Walldürn

Walldürner Wallfahrt Feierliches Pontifikalamt des Erzbischofes Dr. Ludwig Schick

Auf der Suche nach dem Frieden

Archivartikel

Dem diesjährigen Motto der Walldürner Wallfahrt, „Suche Frieden und jage ihm nach“, widmeten sich Stadtpfarrer Josef Bregula und Erzbischof Dr. Ludwig Schick in einem feierlichen Pontifikalamt.

Walldürn. Im Anschluss an den Einzug und die Begrüßung der 755 Pilger aus dem Baunatal, aus dem Eichsfeld und aus Fulda (wir berichteten) fand am Mittwochnachmittag in der Walldürner Wallfahrtsbasilika noch ein von Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg) zelebriertes feierliches Pontifikalamt statt. In dessen Mittelpunkt stand die Wallfahrtspredigt, in der der Hauptzelebrant auf das Leitwort der diesjährigen Wallfahrt „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34,15b) nach Johannes näher einging.

Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Josef Bregula hieß zu Beginn dieses feierlichen Pontifikalamtes alle Beteiligten willkommen und zeigte sich beeindruckt über die stattliche Teilnehmerzahl von 755 Pilgern und Wallfahrern. Sein ganz besonderer Willkommensgruß galt vor allem Erzbischof Dr. Ludwig Schick aus Bamberg, der sich an diesem Mittwoch ebenfalls auf den Weg nach Walldürn gemacht hatte, um dort die größte Gruppe von Pilgern während der vierwöchigen Hauptwallfahrtszeit am Ortseingang von Walldürn zu empfangen.

Beschwerlicher Weg

Bregula hob in seiner Ansprache hervor: „Ich weiß, dass euer Weg von Fulda und vom Eichsfeld hierher nach Walldürn in der vergangenen Woche oft schwer war und ihr allen Widrigkeiten erfolgreich getrotzt habt. Umso mehr freue ich mich, dass ihr an diesem Mittwoch gegen Mittag bei strahlendem Sonnenschein wieder so zahlreich hier in unsere Wallfahrtsbasilika eingezogen und somit an eurem Pilgerziel angelangt seid“. Durch den Katholikentag im Mai in Münster sei das Leitwort „Suche Frieden und jage ihm nach“ sicherlich vielen bekannt. Der Wallfahrtsausschuss des Pfarrgemeinderates habe sich im vergangenen Herbst mit großer Mehrheit diesem Leitwort angeschlossen.

„Als ob dies so einfach wäre“, sagte Bregula, „als ob der Frieden hier irgendwo um die Ecke zu finden wäre.“ Heute wie damals zur Zeit von Jesu gebe es unter den Menschen immer wieder Auseinandersetzungen, Konflikte, Unfrieden, Streit bis hin zu Terror und Krieg. Auslöser seien nicht selten religiöse Ideologien und Fanatismus. „Suche Frieden und jage ihm nach“ sei aber nicht nur eine Aufforderung oder ein Appell an uns. Es solle eher eine Einladung zur Mitwirkung oder ein guter Rat sein, meinte der Stadtpfarrer. Aus dem 1. Petrusbrief zitierte er den Psalm 34: „Wer das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht, der bewahre seine Zunge vor Bösem und seine Lippen vor falscher Rede. Er meide das Böse und tue das Gute; er suche Frieden und jage ihm nach.“ (1. Petr 3,10-11). Gute Christen sollten diesem Ratschlag befolgen und dem Frieden in diesem Sinne im weiteren Leben nachjagen, in der Familie, im Beruf und im Alltag.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick sagte in seiner Ansprache, dass er als gebürtiger Fuldaer immer wieder beeindruckt von dem erhebenden Einzug der Pilger dieser 312. Fußprozession. Nach der Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Philipper und nach der Verkündigung des Heiligen Evangeliums nach Johannes stellte der Erzbischof in seiner Predigt sodann das Leitwort in den Mittelpunkt seiner Predigt.

Alle, die diese 312 Walldürner Fußwallfahrt mitgemacht hätten, hätten tagtäglich gebetet, gesungen, miteinander geredet, Gastfreundschaft erfahren und auch gewährt. Nun seien sie am Ziel angekommen, hätten ihren traditionellen Kniefall vor dem Blutaltar gemacht, würden gemeinsam diese Heilige Messe feiern, und seien froh und dankbar.

Worte und Gesten

Die Frage aufwerfend, was sie denn nun alle mitnehmen würden auf ihren Heimweg, versuchte er ihnen aufzuzeigen und deutlich zu machen, dass sie ganz sicherlich den Frieden mitnehmen würden. Auf der ganzen Wallfahrt hätten sich die die Teilnehmer dieser Fußwallfahrt mit diesem Frieden befasst. Sie hätten viel gebetet, Schönes miteinander erlebt, Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft erfahren, sich an der Natur erfreut und die Gastfreundschaft genossen. All das sei Friede und bringe Frieden. Gebet und Gesang, schweigen und miteinander reden, schauen, einander helfen, sich ein Ohr schenken, trösten – das alles seien andere Worte und Gesten für Frieden. „Wenn wir vom Frieden sprechen, ihn suchen und ihm nachjagen würden, dann sollten wir auch an die Kriegsgebiete in Syrien, im Irak, im Sudan im Jemen denken.“ Man müsse alles tun, dass die Menschen dort in Frieden leben könnten. Wenigstens um Frieden in diesen Ländern könne jeder beten. Frieden fange im Kleinen an. Wohlwollen, Güte, Wahrhaftigkeit, Hilfsbereitschaft – da wachse Frieden, da breite er sich aus. Man brauche einen dreifachen Frieden: Den ersten Frieden mit Gott, den Jesus Christus schenke. Man solle Friedensbringer werden, und dazu müsse man zunächst in Frieden mit sich selbst sein. Dies sei der zweite Frieden, und der dritte sei der mit den Mitmenschen. Wenn man diesen Frieden mit Gott spüre, so Ludwig Schick, dann sei man fähig zur Zufriedenheit mit sich selbst, zum Frieden mit seinen Mitmenschen und mit der Natur, die man dann nicht mehr ausbeuten, sondern genießen, lieben, bewahren und schützen solle.