Walldürn

FN-Serie Walldürner Straßennamen (letzter Teil) Josef Schirmer hat Wissenswertes und Interessantes zusammengetragen

Ehemals blühende Zünfte in der Altstadt

Archivartikel

Walldürn.Die Straßennamen einer Stadt sagen viel aus über ihre Bewohner und ihre Geschichte. Sie erinnern an verdienstvolle Bürger, an Dichter, Lehrer, Musiker, Politiker, Schriftsteller und Theologen. Manche erinnern an uralte Flurnamen, andere erhielten die Namen der Nachbargemeinden oder befreundeter Städte. Neben diesen und anderen Straßennamen kommen in Walldürn noch Namen im Zusammenhang mit der Wallfahrt zum Heiligen Blut hinzu.

Die FN veröffentlichen zu diesem Thema eine Serie, in der die Straßennamen und Personen oder Bedeutung erläutert werden. Die Beiträge stammen aus der Feder von Josef Schirmer. Die folgenden Ausführungen geben nur eine kurze Übersicht über die circa 180 Namen der Walldürner Straße und Gassen.

Nähere Hinweise geben die volkskundlichen Arbeiten von Professor Dr. Peter Assion, August Gramlich, Dr. Rudolf Schick und Theodor Wick, die auch im Walldürner Heimatmuseum gesammelt worden sind.

Zacharias-Juncker-Straße: Zacharias Juncker ist um 1580 in Walldürn geboren und schuf um 1622 aus Alabaster den Heilig-Blut-Altar in der Wallfahrtsbasilika. Er war einer der bedeutendsten Bildhauer im fränkischen Raum. Nach seinem Umzug nach Miltenberg schuf er in Aschaffenburg, Ebrach und Würzburg Altäre, Grabsteine aus Alabaster, Marmor und Sandstein. Um 1665 ist Juncker gestorben.

Zähringer Straße: Die „Zähringer“ waren ein altes süddeutsches Adelsgeschlecht, genannt nach ihrem Stammsitz der Burg Zähringen bei Freiburg. Markgraf Hermann I. gründete unter anderem die Stadt Freiburg und wurde der Stammvater des späteren Fürstenhauses Baden, das bis 1918 im Land Baden regierte. Bis zur Gründung des „Südweststaates“ 1952 gehörte auch Walldürn zu Baden.

Zieglers Gässchen: Gasse vom ehemaligen „Zieglers Bierkeller“ am Ende der Seestraße, längs der Bahntrasse, hin zur ehemaligen „Ziegelhütte“ an der Würzburger Straße.

Zieglers Bierkeller: Der Bierkeller des Gasthauses „Burgtor“ der Familie Ziegler, befand sich bis zum Bau der Umgehungsstraße, der Bundesstraße 47, am Ende der Seestraße beim dortigen Bahnübergang. Im Winter wurden im nahen See Eisblöcke herausgeschlagen und zur Kühlung des Bieres während der warmen Jahreszeit im tiefen Bierkeller gelagert. Über diesem Keller war ein beliebtes Gartenlokal mit Schankgebäude, Kegelbahn und viel Platz im Freien. Nach der Schließung des Lokals hat die Firma Fritz Nagel einige Zeit dort gearbeitet, bis zum Umzug in die Waldstraße.

Zürngässchen: Es verlief unterhalb des „Riesen-Areals“ durch Gärten bis zur Prügelgasse und ist benannt nach dem ehemaligen Besitzer des Hauses gegenüber dem Gasthaus „Reichsapfel“, dem Kaminfeger Anton Zürn.

Zunftgasse: Sie bildet mit der Rathaus-, Turm-, Mittel- und Untergasse den Altstadtbereich, auch „Frankreich“ genannt. Bis 1933 hieß die Gasse „Adlergasse“ und auch „Judengasse“ und erinnert an die ehemals blühenden Walldürner Zünfte. Im Haus Nr. 3 war bis 1939 der jüdische Betsaal im zweiten Stock. Das Fachwerkhaus hat einen geschnitzten Eckpfosten und einen „Neidkopf“ unter dem Dachgiebel.

Zwingergässchen: Das Gässchen erinnert an den ehemaligen Zwinger der Burg der Herren von Dürn, die dort zwischen 1167 und 1294 ihren Sitz hatten. Der „Zwinger“ einer Burg ist der freie Platz des Burgbezirkes innerhalb der Burgmauern, auf dem Ritterspiele und Feste abgehalten wurden. Als der Zwinger nach 1777 verkauft wurde, dürfte die Figur des Heiligen Nepomuk von der Brücke an das Gasthaus „Löwen“ versetzt worden sein.