Walldürn

Jubiläumsfeier an der Frankenlandschule Juniorfirma „Seal“ wurde vor zehn Jahren gegründet und ist in Baden-Württemberg einzigartig

Einblicke in die Welt der Wirtschaft

Archivartikel

Walldürn.Ihr Zehn-Jahr-Jubiläum feiert in diesem Jahr die Juniorfirma „Seal“ der Frankenlandschule. Anlässlich dieses Jubiläums fand in der Schule eine Feierstunde statt, die von dem Schüler Marcel Ditrich aus der Klasse BK 2 musikalisch umrahmt wurde.

Der Schulleiter der Frankenlandschule, Studiendirektor Torsten Mestmacher, sagte, die 2009 gegründete Juniorfirma sei im Kaufmännischen Berufskolleg zwischenzeitlich fest verankert. Als Unternehmen, das als Cafeteria von Schülern für Schüler geleitet werde, sei es am realen Marktgeschehen tätig – mit allen unternehmerischen Risiken. Diese Geschäftskonstruktion sei einmalig in Baden-Württemberg. Unterricht und Praxis würden hier vernetzt, und die Teambildung werde gefördert. Die beteiligten Lehrkräfte würden hierbei die Schüler bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe begleiten.

Pädagogisches Konzept erstellt

Nicht allein der Bau eines neuen Bistros in der Frankenlandschule sei das Ziel gewesen, sondern das ganze sollte auch so organisiert sein, das Lernende und Lehrende künftig gemeinsam dieses Bistro betreiben sollten. Nach der Idee für das Bistro habe also auch ein pädagogisches Konzept erstellt werden müssen, und darüber hinaus habe es auch einen Schulleiter gebraucht, der bereit war, das hohe finanzielle Risiko zu tragen, das mit einer richtigen Geschäftsgründung einherging. Diesen habe man in dem damaligen Schulleiter, Oberstudiendirektor Jürgen Schmeiser, gefunden. Ohne dessen Vision und langen Atem gäbe es heute ganz sicher keine Juniorfirma. Neben den baulichen Herausforderungen und der pädagogischen Planung habe das ganze Konzept aber auch in den praktischen Unterrichtsalltag eingebunden werden müssen. Das klinge leicht, sei es aber nicht gewesen. Eine Juniorfirma betreibe man, weil man der Überzeugung sei, dass die Schüler, die von vielen verschiedenen Schulen an die Frankenlandschule kommen würden, so optimal vom Unterricht und der Ausbildung profitieren würden. „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ – dies sei das Ausbildungsziel in der Juniorfirma, aber auch in der Schule insgesamt.

Bei der Juniorfirma gehe es nicht um das schnelle Geld, sondern die Firma solle vielmehr ein Ort des Lehrens und des Lernens sein. Die Juniorfirma sei ein verlässlicher Partner, und die angebotenen Produkte seien stets frisch und würden regional ausgesucht und eingekauft.

Zwei wichtige Akteure seien Oberstudienrätin Marianne Baier, die bis zu ihrer Zurruhesetzung vor kurzem die Entwicklung der Juniorfirma mit viel Engagement begleitet habe, sowie Studiendirektor Werner Hefner, der von Anfang an in die Vorüberlegungen, die Planung und die praktische Umsetzung der Juniorfirma eingebunden war und als langjähriger Geschäftsführer und als verantwortlicher Abteilungsleiter für das Kaufmännische Berufskolleg die hohe Qualität der Ausbildung bis heute sichergestellt habe.

Landrat Dr. Achim Brötel sagte, mit der neuen Cafeteria habe an der Frankenlandschule ein neues Zeitalter in der Schülerverpflegung, aber auch im schulischen Leben begonnen. Dahinter verberge sich auch ein grundlegender Wandel im Verständnis von dem, was Schule heute sei. Früher „Bildungsanstalt“ sei Schule heute ein Teil der Arbeitswelt, in der sich Schüler, aber auch Lehrer sowie Eltern – also die gesamte „Schulfamilie“ wohlfühlen solle. Eher ein zweites Zuhause also, ein Ort zum Lernen und zum Leben. Deshalb gehörten soziale Treffpunkte wie der, der von Seal betrieben werde, ganz einfach dazu. Seal nehme als Unternehmen auch unmittelbar am realen Marktgeschehen teil. Die Schüler würden hier am konkreten Beispiel lernen, wie Wirtschaft funktioniere.

