Walldürn

Konzert in der Basilika Der Junge Kammerchor gastierte mit einer „Tenebrae“-Mette

Einstimmung auf die Karwoche

Eine hochemotionale Einstimmung auf die Karwoche war der Auftritt des Jungen Kammerchors, der ein überwältigendes Konzert „Tenebrae“ in der Basilika bot.

Walldürn. Ein ganz besonderes Konzert fand am Vorabend zu Palmsonntag und damit zu Beginn der Karwoche in der Wallfahrtsbasilika zum Heiligen Blut statt. Ergreifend und gesanglich auf höchstem Niveau bot der junge Kammerchor Rhein-Neckar in der gut gefüllten Basilika eine musikalische „Tenebrae“-Mette dar. Das Wort Tenebrae bedeutet übersetzt „Schatten“ und stand für die mittelalterlichen „Finstermetten“ der Karwoche, die am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag gehalten wurden.

Zu Beginn des Konzerts begrüßte Pater Josef Bregula OFM conv. die Konzertbesucher und brachte seine Freude zum Ausdruck, dass sich diese 23 talentierten Sänger mit ihrem Dirigenten Mathias Rickert aus ganz Baden-Württemberg zu dieser Chorgemeinschaft zusammengefunden und Walldürn als Konzertort ausgewählt haben.

An Stundengebet angelehnt

Diese musikalische Karmette, eng angelehnt an das klösterliche Stundengebet am Morgen, wurde mit dem Hymnus-Gesang eröffnet, wozu sich der Kammerchor zur Ehre Gottes mit Blick zum Hochaltar aufstellte. Es folgten Antiphon und der Psalmengesang zum Gründonnerstag, die der Chor sitzend im Altarraum in beeindruckender Weise darbot.

Die immer wieder wechselnden Positionen der Sänger charakterisierten dieses außergewöhnliche Programmarrangement, gepaart mit dem Mut zu Neuem. Die beiden Stücke „The Lamentations of Jeremiah“ von Thomas Tallis und das „Judas mercator pessimus“ von Tomás Luis de Victoria bildeten den Abschluss der Gründonnerstag-Mette.

Nach einer weiteren Antiphon und anschließendem Psalmengesang aus der Karfreitag-Mette, gesungen vom Gesamtchor, folgte die „Oratio Jeremiae Prophetae“, vorgetragen von einem Doppelquartett aus Tenor- und Bassstimmen. Dieses fünfte Klagelied des Propheten Jeremias wurde in der Form eines gregorianischen Sprechgesangs vertont und ging aus einer Handschrift des Kloster Lorsch im 12. Jahrhundert hervor. Den Abschluss der Karfreitag-Mette bildete das „Tenebrae factae sunt“ von Tomás Luis de Victoria, vorgetragen von den Alt- und Sopranstimmen des Chores.

Wechselseitiger Gesang

Die Karsamstag-Mette, die an die Grabesruhe Jesu erinnert, wurde nach der Antiphon und dem Psalmengesang mit zwei Werken von Tomás Luis de Victoria, dem „Lamentationes Ieremiae Prophetae“ und dem „O vos omnes“, abgeschlossen. Der Psalm 51, das „Miserere“ aus dem Morgenlob und in der Vertonung von Gregorio Allegri bildete in beeindruckender Weise gleichsam den Höhepunkt des musikalisch sehr anspruchsvollen Konzertes. Dabei wurden die Psalmenverse vom Chor auf den Stufen vor dem Altarraum und einem Quartett im hinteren Teil der Basilika wechselseitig gesungen.

Den Abschluss dieser Karmette bildete dann das „Benedictus Dominus“, den Lobgesang des Zacharias, dass der Kammerchor in seinem A-Cappella-Programm im Altarraum vor dem Hochaltar eindrucksvoll zu Gehör brachte. Unter dem Lärm von Klapperinstrumenten, die das Schrecken über das Leiden und den Tod Jesu Christi symbolisierte, und einem kurzen Hymnus, verließ der junge Kammerchor schweigend die Basilika. Auch der „Tenebrae-Leuchter“ mit seinen 15 Kerzen wurde in der Symbolik zur Kreuzigung Jesu eingesetzt, wobei nach jedem Teil dieser Mette eine Kerze gelöscht wurde.

Konzert wird nachwirken

Dem Anlass und Charakter der Stücke dieser Trauermette entsprechend, wurden die Konzertbesucher gebeten am Ende auf Applaus zu verzichten.

Innerlich bewegt von diesen hochprofessionellen und beeindruckenden Gesangsdarbietungen des Chores, wird dieses Konzert bei den Besuchern nachhaltig in die Karwoche wirken und in dankbarer Erinnerung bleiben. (adr)