Walldürn

Freilandmuseum Gottersdorf Renovierte Saftkelter in Betrieb genommen / 450 Liter Apfelsaft gepresst

Erinnerungen an die Kindheit wurden geweckt

Gottersdorf.Das Odenwälder Freilandmuseum ist um eine kleine, aber feine Attraktion reicher. Am Samstag wurde bei bestem Herbstwetter die frisch renovierte mechanische Saftkelter in Betrieb genommen. Lorenz Frisch hatte sie in ehrenamtlicher Kleinarbeit hergerichtet: Festgerostete Kleinteile mussten gelöst, Gewinde nachgeschnitten, die Mechanik gereinigt und gangbar gemacht werden.

Am Ende wurde die hauptsächlich aus massivem Guss bestehenden Metallteile mit speziellem Kelterlack neu lackiert und zusammengebaut. Alle Holzteile wurden einer gründlichen Reinigung unterzogen. Peter Fieger vom Freilandmuseum ersetzte indessen den beschädigten hölzernen Bodenrost mit einem neuen aus Eichenholz. Die Funktionsfähigkeit der Presse stellten Frisch und Fieger am Samstag unter den Augen zahlreicher Besucher unter Beweis. Von etwa 750 Kilogramm Äpfeln wurde etwa 450 Liter Saft gepresst. Die Ausbeute bestätigte die Effektivität dieser Pressen, die früher auf allen größeren Bauernhöfen der Region zu finden waren.

Kraftaufwand erforderlich

Selbstverständlich durften die Museumsbesucher auch selbst beim Mosten helfen, denn bis der Saft aus der Presse lief, mussten die Äpfel gewaschen, grob gemahlen und in die Presse gefüllt werden. Dann musste die Pressvorrichtung über die Metallspindel nach unten gedreht werden, was mit zunehmendem Druck immer mehr Kraftaufwand bedeutete. Aber Erwachsene wie Kinder ließen sich nicht lange bitten, und wenn der Saft lief, durften sie sich mit einem Glas Süßmost direkt aus der Kelter belohnen. „Das erinnert mich an meine Kindheit, so was Gutes habe ich seitdem nicht mehr getrunken“, meinte ein Besucher.

Auch der ehemalige Eigentümer der Kelter, Theo Kirchgessner aus Buchen, ließ es sich nicht nehmen, die Kelter bei ihrem ersten Einsatz im Museum zu sehen. Auch er labte sich an dem frischen Süßmost, der mit einem Mostgewicht von bis zu 67 Grad Öchsle übrigens auch bemerkenswert war.