Walldürn

Wallfahrt „Zum Heiligen Blut“ Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula zelebrierte Hochamt an Fronleichnam

Der Leib Christi als Quelle der Kraft und der Hoffnung

Archivartikel

Walldürn.Bevor sich am Donnerstag die Teilnehmer auf den Weg der Fronleichnamsprozession durch die Walldürner Innenstadt machten, gestaltete Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula das feierliche Hochamt in der Basilika.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor „St. Cäcilia“ Walldürn und von einem Orchester, die gemeinsam die „Missa brevis Sancti Joannis de Deo“ (Kleine Orgelsolomesse) von Joseph Haydn zur Aufführung brachten.

Leitwort erläutert

Pater Josef begrüßte neben den Gläubigen aus Walldürn und der Region auch zahlreiche Pilger aus nah und fern. Nach den von Lektor Alfred Günther vorgetragenen Lesungen aus dem Buch „Genesis“ und aus dem 1. Brief des Apostel Paulus an die Korinther sowie nach der Verkündigung des heiligen Evangeliums nach Lukas durch Diakon Karl-Heinz Becker ging der in seiner Predigt auf das Fronleichnamsfest und auf das diesjährige Leitwort der Walldürner Wallfahrt Zum Heiligen Blut „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das leben“ näher ein.

Er berichtete, dass ein bekannter Journalist vor einiger Zeit an einer belebten Straßenecke in Berlin einen Versuch unternommen habe. Der Mann habe dazu in seiner Hand einen Laib Brot gehalten und die Passanten gefragt: „Wer von Ihnen ist bereit, für dieses Brot eine Stunde zu arbeiten?“ Die Reaktion der Leute seien Kopfschütteln, Auslachen, Spott und sogar Beschimpfung gewesen. Auch nach einer Stunde habe keiner der vorbeigehenden Menschen sein Angebot angenommen.

Einige Tage später in Nairobi habe er seinen Versuch wiederholt, und es habe nicht lange gedauert, bis acht Menschen bereit gewesen seien, für dieses Brot eine Stunde zu arbeiten. Als er sein Angebot in Indien propagiert habe, hätten in kürzester Zeit einhundert Menschen dafür arbeiten wollen – viele sogar den ganzen Tag und nicht nur eine Stunde.

„Am Fronleichnamsfest tragen die Katholiken ein Stück Brot durch die Straßen der Stadt Walldürn und bringen damit zum Ausdruck, dass das, was Katholiken sonntags im Raum der Kirche feiern, etwas mit dem Leben draußen auf den Wegen und Plätzen in der Öffentlichkeit zu tun hat“, so Pater Josef. Damit würden sie zeigen, was ihre Lebensmitte sei, wo ihre Kraftquelle fließe und welche Hoffnung sie trage.

Protest gegen den Hunger

Eucharistie sei nicht bloße Gedächtnisfeier an Jesu Leben und Tod, sondern in der Eucharistie versammele der auferstandene Christus gläubige Menschen. „Er teilt sich auf und ermutigt uns so, dass auch wir teilen lernen sollen: unsere Hoffnung, unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit, unseren Besitz“, sagte Pater Josef. So sei jede Fronleichnamsprozession auch ein Protest gegen den Hunger in der Welt. In Korinth hätten die Reichen mit den Armen ihre Religion geteilt, ihr Essen jedoch nicht. Für Paulus sei dies ein Skandal gewesen.

Doch was bedeute die Tischgemeinschaft in der Eucharistie für das tägliches Leben eines jeden einzelnen? „Auch bei uns gibt es heute Reiche und Arme, Verschuldete und andere, die überlegen, wie sie ihre Gewinne noch ertragreicher anlegen können.“

Getrennte Tische gebe es nicht nur in der Welt, es gebe sie auch im Bereich der Kirchen.

Gastfreundschaft habe den Aspekt der freien Gabe und in alter Tradition ebenso einen verpflichtenden Charakter, sie dem zu gewähren, der sie benötige. Gastfreundschaft umfasse das ganze Wohl dessen, der aufgenommen und bewirtet werde. „Nicht nur das Brot ist es, von dem wir alle leben. Ebenso leben wir von der Nähe zu Menschen und der Nähe zu Gott“, so der Stadtpfarrer. Diese nie versiegende Speise sei es, die Jesus anbiete. Ihr Geheimnis sei, dass sie sich durch Teilen vermehre.

Darum würden Christen den Herrn feiern, der im Brot des Lebens bei ihnen sei und den Glauben und die Freude, die er ihnen schenke, hineintragen in jeden Ort.