Walldürn

Veranstaltung in Altheim Fränkische Grünkernerzeuger wollen Produkt über die Region hinaus etablieren

Energisches Plädoyer für Erhalt des Grünkerns

Altheim.Die Vereinigung Fränkischer Grünkernerzeuger Boxberg will den Grünkern über die Region hinaus etablieren. Das wurde bei einer Veranstaltung in Altheim deutlich. Landwirtschaftsminister Peter Hauk, MdB Alois Gerig, Bürgermeister Markus Günter, Ortsvorsteher Hubert Mühling und zahlreiche weitere Gäste waren der Einladung Armin Mechlers, Vorsitzender der Vereinigung Fränkischer Grünkernerzeuger Boxberg, gefolgt, um Position zu beziehen für die Marke „Fränkischer Grünkern“ und den damit verbundenen Anbau des Bauländer Spelz.

Armin Mechler und Bernd Lauer freuten sich über das große Interesse an der alten Dinkelsorte Bauländer Spelz. Ausschließlich der Anbau dieser Sorte wird verwendet für die Herstellung des fränkischen Grünkerns. Geschützt sei dieser nun mit dem Zusatz „g.U. - geschützte Ursprungsbezeichnung“, worauf Mechler zwar stolz war, jedoch auch Bedenken äußerte, ob der Verbraucher wegen der zahlreichen Labels Bezug zu diesem findet.

Landwirtschaftsminister Peter Hauk geht von einer zügigen Durchsetzung in der EU aus, jedoch könne beziehungsweise müsse man für die Verbreitung des Grünkerns durchaus „etwas tun“. Und wenn man etwa bei der Jugend hausieren gehe – die oft gar nicht wisse, was Grünkern eigentlich ist und woher er kommt oder wie es zu ihm gekommen ist. Umso mehr freute er sich über die Seminararbeit von Tobias Münch, Schüler des Eckenberg Gymnasiums in Adelsheim, der den Grünkern unter die Lupe nahm und eine vielversprechende Seminararbeit auf die Beine stellte. Der fränkische Grünkern sei eine hervorragenden Möglichkeit, Marketing zu betreiben für die Region.

Tina Last von der Touristikgemeinschaft Odenwald pflichtete bei, jeder hier in der Gegend wisse, wie schön das Bauland ist. Umso mehr sollten dieses auch diejenigen kennenlernen, die von weiter her kommen. Schritte dafür in Bezug auf den Grünkern wurden bereits mit dem Grünkernradweg unternommen. Auch über das Grünkernkochbuch, das nun schon in der 2. Auflage zu erwerben ist, erzählte sie. Froh sei sie über „engagierte Familien und Erzeuger“, die festhalten wollen an diesem Produkt und mit ihrem Engagement für diese regionale Spezialität Werbung machen für die Region.

An Ideen mangelt es nicht

Dass es an Ideen für die Vermarktung des Grünkerns nicht mangelt, zeigte unter anderem Erster Landesbeamter Dr. Björn Kleih vom Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis. Er wisse um die breite Palette der Möglichkeiten um den Grünkern, so dass er Stellung bezog zu Tobias Münchs Arbeit und den fränkischen Grünkern als „gesunden Alleskönner“ klassifizierte. Für einen Schub in der Vermarktung könnte, so Kleih, der Neckar-Odenwald-Kreis als Bio-Musterregion sorgen oder ein Platz im Direktvermarkterportal.

Allen Anwesenden war sehr daran gelegen, Möglichkeiten zu finden, den Grünkern und seine Tradition noch mehr unters Volk zu bringen. Begeisterung dafür zeigten Bürgermeister Markus Günter und Ortsvorsteher Hubert Mühling.

Bundestagsabgeordneter Alois Gerig fand es wichtig, das Bewusstsein für den Grünkern – „made in der eigenen Heimat“ – zu stärken, wissen doch viele nicht mehr, dass der Grünkern „aus der Not heraus“ geboren wurde. Deshalb ist er glücklich über die Regionalkampagne, stellt jedoch auch fest, dass in Sachen Werbung Luft nach oben ist.

Bei der Feldbesichtigung der Familie Mechler sorgten sich einige Erzeuger der Vereinigung Fränkischer Grünkernerzeuger, den Anbau des Bauländer Spelz’ nicht halten zu können. Einigkeit bestand jedoch darin, alles daran zu setzen, diese Spezialität des Baulandes zu erhalten und somit auch den fränkischen Grünkern als geschützte Ursprungsbezeichnung. 35 Mitglieder sind in der Vereinigung Fränkischer Grünkernerzeuger Boxberg tätig, bisher seien nur elf davon bereit, den Auflagen für „g.U.“ zu folgen.

Seminararbeit

Groß war das Interesse an der Seminar-Arbeit von Tobias Münch an diesem Nachmittag. Er besucht die Jahrgangsstufe I des Eckenberg-Gymnasiums, Adelsheim und nimmt dort an einem Seminarkurs „Ernährung und Nachhaltigkeit“ teil. Die Arbeit „Grünkern – der nachhaltige Alleskönner, oder nur ein Marketinggag“ ist das Ergebnis und fand großen Anklang bei Armin Mechler und Landwirtschaftsminister Hauk.

Auf die Frage, wie er darauf komme, den Grünkern in den Mittelpunkt einer Seminararbeit zu stellen, beantwortete er mit einer gewissen Selbstverständlichkeit: Das Thema des Kurses war Ernährung und Nachhaltigkeit. Den Grünkern zu untersuchen lag da nahe. Schwer sei es allerdings gewesen, an schriftliche Quellen zu kommen, so dass er das Thema Marketing hinzugenommen habe. Dies mache die Arbeit zu einem wertvollen Beitrag zum Thema Grünkern, was Stimmen laut werden ließ, diese Arbeit doch zur Veröffentlichung zu bringen.

Im Anschluss besichtigte man die Hofdarre der Familie Lauer. Für eine Füllung von einem Hektar Spelz benötige man drei bis vier Ster Holz, die acht Stunden brauche, um getrocknet zu werden. Bei einer Temperatur von etwa 130 Grad. Das Feuer sollte nie unbeaufsichtigt sein. Pro Tag können also drei Ladungen getrocknet werden, was für Susanne Lauer die ein oder andere Nachschicht bedeutet.

Grünkern probiert

Nach so vielen Informationen über den Grünkern lag es nahe, diesen in verschiedensten Ausführungen zu probieren. Christine Mechler lud dazu ein, Kuchen, Salat, Brotaufstrich und Nachtisch zu kosten. Unterstützung bei der Vorbereitung erhielt sie hierbei von Susanne Lauer und Edith Mechler, die zwar die Rezepte des Grünkern-Buches zur Hand nahmen, sich bereits aber über einige Variationen austauschten. dka