Walldürn

Weihe einer Hausmadonna An der Außenfassade der Sparkasse ist die Figur zu sehen

Form des Gedenkens und des Glaubens

Archivartikel

Eine besondere Segnung fand in Walldürn statt: Am Gebäude der Sparkasse wurde nach der Restaurierung eine Hausmadonna enthüllt. Damit ist sie wieder an ihrem angestammten Platz zu finden.

Walldürn. Die Hausmadonna hatte an der Außenfassade des Sparkassengebäudes in der Innenstadt bis vor 50 Jahren über nahezu vier Jahrhunderte hinweg schon ihren angestammten Platz.

Sparkassendirektor Martin Graser, Vorstandsmitglied der Sparkasse Neckartal-Odenwald, sagte, nach Jahrhunderte alter Tradition beschütze diese Madonna noch heute Häuser und zeuge von der Gläubigkeit deren Bewohner. Hausmadonnen würden unter anderem Trauben oder einen Apfel in der Hand halten, einen Sternenkranz um ihren Kopf tragen und stünden oft auf einer Weltkugel oder Mondsichel. Sie würden oft an ein überstandenes Unheil oder Krankheit erinnern.

Mittlerweile sehe man sie leider in Straßen immer seltener. Gründe hierfür seien oft, dass die alten Gebäude renoviert oder umgebaut worden seien oder es Madonna gar nicht mehr gebe oder sie in den Speicher gewandert oder gar ganz verschwunden seien.

Um diese Entwicklung zu ändern, habe der Heimat- und Museumsverein Walldürn die Initiative ergriffen. Lob gebühre hierbei Hardy Frank, der diese tolle Idee vom Wiederaufleben der Hausmadonnen-Tradition mit großem Engagement vorangetrieben habe. Die Sparkasse unterstütze diese Aktion gerne, denn obwohl bei der Sparkasse im Zeitalter der Digitalisierung die Fortschrittlichkeit in den Vordergrund gerückt sei, wolle man hier auch alte Traditionen bewahren und erhalten.

Um hierzu einen Beitrag zu leisten, habe die Sparkasse das Aufbewahrungsgehäuse für die Madonna gespendet, damit die „alte“ Madonna nun wieder am neuen Sparkassengebäude wie bis vor 50 Jahren wieder erstrahlen könne.

In diesem Zusammenhang dankte Graser den Eheleuten Kilian als Eigentümer der Madonna. Diese Madonna sei nach rund 400 Jahren schon ein kleiner „Schatz“, der nun wieder das Walldürner Stadtbild schmücke.

Tradition neu beleben

Bürgermeister Markus Günther führte aus, die Stadt Walldürn liege im Herzen des Madonnenländchens, doch leider würden zwischenzeitlich immer mehr Zeugnisse verschwinden, die diese Bezeichnung rechtfertigen würden. Der Heimat- und Museumsverein wolle diese alte und zunehmend in Vergessenheit geratene Tradition, Hausmadonnen an Häusern aufzuhängen, nun wieder neu beleben.

Diese religiösen Kleindenkmäler seien Ausdrucksformen des Glaubens und Gedenkens im öffentlichen Raum. Die Region zwischen Main, Tauber, Jagst und Neckar werde immer wieder gerne als „Madonnenländchen“ bezeichnet – ein Name, den der badische Heimatforscher Hermann Eris Busse der Region aufgrund seiner vielen religiösen Kleindenkmale in den 1920er Jahren gegeben habe. Und in der Tat seien Bildstöcke und Madonnenbilder bis heute häufig in den Fluren und in Städten und Ortschaften anzutreffen.

Sie würden zum einen von der tiefen Frömmigkeit der Menschenzeugen und zum anderen aber auch von den Schwierigkeiten und Sorgen der Bewohner dieses rauen Landstrichs. In Form von religiösen Kleindenkmälern hätten die Menschen in der Vergangenheit stets ihre Bitten und ihren Dank ausgedrückt und würden dies ganz sicherlich auch in der Gegenwart und Zukunft sehr gerne tun. Verstärkt werde diese Bildstockkultur durch die Wallfahrt „Zum Heiligen Blut“. Viele Fußwallfahrten aus der Mitte Deutschlands würden nun schon seit fast 700 Jahren in die Wallfahrtsbasilika führen und seien auch ein Grund für viele solche Kleindenkmale. Er dankte allen, die zum Gelingen der Aktion beigetragen haben.

Weitere Madonnen im Bestand

Hardy Frank vom Heimat- und Museumsverein sagte, dass sich in den Beständen des Vereins noch einige abgebaute Hausmadonnen befinden würden, die nun wieder ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben und an ihrem ursprünglich angestammten Platz angebracht werden sollten. Dadurch würde eine alte Tradition bewahrt und das „Madonnenländchen“ wäre dann auch wieder in den Walldürner Straßenzügen gegenständlich.

Pater Andreas Lengenfeld OFM Conv., nahm dann die offizielle Segnung und Weihe der restaurierten Hausmadonna vor. ds