Walldürn

Im Geriatriezentrum St. Josef „Omas Topfgucker“ kredenzen leckere Gerichte / Rezepte erscheinen im „Blättle“

Das Kochen weckt bei den Senioren viele Erinnerungen

Walldürn.Es muss nicht immer das feine Gala-Dinner sein: seit acht Jahren kredenzen „Omas Topfgucker“ im Walldürner Geriatriezentrum St. Josef in drei Gruppen an zwei Tagen pro Woche so einfache wie nahrhafte Gerichte. Mit diesem Angebot zur Beschäftigung wird auch gleichzeitig zur Erfüllung der durch den Gesetzgeber erforderten „sozialen Betreuung“ der Senioren beigetragen.

Angebot wird gut angenommen

Die Teilnehmer zählen bis zu 104 Jahre und finden sich gern in der Küche ein, wie Melanie Knüttel berichtet: „Das Kochen an sich, aber auch die zubereiteten Speisen wecken bei vielen unserer Senioren Erinnerungen an frühere Zeiten, während das Schneiden und Schnippeln wiederum ihre Fingerfertigkeit anregt“, lässt sie wissen und spricht von einem „Angebot, das sehr gut angenommen und auch durch die Besucher unserer Patienten immer wieder sehr gelobt wird“.

Ihr Resümee wird von Verwaltungsleiter Ludwig Schön geteilt: „Die Idee an sich und die Resonanz sind so überwältigend, dass wir durchaus weitere Gruppen eröffnen könnten“, freut er sich.

Nach der Zubereitung trennen sich die Wege der Senioren keinesfalls: „In gemeinsamer Runde wird zunächst gebetet und dann gegessen, was auch die Sinne anregt und Erinnerungsarbeit bedeutet – unter anderem verwenden wir ein klassisches Geschirrservice mit Goldrand, wie es früher in fast jedem Haushalt zum Standard gehörte“, informiert Melanie Knüttel und kommt auf einen weiteren Aspekt zu sprechen: Seit kurzer Zeit tragen die Walldürner „Topfgucker“ farbenfreudige, mit dem „Topfgucker“-Logo bestickte Schürzen, die durch die Spende der von dem Projekt begeisterten Nichte einer Teilnehmerin und den überschüssigen Erlösen des Flohmarkts am adventlichen „Budenzauber“ gekauft werden konnten. Auch hierfür gibt es einen guten Grund: „Es stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe, wenn jeder die gleiche Schürze mit dem gleichen Abzeichen trägt“, erklärt Melanie Knüttel. Auf der Speisekarte stehen derweil einfache Gerichte wie Zwetschgen- und Germknödel oder auch „Zemmetli“ mit Apfelmus.

Dennoch wird nicht nur gekocht, gebetet und gegessen: Während in der Küche der gemütliche Plausch ein festes Ritual der „Topfgucker“ ist, ist zur Entspannung auch der Snoezelenraum zugänglich, und mancher Ausflug stellt das Kontrastprogramm dar. „Das alles ist Teil des ganzen Konzepts“, erläutert Ludwig Schön im FN-Gespräch. Diese Mühen würdigt nun eine besondere Auszeichnung: Mario Bogner kam als Fachberater des Lebensmittellieferanten „TransGourmet“ nach Walldürn und hatte ein Zertifikat mitgebracht, das er Melanie Knüttel und Ludwig Schön sowie Küchenleiter Bernhard Kirchgessner überreichte. Damit wurde die Teilnahme der „Topfgucker“ am Wettbewerb „Vom Kostenfaktor zum Glücksfaktor“ gewürdigt, der Genusskonzepte in der Seniorenverpflegung auszeichnet.

Wer die Rezepte der „Topfgucker“ zuhause nachkochen möchte, findet eine jeweils aktuelle Auswahl übrigens im vierteljährlich erscheinenden „Blättle“ des Geriatriezentrums St. Josef: So kann man auch in der heimischen Küche zum „Topfgucker“ werden. ad