Walldürn

OWK wanderte Auf dem Limeslehrpfad gelaufen / Antike Lebenswelt kennen gelernt

Auf den Spuren der Römer unterwegs

Walldürn.Während einer insgesamt zwölf Kilometer langen OWK-Wanderung entlang des Unesco-Weltkulturerbes Obergermanisch-Raetischer Limes (ORL) tauchten 52 Wanderfreunde in die antike Lebenswelt der Menschen an der Grenze des römischen Imperiums und des freien Germaniens ein.

Der Limeslehrpfad als Wanderweg von Walldürn Richtung Neusaß bot hierzu eine authentische Kulisse. Die Errichtung einer überwachten Grenzlinie im 2. Jahrhundert war aus römischer Sicht notwendig, um ihr kulturell und wirtschaftlich hoch entwickeltes Territorium gegen das Eindringen von Plünderern und einem unkontrollierten Zuwandern aus unterentwickelten Gebiete abzuschotten, erklärte Limes Cicerona Brunhilde Marquardt.

Die römische Armee kontrollierte hier am Limes den Personen- und Warenverkehr. Er war keine völkerrechtliche Grenze zu den Germanen, doch ihnen durchaus als Wohlstands-Grenze bewusst, und es reizte sie, diese zu überschreiten. So war das Leben zwischen Römern und Germanen geprägt von friedlichem Handel, beide Völker lernten und profitierten voneinander, aber es kam auch zu Überfällen und Raubzügen.

Informationen über Wachturm

Man stapfte durch hohen Schnee und teilweise vereisten Stellen entlang der ursprünglichen Waldschneise, die im Laufe der Zeit mit immer effektiveren Hindernissen, wie zum Beispiel einer Palisade, Holz- oder Steinwachttürmen, einem Wall mit vorgelagertem Graben erschwert wurde.

Am Wachtturm 7/33 „ Lindig Nord“, von dem heute noch Fundamente erhalten sind, erfuhren die Wanderfreunde wie ein solcher aufgebaut war. Er hatte drei Stockwerke: Aus Sicherheitsgründen lag der Eingang im mittleren Stock und konnte nur über eine Leiter erreicht werden. Das Erdgeschoss diente als Vorratskammer. Im ersten Stock wohnten und schliefen die Wachsoldaten. Vom darüber liegenden Dienstraum der Wache aus konnten diese durch große Fenster oder einer umlaufenden Galerie den Grenzverlauf beobachten.

In unserem Gebiet waren aus Britannien stammende Auxiliartruppen stationiert. Sie organisierten und kontrollierten als Explorates (Kundschafter) die Grenzlandschaft in einem Umkreis von 50 Kilometern, um auf drohende Gefahren umgehend reagieren zu können.

Infolge politischer Probleme im 3. Jahrhundert begannen die Organisationsstrukturen der Römer zu bröckeln. Diese Situation erkannten und nutzten die Germanen. Etwa bis 270 n. Chr. war der Limes in der Gegend von Walldürn unter den andrängenden germanischen Stämmen gefallen.

Der Limes geriet nach Abzug der Römer über viele Jahrhunderte in Vergessenheit. Die sichtbaren baulichen Überreste gaben den Anwohnern Rätsel auf, erst im 16. Jahrhundert begann man mit der wissenschaftlichen Erforschung. Die Reichslimeskommission untersuchte die Wehranlagen und sicherte die archäologischen Denkmale. Seither werden Kastellareale vor einer Überbauung geschützt und als Grabungsschutzgebiete ausgewiesen.

Eindrucksvolles Denkmal

Mit 550 Kilometer Länge mit 900 Wachposten in Abständen von 400 bis 800 Metern voneinander entfernt sowie 120 größeren und kleineren Kastellen bildet der ORL eines der eindrucksvollsten archäologischen Denkmäler Mitteleuropas. Er wurde 2005 zum Unesco-Weltkulturerbe geadelt. Im Gasthaus „Dörfstüble“ in Neusaß kehrte man zum Mittagessen ein. Danach führte der Weg entlang des Energieparks Neusaß über den Neusaßer Pfad und die Glashofener Straße zurück nach Walldürn.