und beim Kommunizieren an das damalige Geschehen zurückdenken. Andere würden meinen, es hänge von ihrem Glauben ab, ob Jesus gegenwärtig sei. Wieder andere würden symbolisch das ihnen gereichte Brot essen oder einen Schluck Wein im Gedenken an Jesus Christus trinken. Die hier zur Heilig-Blut-Wallfahrt berichteten Geschehnisse aus dem Jahr 1330 würden auf eine sehr handfeste Weise den katholischen Glauben unterstreichen. Im Allerheiligsten – wie die Eucharistie auch genannt werde – verberge sich der Auferstandene real. Dies leite sich aus dem Auftrag Jesu ab: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ Das Wort Gedächtnis bedeute hier im biblischen Sinn nicht ein einfaches sich erinnern auf das damalige Geschehen, sondern vielmehr, den Auftrag Jesu in seiner Gänze wahrzunehmen und zu erfüllen.

Hier in Walldürn werde in besonderer Weise das allerheiligste Altarsakrament verehrt. Hier werde gleichsam das ganze Jahr über Fronleichnam gefeiert. Hier werde man an die Bergpredigt herangeführt, die uns lehre, arm, gewaltlos und barmherzig zu sein. Hier werde man an das Leitwort dieser heiligen Messe herangeführt, das wie die Bergpredigt sage: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Die Berührung mit dem gegenwärtigen, auferstandenen Gekreuzigten bedinge die Konsequenz: Von Jesus zu lernen und wie er zu handeln.

Alle Wallfahrer und Pilger an diesem Mittwochnachmittag hätten sich auf den Weg nach Walldürn gemacht, weil sie in das Geheimnis der realen Gegenwart Jusu Christi eintauchen wollten. Voller Dankbar-keit dürfe man sagen, dass von Walldürn ´Glaubensströme‘ ausgehen würden, die die Glaubensgewissheit für die bleibende Gegenwart Jesu Christi stärken würden und einen jeden ermutigen würden, im Frieden stiften anderen davon Zeugnis zu geben. Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann schloss seine Predigt schließlich mit den Worten: „Tauchen wir voll Dankbarkeit und Vertrauen ein in das Geheimnis des unter uns gegenwärtigen Christus, der uns durch das hier bezeugte Blutwunder auf besondere Weise ganz nahe ist!“ Sti