Walldürn

Traktor-Wallfahrt in Walldürn Schlepperfreunde „Werntal/Renztal“ hatten sich auf den Weg gemacht / Andacht und Weihe der Fahrzeuge

Bulldog-Parade auf dem Wallfahrtsplatz

Archivartikel

Einen besonderen Wallfahrtstag gab es am Samstag in Walldürn: Dort fand die Traktorwallfahrt statt. Die Schlepperfreunde „Werntal/Renztal“ hatten sich dazu auf den Weg gemacht.

Walldürn. Neben der vierwöchigen Hauptwallfahrtszeit gibt es eine Reihe von besonderen Wallfahrtstagen, etwa den Wallfahrtstag der Kommunionkinder, die Motorradwallfahrt, die Pferdewallfahrt oder die Radwallfahrt. Und jetzt kam noch die Traktorwallfahrt dazu.

Auf elf tuckernden Traktor-Oldtimern der Marken Lanz, IHC, Mc Cormick, Fendt, Bautz, Deut, Fiat, Güldner und Eicher Diesel hatten sich am Freitagvormittag die Schlepperfreunde „Werntal/Renztal“ unter der organisatorischen Gesamtleitung von Josef Riedmann auf den 87 Kilometer langen Wallfahrtsweg von Arnstein in Unterfranken nach Walldürn gemacht. Der älteste Traktor war der aus dem Baujahr 1948 stammende Lanz D 9506 von Robert Stange aus Stetten im Werntal mit seinen 55 PS und einem Hubraum von 10 300 ccm, der zum Starten eine Aufheiz-Vorglühzeit von circa 20 Minuten benötigt.

Oldtimer auf dem Wallfahrtsplatz

Am Samstagvormittag fuhren die Schlepperfreunde „Werntal/Renztal“ mit ihren Traktoren im Konvoi dann auf den Wallfahrtsplatz hinter der Basilika, wo sie ihre Bulldogs abstellten, wobei sie hierbei noch Verstärkung erhielten von zehn weiteren Bulldog-, Traktor- und Schlepperfreunden aus Altheim, Hardheim, Hornbach, Schlierstadt, Seckach, Waldstetten und Walldürn und zusammen mit den Schlepperfreunden „Werntal/Renztal“ an der Wallfahrtsandacht am Blutaltar teilnah-men. Sie wurde von Pater Andreas Lengenfeld OFM Conv. als Hauptzelebrant gehalten und von Organist Marcel Ditrich an der Dauphinorgel der Basilika kirchenmusikalisch umrahmt.

Pater Andreas begrüßte die Wallfahrer am Gnadenort. Traktoren seien doch eigentlich nur landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge und somit seelenlose Maschinen. Für die Kenner der Materie aber handle es sich jedoch ganz sicherlich um „mechanische Arbeitstiere“ mit Charme und Charakter, um liebenswerte Kraftpakete mit einem Drehmoment, das die Herzen höher schlagen lasse und die Leidenschaft auf Touren bringe.

In der hiesigen Gegend sei der Traktor bis vor wenigen Jahrzehnten ausschließlich „Bulldog“ genannt worden. Aber der Bulldog sei nicht nach der gleichnamigen englischen Hunderasse getauft worden, sondern nach einem Traktormodell der Mannheimer Firma Lanz, das einst so beliebt gewesen sei, dass es gleich für die ganze Gattung Pate gestanden habe.

In seiner Predigt sagte der Geistliche, viele Bulldog-und Treckerfreunde – die meisten von ihnen Landwirte – würden stets viel Ver-antwortung tragen, oftmals weit mehr, als dies den meisten Menschen bewusst sei. Immer mehr Menschen werde klar, dass man nicht einfach nur drauflos produzieren könne, da unsere Ressourcen heute beschränkt seien.

So öffentlich präsent und auch so geschätzt wie früher seien die Landwirte heute lange nicht mehr. Und so kompliziert wie heute, sei der Beruf des Landwirts auch noch nie gewesen. Die Anforderungen würden ständig steigen, aber niemand wolle mehr zahlen für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Produkte. Die Tiere sollten glücklich aufgewachsen sein, aber das Fleisch dürfe trotzdem nicht teurer werden. Und dazu komme noch die EU und schreibe vor, wie viele Flächen brach zu liegen hätten oder aus der Intensivlandwirtschaft herausgenommen werden sollten. Und das alles solle am besten trotzdem immer noch günstiger produziert werden, während gleichzeitig die nötigen Maschinen und Einrichtungen immer komplizierter und teurer würden.

Trotzdem hoffe er, dass alle Teilnehmer dieser Bulldog-Wallfahrt nach Walldürn auf dem richtigen Weg seien. Wer sich so einen Beruf aussuche, der spüre ja hoffentlich auch so etwas wie eine Berufung., und er denke und hoffe, dass dies ein jeder der Anwesenden wirklich wolle: Den Umgang mit der Natur, mit Tieren und Pflanzen, das immer wieder neue Säen und Ernten. Auch die Abhängigkeit vom Wetter – so wie in diesem Jahr die lange Trockenheit, Dürre und der damit verbundene Ernteausfall, und die von so vielen Äußerlichkeiten, die uns immer zeigen würden, dass wir Menschen eben nicht alles bewirken, sondern lediglich immer nur mitwirken, manches beschleunigen und gute Rahmenbedingungen fürs Wachsen schaffen, aber eben nicht selber wachsen lassen könnten.

Was er allen Teilnehmern mit auf den Weg geben wolle, seien zwei kurze Verse aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Zum einen den Vers aus der Bibel, der über den Auftrag des Menschen sage: „Seid fruchtbar und vermehret euch, bevölkert die Erde , unterwerft sie euch und herrscht gut über sie!“, und zum anderen den Vers, der in der Schöpfungsgeschichte am Ende von fast jedem Schöpfungstag steht: Und siehe, es war sehr gut!“

Ein jeder solle sich nicht beirren lassen von Hiobsbotschaften, von Krisen, von Zweifeln. Gott habe die Welt gut gemacht, und das könne ein jeder immer wieder neu erleben – in jeder kleinen Blüte, in jedem kleinen Tier das geboren werde und schlüpfe, in jedem Rauschen des Weizens auf dem Feld, im alltäglichen Beruf als Landwirt. Ein jeder könne daran mitarbeiten, das diese Welt gut bleibe. Leidenschaftlich, mit Engagement und hoffentlich auch mit jeder Menge Spaß. Dazu wünsche er allen Teilnehmern dieser Bulldog-Wallfahrt Gottes reichen Segen.

Nach der Andacht nahm Pater Andreas auf dem Wallfahrtsplatz die Segnung und Weihe der 21 Traktoren und deren Fahrer vor, ehe diese sich auf eine Rundfahrt durch die Innenstadt begaben und am Samstagnachmit-tag dann noch an einer gemeinsamen Stadtführung teilnahmen, ehe sie m Sonntag wieder die Heimfahrt antraten. ds

Info: Weitere Bilder gibt es unter www.fnweb.de in einer Galerie im Internetauftritt der FN.