Walldürn

Jubiläum bei der Wallfahrt 30. Wallfahrt der Pilger aus Küllstedt nach dem Fall der Mauer 1989

Ein sichtbares Zeugnis für den Glauben

Archivartikel

Walldürn.Es ist jedes Jahr ein besonderer Moment in der Wallfahrtszeit, wenn am Mittwoch vor Fronleichnam gegen Mittag rund 1000 Pilger mit der Fulda-Eichsfelder-Baunataler Fußwallfahrt ankommen und bei ihrem traditionellen „Fußfall“ den Boden der Basilika küssen. Ehrfurcht und Dankbarkeit für das Erreichen des Heiligtums in Walldürn nach fünf Tagen der Pilgerschaft werden dabei spürbar.

Für etwa 100 Pilger aus Küllstedt und dem Eichsfeld, der katholischen Enklave in Thüringen, die sich, wie auch andere Gruppen den Fuldaern anschließen, wird es sicherlich noch emotionaler werden als sonst. Es ist in diesem Jahr nämlich das 30. Mal nach dem Mauerfall 1989, dass die Pilger aus dem Eichsfeld kommen.

Der Pilgerführer Hermann-Josef Montag aus Küllstedt macht aber deutlich, dass die Prozession schon seit 1683, ausgelöst durch ein Pestgelübde, unterwegs nach Walldürn ist und dies ohne Unterbrechung auch zu Zeiten der damaligen DDR. Damals hatte man Verwandtschaftsbesuche vorgeschoben und sich dann in Fulda mit den dortigen Pilgern gemeinsam auf den Weg gemacht.

In diesen Jahren des Unterwegsseins habe man viel erlebt, dazugelernt und unzählige Freundschaften geschlossen. „Es ist eine tragende Glaubensgemeinschaft entstanden, die auch während des Jahres immer wieder mal in Kontakt steht“, so der Küllstedter Pilgerführer. Auch die Begegnungen an den Stationsorten der Wallfahrtstage sind überwältigend und die Freude ist unbeschreiblich, wenn man sich zur Wallfahrtszeit wieder in die Arme schließen kann.

Gemeinsam auf dem Weg

Für die Küllstedter Pilger ist die Walldürn-Grotte nahe der Antoniuskapelle im Ort traditionsgemäß die Stelle, wo die Wallfahrt beginnt. In diesem Jahr wird am 14. Juni dort gestartet.

Einen Tag später stoßen sie dann in der Bischofsstadt Fulda auf alle Pilger, die sich dann gemeinsam als große Fuldaer Fußwallfahrt auf den rund 150 Kilometer langen Weg zum Heiligen Blut nach Walldürn aufmachen.

Die Pilger legen mit dieser Wallfahrt ein sichtbares Zeugnis für ihren Glauben und die Kirche ab. Und das in Zeiten, wo es alles andere als leicht ist und man viel Gegenwind verspürt. In all den Jahren gab es viele freudige, aber auch traurige Begebenheiten, was diese Pilgergemeinschaft aber immer stärker zusammengeschweißt hat und die Eichsfelder können stolz darauf sein, dass sich diese lange Pilgertradition bis in die heutige Zeit hinein und über Generationen gehalten hat.

Die Pilger aus Küllstedt, die auch Partnerstadt zu Walldürn ist, haben sich vorbereitet und stehen quasi in den Startlöchern und zur 30. Wallfahrt nach der Grenzöffnung hat man sich etwas ganz besonderes ausgedacht.

Der Mitpilger Marius Michel hat die Zahl 30 aus Stacheldraht von einem 1989 abgebauten originalen Grenzzaun angefertigt. Sie wird gut sichtbar den Pilgern im Begleitfahrzeug folgen und sicher auch viele Emotionen hervorrufen. (adr)