Walldürn

Grünkernfest im Freilandmuseum Besucher lernten die Geschichte und die traditionelle Herstellung des Getreides kennen

Der Zufall führte zur regionalen Spezialität

Mit dem Grünkern stand am Sonntag im Odenwälder Freilandmuseum in Gottersdorf eine regionale Spezialität im Vordergrund.

Gottersdorf. Viele Besucher kamen am vergangenen Sonntag nach Gottersdorf ins Odenwälder Freilandmuseum, um sich über die Gewinnung von Grünkern informieren.

Vier Stunden getrocknet

Diese wohlschmeckende Getreidevariante wurde aus der Not heraus geboren. Vor über 300 Jahre musste der „Spelz“, eine spezielle Dinkelsorte, bedingt durch Hungersnöte und verregnete Sommer, vorzeitig geerntet werden. Um ihn haltbar zu machen, wurde das Getreide im Backofen nachgetrocknet. Dabei entdeckte man den würzigen Geschmack des „grünen Kerns“. Später baute man kleine Scheunen, in denen von unten Feuer geschürt wurde, um einen darüber befindlichen Blechrost zu beheizen. Die Dinkelähren, die bereits auf dem Feld vom Stroh getrennt werden (Reffen), kamen für etwa vier Stunden zum Trocknen und alle 15 Minuten zum Wenden auf den Rost. Der Rauch des Holzfeuers wurde über die Ähren geleitet und durch das häufige Umschaufeln bekam das Getreide sein typisches, etwas rauchiges Aroma.

Der aus Sindolsheim stammende Jürgen Stätzler hatte am Sonntagvormittag die Darre in Betrieb genommen. Dadurch erlebten die Besucher, wie nach traditioneller Art auf der Rauchdarre halbreifer Dinkel zu Grünkern gedarrt wurde. Schätzler erklärte den genauen Vorgang der Grünkerngewinnung. In der Mühle „gerbte“ der Müller den Grünkern, das heißt, der Spelz wurde von den Samenkörnern getrennt. In der heimischen Küche wurde der Grünkern überwiegend als Schrot verarbeitet, hauptsächlich zu Suppen. In der Bürgstädter Dreschhalle konnten die Besucher Speisen wie Küchle, Suppe, Brot aus Grünkern sowie Salat mit Grünkern und Grünkernnudeln zu sich nehmen.

Drechsler Wilfried Schneider stellte an der Drechslerbank Tanzkreisel für Kinder her, die im Anschluss bunt bemalt werden konnten. Sattler Oliver Aumüller aus Wenkheim führte den Besuchern seine Fähigkeit – das Herstellen von Gebrauchsgegenständen im täglichen Bedarf aus Leder – vor.

Klöppeln und Stricken

Auch die Gärtnerei Bienenweide aus Rippberg war wieder mit einer Vielzahl von ausgewählten Pflanzensortimenten dabei. Die Ausübung ihrer Kunst des Klöppelns und des Stickens zeigten die Museumsklöpplerinnen am ehemaligen Schäferhaus aus Gerolzahn.

Auch zwei Kräuterfrauen waren mit einer Vielzahl verschiedener Kräuter vor Ort. Am Vormittag und Nachmittag gab es jeweils eine Kräuterführung durch das Museumsgelände, welche gut angenommen wurde.

Auch die kleinen Museumsbesucher kamen nicht zu kurz: Sie durften auf Stelzen herum laufen, ihre Beweglichkeit mit einem Hula-Hoop-Reifen demonstrieren und das Hüpfspiel Himmel und Erde spielen. Am Nachmittag drehten die Kinder einige Runden mit dem Pony. hape