Walldürn

Kirchliche Sozialstation Vor 20 Jahren wurde die Seniorentagespflege eröffnet / Angebot wird bis heute gerne genutzt

Eine Vorreiterrolle im Altkreis Buchen

Archivartikel

Die Kirchliche Sozialstation Hardheim-Höpfingen-Walldürn hatte vor 20 Jahren eine Vorreiterrolle im Altkreis Buchen: Sie hat die erste Seniorentagespflege eröffnet. Damals eine Seltenheit.

Walldürn/Hardheim. Die Kirchliche Sozialstation Hardheim-Höpfingen-Walldürn hat vor 20 Jahren die erste Seniorentagespflege im Altkreis Buchen eröffnet. Um sich das nötige Wissen für eine solche Einrichtung anzueignen, nahm das damalige Leitungsteam lange Wege in Kauf. Derzeit betreuen 20 Pflegefachkräfte werktäglich 18 Gäste in der Tagespflege. „Das war damals äußerst selten: Eine Sozialstation mit Tagespflege“, erinnert sich Pflegedienstleiterin Martina Weimann bei einem Pressegespräch an die Gründung dieses Betreuungsangebots. Sie arbeitet seit 1990 bei der Einrichtung, die 1978 als Verein gegründet wurde. In der gesamten Erzdiözese Freiburg boten nur wenige Sozialstationen eine Tagespflege an. Deshalb informierten sich die damals Verantwortlichen bei Sozialstationen am Bodensee, in Billigheim und in Miltenberg.

Konzept umgesetzt

Mit der Schaffung einer Tagespflege wollte der Vorstand des Vereins das Konzept „Alles aus einer Hand – betreut und versorgt rund um die Uhr“ umsetzen. Im Januar 1999 schließlich eröffnete man in Hardheim in den Räumen des ehemaligen Kaufhauses Kieser die erste Senioren-Tagespflege im Altkreis Buchen. Damals betreuten zwei Mitarbeiterinnen fünf Gäste am Tag. 2003 besuchten bereits 18 Gäste diese Einrichtung, für die 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig waren. Derzeit versorgen 20 Mitarbeiterinnen werktäglich 18 Teilnehmer in der Tagespflege.

2010 zog diese in ihr heutiges Domizil am „Haus der offenen Tür“ in der Schachleiterstraße in Walldürn. Mit drei rollstuhlgerechten Bussen werden die alten Menschen täglich abgeholt. Der Tag beginnt in der Tagespflege mit einem gemeinsamen Frühstück um 8.30 Uhr.

Wie Vereinsvorsitzender Bernhard Berberich, die stellvertretende Leiterin der Tagespflege, Andrea Böhrer, Sozialfachmanager Ralf Bundschuh und Pflegedienstleiterin Martina Weimann erläuterten, konnte man dank der größeren Räume vorhandene Betreuungskonzepte erweitern und Neues anbieten.

Ruhe und Geborgenheit

So verfügt die Tagespflege zum Beispiel über einen sogenannten „Snoezelen-Raum“ mit bequemen Sitz- und Liegemöglichkeiten. Darin werden die Sinne Sehen, Hören, Riechen und Fühlen stimuliert. Dies erzeuge ein Gefühl der Ruhe und Geborgenheit. Nach den Worten von Andrea Böhrer dauert eine Snoezelen-Einheit ungefähr 20 Minuten. Außerdem schaffte sich die Tagespflege dank einer Spende der Fernsehlotterie sogenannte „kyBounder-Bewegungsmatten“ an. Diese sind unterschiedlich dick und begehbar. Nutzten ältere Menschen diese konsequent und regelmäßig, könnten sie ihr Risiko zu stürzen verringern.

Zum Programm der Tagespflege zählen auch Lachyoga mit Waltraud Herberich aus Buchen und Klangschalenmeditation mit Martina Grasmann aus Walldürn. Diese Angebote werden durch ein tägliches, festes Rahmenprogramm in Groß- und Kleingruppen ergänzt wie Gymnastik, Gedächtnistraining, Singen, Basteln und jahreszeitlich bezogene Feste. Auf der Terrasse hat man ein Hochbeet mit Küchenkräutern angelegt. Hin und wieder halten auch Privatpersonen oder Vereinsvertreter Vorträge vor den Gästen der Tagespflege. Wer möchte, kann wöchentlich an einem Gottesdienst teilnehmen. Außerdem nutzt die Kirchliche Sozialstation den Saal des HdoT für eigene Veranstaltungen. Viele ehrenamtliche Helfer unterstützen die Einrichtung, darunter Thea Watzlawek, Anita Hellmann, Marliese Salmann, Yvonne Wolfmüller, Anton Staab, Herbert Möller und seit 18 Jahren Christel Geiger.

Die Katholische Sozialstation wurde 1978 gegründet. Sie zählt 86 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 20 in der Tagespflege. Die personelle Situation bezeichnete Ralf Bundschuh derzeit als gut. „Ausbildung und Qualifizierung haben bei uns einen hohen Stellenwert“, betonte Bernhard Berberich.

Zurzeit bilde man drei jungen Menschen aus, im September wird ein weiterer dazukommen. Im Bereich der ambulanten Pflege deckt die Sozialstation die Kommunen Walldürn, Höpfingen und Hardheim mit der Külsheimer Ortschaft Steinbach ab. Für die Tagespflege nimmt sie Gäste auch aus anderen Kommunen auf. Nach den Worten von Bernhard Berberich wird man im Laufe dieses Jahres von der Stadt Walldürn das benachbarte unbebaute Wiesengrundstück erwerben. Damit will man sich die Möglichkeit sichern, die Tagespflege räumlich zu erweitern. mb