Walldürn

„Living History“ im Freilandmuseum Vorführung unter dem Motto „Der Odenwald und die Neue Welt“

Die Not zwang zu einem großen Wagnis

Archivartikel

Die Auswanderung nach Nordamerika war am Wochenende das Thema im Odenwälder Freilandmuseum. Dort gab es Vorführungen unter dem Motto „Der Odenwald und die Neue Welt“.

Gottersdorf. Zwei Tage lang erlebten die Besucher des Odenwälder Freilandmuseum in Gottersdorf szenische Darstellungen aus der Veranstaltungsreihe „Living History“. Zum Thema „Der Odenwald und die neue Welt“ stellten zum wiederholten Male Mitglieder des Studienkreises Militärgeschichte aus Königswinter die Geschichte von Auswanderern nach.

Stündlich wurden die Besucher dabei von Darstellern zu den Zeitinseln geführt, wo Geschichte erzählt wurde.

Misslungene Revolution

Gleich am Anfang wurde die politisch motivierte Auswanderung erklärt. Im Großerzogtum Baden wurden 1848 die Revolution niedergeschlagen, indem der Großherzog preußische Truppen zur Hilfe rief. Da auch in anderen deutschen Fürstentümern die Revolution misslang, verließen viele Deutsche ihre Heimat.

In den Nordstaaten der USA hatte sich Mitte des 19. Jahrhunderts die Auffassung durchgesetzt, dass es an der Zeit sei, die Sklaverei abzuschaffen. Nicht so in den Südstaaten, die wegen des Baumwollanbaus billige Arbeitssklaven ungehindert einsetzen wollten. Aufgrund der unerbittlichen Haltung Präsident Abraham Lincolns gegenüber den Südstaaten kam es zu Austritten der Südstaaten aus der Union. Deutsche Auswanderer nahmen gerade wegen der zu verteidigenden humanistischen Werte aufseiten der Nordstaaten eine führende Rolle ein.

Riesiger Kontinent

Weiter wurde die Ankunft der deutschen Aussiedler in Nordarmerika demonstriert. Ihnen war noch nicht klar, wie riesig der Kontinent ist. Viele der deutschen Auswanderer haben sich den zahlreichen deutschen Gemeinden angeschlossen. Zu Beginn wohnte man in Zelten, die man sich, soweit es ging, häuslich einrichtete nach und nach rodete man ein Stück Land und baute feste Wohnhäuser.

Aus denen wurden dann später richtig große Farmen mit viel Landwirtschaft. Die Not im Odenwald war für Viele so groß, dass sich die Menschen auf jedes Wagnis einließen. Viele deutsche Auswanderer wurden in Amerika zu erfolgreichen und angesehenen Bürgern,viele gingen jedoch auch unter. Im Bauernhaus aus Neckarburken fand man 1983 Hinweise auf eine ausgewanderte Tochter der Familie, deren Schicksal in den USA wohl einen durchschnittlichen Verlauf nahm, wie aus dem Briefen zu schließen ist.

Die nächste Szene auf einer Zeitinsel wurde in der Retrospektive des Karl Backfisch wiedergegeben. Sie spielt in den 1920er Jahren, als Karl Bachfisch nach dem ersten Weltkrieg nach der Heimkehr die Postagentur in einem Teil der Wohnstube betreibt. Der Hofbauer zu dieser Zeit sein Vater Christian Backfisch.

Die letzte Station der Zeitinsel zeigt das Schicksal der Nachkommen deutscher Auswanderer als amerikanische Besatzungssoldaten 1945. Unter den US-Truppen, die Deutschland von der Naziherrschaft befreiten, befanden sich auch Nachkommen deutscher Auswanderer in die USA.

Für sie muss es ein eigenartiges Gefühl gewesen sein, als Amerikaner mit deutschen Wurzeln dazu beitragen zu können, in der Heimat der Vorfahren für die Einrichtung normaler politischer Verhältnisse zu sorgen. Viele davon konnten sich auch noch auf Deutsch verständigen, so dass sie sich nicht selten Verbindungssoldaten zur deutschen Bevölkerung wurden. hape