Walldürn

Odenwälder Freilandmuseum in Gottersdorf Geschichte und Entstehung des Grünkerns thematisiert / Traditionelle Handwerksberufe vorgestellt

Etwas Würze in Zeiten der Hungersnot

Ganz im Zeichen des Grünkerns stand das vergangene Wochenende im Odenwälder Freilandmuseum. Die Besucher erlangten jedoch auch viele Einblicke in die traditionelle Handwerkskunst.

Gottersdorf. Viele Besucher kamen am vergangenem Sonntag nach Gottersdorf ins Odenwälder Freilandmuseum, um sich zum 28. Mal über die Gewinnung von Grünkern zu informieren. Diese Spezialität ist eines der Markenzeichen des Baulands und des Odenwalds mit seinen hiesigen Ortsteilen und Gemeinden. Diese wohlschmeckende Getreidevariante wurde aus der Not heraus geboren.

Würzigen Geschmack entdeckt

Vor über 300 Jahren wurde der ,,Spelz", eine spezielle Dinkelsorte, bedingt durch Hungersnöte und verregnete Sommer vorzeitig geerntet. Um ihn haltbar zu machen, wurde das Getreide im Backofen nachgetrocknet. Dabei entdeckte man den würzigen Geschmack des "grünen Kerns".

Später wurden kleine Scheunen gebaut mit einem Blechrest, welches von unten mit Feuer erhitzt wurde. Die Dinkelähren, die bereits auf dem Feld vom Stroh getrennt werden (Reffen), kamen für etwa vier Stunden zum Trocknen auf den Rost. Der Rauch des Holzfeuers gleitete über die Ähren und durch häufiges Umschaufeln bekam das Getreide sein typisches, etwas rauchiges Aroma.

Der aus Sindolsheim stammende Jürgen Stätzler hatte am Vormittag die Darre in Betrieb genommen und die Besucher erlebten, wie nach traditioneller Art auf der Rauchdarre halb reifer Dinkel zu Grünkern gedarrt wurde. Schätzler erklärte dabei den genauen Vorgang der Grünkerngewinnung. Der Müller ,,gerbte" in der Mühle den Grünkern, in dem der Spelz von den Samenkörnern getrennt wurde. In der heimischen Küche wurde der Grünkern überwiegend als Schrot verarbeitet, hauptsächlich zu Suppen. Die Besucher nahmen in der Bürgstädter Dreschhalle Speisen wie Grünkernküchle, Grünkernsuppe und Salat mit Grünkern zu sich.

Die Kunst des Filzens

Drechsler Wilfried Schneider stellte an der Drechslerbank Tanzkreisel für Kinder her, die diese im Anschluss bunt bemalten. Seine Frau zeigten den Kleinen und Großen das Filzen. Sattler Oliver Aumüller aus Wenkheim führte seine Fähigkeit vor, aus Leder Gebrauchsgegenstände für den Alltag herzustellen. Die Eventfloristin Stefanie Zang aus Gerolzahn zeigte, was für kreative Dinge aus Pflanzen und Blumen herstellbar sind. Zum ersten Mal dabei war das Team der Gärtnerei Bienenweide aus Rippberg mit einer Vielzahl von ausgewählten Pflanzensortimenten, die n am Bauergarten außerhalb des Museumsgelände zu bewundern waren. Die Ausübung ihrer Kunst des Klöppelns zeigte ein Team im ehemaligen Schäferhaus aus Gerolzahn.

Und wie in den Jahren zuvor waren auch die Spinnstubenfrauen aus Höpfingen im Grossbauernhof Schüssler fleißig dabei, Schafwolle zu spinnen und weiter zu Textilien wie Socken, Schals und Handschuhe zu verarbeiten.