Walldürn

Erste badische Griffkraft-Meisterschaft in Walldürn Aus ganz Deutschland reisten die Sportler an / Teilnehmer loben vor allem den Zusammenhalt

Erst die Kernseife, dann das Vergnügen

Archivartikel

Bei der ersten badischen Griffkraft-Meisterschaft in Walldürn war ein fester Händedruck gefragt. „Half A Penny Lift“ oder „Horne Top Hold“ lauteten die Wettkämpfe, zu denen 30 Athleten antraten.

Walldürn. Autokennzeichen aus ganz Deutschland sah man am Wochenende vor der Walldürner „Sportbox“: Zur von Ina Düll initiierten, unter dem Leitspruch „Lift’n’Hold“ stehenden ersten badischen Griffkraft-Meisterschaft hatten sich 30 Athleten aus dem ganzen Bundesgebiet in der Wallfahrtsstadt eingefunden, um sich vor zahlreichen Zuschauern einen spannenden Wettbewerb zu liefern.

Teilnehmer hatten vier Versuche

Im Mittelpunkt standen neben den antretenden Sportlern Metallteile verschiedener Gewichtsklassen und Formen, die zur Wertung mindestens fünf Sekunden lang in der Luft gehalten werden mussten. Zugelassen waren dabei vier Versuche, die in der sogenannten „Wettkampfkarte“ festgehalten wurden. „Allerdings schlägt das Gewicht die Zeit. Wer beispielsweise fünf Sekunden lang ein 36 Kilogramm schweres Teil stemmen kann, wird höher bewertet als jemand, der zehn Sekunden lang 30 Kilogramm hebt“, erklärte Raik Nürnberger aus Sennfeld, der am Wochenende bereits zu seiner dritten Meisterschaft antrat. Gemessen wurde in den Disziplinen „Double Hand Shallow Hub Key Pinch Hold“, „Goldbar Lift“, „Horne Top Hold“, „Meathook Deadlift“ und „Half A Penny Lift“. Zuerst stand das Aufwärmen auf dem Programm, bei dem die Sportler am Rande der Bühne ein Gefühl für den eigenen Körper und dessen Leistungsfähigkeit bekamen. Für ungeübte Augen bot sich dabei eine etwas eigen anmutende, aber durchaus sinnhafte Prozedur: Jeder Teilnehmer hatte sich die Hände mit Kernseife zu waschen und anschließend mit Magnesia einzureiben. „Das bewirkt einen besseren Grip durch absolut fettfreie Hände“, erklärte die Organisatorin Düll.

Publikum fieberte mit

Wer dann erst einmal „oben“ stand und die Gewichte peu à peu ergänzte, konnte sich über den Beistand der ausgesprochen mitfiebernden Community freuen. „Gerade das macht aber das Griffkraft-Forum letztlich aus“, bekräftigte der aus dem oberbayrischen Marktl am Inn (Vier Stunden Fahrtzeit) angereiste Johannes Eichinger, der seit letztem Jahr mitmischt und durch einen Tipp von Schiedsrichter Sirko Petermann auf die Griffkraft aufmerksam wurde. „Im Gegensatz zu vielen Sportarten, bei denen die Wettkämpfer eigenbrötlerisch bis harsch mit ihren Gegnern oder auch Teamkollegen umgehen, ist man hier freundlich zueinander, feuert sich gegenseitig an und begegnet sich auf einer fast schon familiären Ebene“, meinte er. Eine Ansicht, die auch Julian Pfeifer teilte. „Die Gemeinschaft ist einfach Spitze!“, fasste der aus Göppingen stammende Athlet zusammen. Zwar treffe man innerhalb der „Szene“ immer wieder auf dieselben Gesichter, lerne sich aber deswegen mit der Zeit immer besser kennen und begegne sich in freundschaftlicher Atmosphäre. An der Sportart selbst fasziniere ihn der Umstand, „dass sie trotz relativ geringen Gewichten körperlich doch sehr herausfordernd ist“. Den Weg zur Griffkraft fand der Schwabe im vergangenen Jahr bei der schwäbischen Griffkraft-Meisterschaft in Mögglingen, bei der auch Konstantin Fischer dabei war. „Ich hatte bis dato absolut keine Ahnung von Griffkraft“, räumte der Pforzheimer ein. In Walldürn bestritt er seinen vierten Wettkampf. „Es ist etwas anderes als das Standard-Gewichtheben“, stellte er klar und spricht von einer „coolen Stimmung, die motiviert und letzten Endes auch dem Erfolg zugutekommt“. Dazu trage möglicherweise auch der völlig zwanglose Hintergrund bei, wie Raik Nürnberger unterstrich. „Jeder sucht sich einen Bereich heraus, wo er einsteigt, und legt auch selbst fest, wie weit er geht“, ließ der erfahrene Kraftsportler wissen, der nicht der einzige Starter aus der Region blieb. Dass auch im badischen Frankenland ein gewisses Interesse an der Griffkraft besteht, zeigten neben Raik Nürnberger auch Daniel und Kristina Hahn (Bödigheim), Florian Menzel (Hainstadt), Anna Roth (Sennfeld), Manfred Wagner (Waldhausen) und Bettina Witte (Walldürn). Aus Tauberbischofsheim trat zudem die erst elfjährige Nora Dezsi an, die bereits am frühen Samstagnachmittag zwei neue Weltrekorde aufgestellt hatte.

Überhaupt wurden am Wochenende einige Rekorde gebrochen, für deren Anerkennung die beiden Schiedsrichter Patricia Luxner und Sirko Petermann eigens aus Österreich anreisten. Vielleicht können die Leistungen im kommenden Jahr erneut überboten werden, denn: „Eine Wiederholung im neuen Jahr ist eigentlich angedacht“, verriet Initiatorin Düll, die sich über das rege Erscheinen der Athleten und der Zuschauer freute.