Konzertierte Aktion

Ermöglicht worden sei diese neue Cafeteria der Frankenlandschule durch eine konzertierte Aktion des Vereins „Seal“, zahlreicher örtlicher und regionaler Unternehmen sowie durch den Neckar-Odenwald-Kreis als Schulträger, der seinerseits ebenfalls rund 90 000 Euro in das Projekt investiert habe. Heute könne man feststellen, dass praxisnahes Lernen, das gezielt auf den späteren beruflichen Alltag vorbereitet und nebenbei auch noch so elementare Dinge wie Teambuilding fördere, einen Mehrwert darstelle.

Oberstudiendirektor i. R. Jürgen Schmeiser schilderte die Beweggründe, die zur Gründung der Juniorenfirma führten, wobei anschaulich wurde, in welcher Weise die Handlungsmaximen des Leitbildes bei der Initiierung der Juniorenfirma umgesetzt wurden, von denen er drei besonders herausgriff: „Schulmanagement“, „Unterricht“ und „Professionalität der Lehrkräfte“.

Einzelne Unterrichtsinhalte der beruflichen Fächer des Berufskollegs seien herausgefiltert und den Tätigkeiten in der Juniorfirma zugeordnet worden. Damit seien sie integrativer Bestandteil des Unterrichts geworden. Tätigkeiten wie Buchführung, Rechnungswesen, Kalkulation oder Marketing hätten einen Stellenwert bekommen und seien real erfahrbar.

Der Mehrwert, den die Schüler durch diese Tätigkeiten in der Juniorenfirma erfahren würden, sei nicht hoch genug einzuschätzen. Ihr Verantwortungsbewusstsein, ihre Selbstständigkeit und ihre Vorbereitung auf ihre berufliche Lebenswelt werde dadurch in sehr hohem Maße gefördert.

Bei dem Mitwirken der Lehrkräfte in diesem Projekt stehe natürlich in erster Linie der pädagogische Aspekt im Vordergrund: Das heißt, die Verzahnung von Unterricht und prakti-scher Tätigkeit. Und damit auch die Weiterentwicklung in der Art und Weise, wie Lerninhalte durch praktische Anwendungen vermittelt werden. Lohn und Anerkennung für dieses Engagement und das Verlassen ausgetretener Pfade sei nicht Geld, sondern die Genugtuung und die Selbstbestätigung, das man dazu beitrage, die Theorie in der Praxis zu beweisen und darüber hinaus der Schulgemeinschaft ein attraktives Verpflegungs- und Beköstigungsangebot anzubieten, das sich in einer ansprechenden und einladenden Gestaltung der Verkaufsräume und der Pausenhalle präsentiere. Das sei Identifikation mit dem Beruf und beispielgebender Idealismus zum Wohle der anvertrauten jungen Menschen.

Studiendirektor Werner Hefner gab, unterstützt durch Studienrätin Nicole Bauer, mit einer Power-Point-Präsentation einen Abriss über die zurückliegenden zehn Jahre bei der Juniorfirma. Wie er feststellte, könne die Frankenlandschule mit der Firma und der Schul-Cafeteria ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Schulsektor in Baden-Württemberg vorweisen, auf das man mit Recht stolz sein könne.

Die Module „Kasse“, „Service-Bereich“, „Automaten“, „Marketingbereich“ und „Buchführung“ wurden in einer weiteren Power-Point-Präsentation von den der Juniorfirma angehörenden Schülern Larissa Block, Emelie Erbacher, Siani Holy, Anis Havic, Jason Schreivogel und Reiko Unangst vorgestellt. ds