Walldürn

Gottesdienst in der Basilika Bischof Dr. Beatus Urassa aus Tansania zusammen mit dem Stadtpfarrer Hauptzelebrant

„Heiliger Geist gibt den Mut, Gutes zu tun“

Archivartikel

Walldürn.Im Verlauf seines Rom- und Deutschlandbesuches stattete am Pfingstmontag Bischof Dr. Beatus Urassa aus der Apostolischen priesterlichen Lebensgemeinschaft „Werk des Heiligen Geistes“ aus Tansania auch der Wallfahrts- und Garnisonsstadt Walldürn und der Katholischen Pfarrgemeinde St. Georg einen Besuch ab.

Er zelebrierte in der Wallfahrtsbasilika als Hauptzelebrant zusammen mit Stadtpfarrer P. Josef Bregula OFM Conv., den Gottesdienst an Pfingsmontag.

Pater Josef sagte, Bischof Dr. Urassa sei vor einem Jahr zum Bischof der Diözese Sumba/Wanga im Südwesten von Tansania geweiht worden, nachdem er unter anderem auch in der Nähe von Regensburg als Priester gearbeitet habe und daher Deutsch spreche. Momentan sei er dienstlich in Rom und in Deutschland unterwegs und besuche dabei Freunde in Rippberg und Walldürn.

Nach einem Willkommensgruß von Bischof Dr. Urassa, den von Lektor Jürgen Kugler vorgetragenen Lesungen aus der Apostelgeschichte und aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer sowie nach der Verkündigung des Heiligen Evangeliums nach Johannes durch Diakon Friedhelm Bundschuh stellte der Stadtpfarrer die Worte aus dem Gedicht der Zauberlehrling – „Die Geister, die ich rief – ich werde sie nicht mehr los“ an den Beginn seiner Predigt.

„Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?“, so würden heute viele fragen, wenn jemand im Begriff sei, eine große Dummheit zu begehen. „Ich bin der Geist, der stets verneint“, habe Mephisto in Goethes „Faust“ gesagt. Das seien zwei Beispiele für Geist-Erfahrungen, die wir auch heute noch machen würden. Es seien ungute Erfahrungen mit unguten Geistern. In mancher Hinsicht seien wir umgeben von Geistern, die zu allem Guten „nein“ sagen würden. Der Zeit-Geist zum Beispiel. Es sei der Geist, der in der Meinung der Leute vorherrsche, der bestimme, wie man heute denke oder zu denken habe.

Da würden viele Wähler und Politiker immer noch an den Geist des Wirtschaftswachstums glauben. Als ob das alles immer so weitergehen könnte! Ein Ungeist, der uns irgendwann einmal die große Rechnung präsentieren werde. Und wenn nicht uns, dann sicherlich unseren Nachkommen.

Immer mehr Leute würden heute an den neu erwachten Geist des Nationalismus glauben. Auch das sei ein Ungeist. Allerdings zeige er sehr deutlich, wes Geistes Kind jemand sei. Wenn er als Pfarrer heute auf Plakaten lese „Erst ich, dann Europa“ und ähnliche Sprüche, dann sei das für ihn ein Zeichen, dass im Großen wie im Kleinen der Geist des Egoismus wirke. „Erst ich – dann die anderen“, das sei ein Ungeist, der mit dem Geist Gottes nicht vereinbar sei.

Ruf nach Heiligem Geist

An diesem Pfingstmontag würden wir nach Gottes Heiligem Geist rufen. Und wir müssten damit rechnen, dass wir ihn auch nicht so schnell wieder loswerden würden, wenn wir ihn einmal gerufen hätten. Darum sei es gut, wenn wir uns erst einmal klarmachen würden, auf welchen Geist wir uns da einlassen würden. Was sei das für ein Geist?, und woran kann man ihn erkennen und wie wirke er?

Es sei ein Geist, der Leben schaffe, der den Menschen zu einem guten und sinnvollen Leben verhelfe. Er bewirke, was dem Leben diene. Dieser Geist werde mit dem Atem Gottes verglichen, mit der Luft, die beim Sprechen ausströme. Er bewirke „in einem Atemzug“ das, was Gott spreche. Dieser Geist erfülle die Menschen mit Kraft, er gebe ihnen den Mut, Gutes zu tun und die Wahrheit zu sagen. Auch und gerade dort, wo sonst nicht viel Gutes geschehe.

Es sei ein Geist, der wie Feuer wirke, das den Menschen mit Leib und Seele entflamme, der die Liebe zu Gott und den Menschen aufglühen lasse, so wie man in die Glutreste eines Feuers nur hineinzublasen brauche, um es wieder neu zu entfachen.

Es sei ein Geist, der Böses abhalte und Frieden schenke – Frieden mit mir selber, mit meinem Nächsten und mit Gott. Es sei ein Geist, der uns Menschen den rechten Weg zeige und uns auch darauf leite. Man sehe diesen Geist nicht direkt. Man spüre ihn nur an seiner Wirkung. Gottes Geist wirke – verborgen und doch kraftvoll.

Die meisten Katholiken hätten diesen Heiligen Geist einmal zugesprochen bekommen, bei ihrer Firmung. Wenn dieser Geist mit Sturm und Feuer zu vergleichen sei, dann müsse man ehrlicherweise sagen: „Bei vielen ist inzwischen der Ofen aus und die Luft raus. Es tut sich nichts mehr“.

Vielleicht sei Pfingsten wirklich eine Chance, wieder neu um diesen Geist zu bitten. Aber wir müssten damit rechnen, dass er wirklich komme. Wir müssten damit rechnen, dass das Konsequenzen habe. Wir müssten damit rechnen, dass wir ihn nicht so schnell wieder loswerden würden, wenn wir ihn erst einmal gerufen hätten.

Wir müssten uns entscheiden, wes Geistes Kind wir sein wollten: Kinder des Zeitgeistes oder Kinder des Heiligen Geistes, der aus uns vielleicht sogar begeisterte Heilige machen kann.

Nach den von Lektor Jürgen Kugler vorgetragenen Fürbitten und dem Empfang der Heiligen Kommunion spendete Bischof Dr. Beatus Urassa zum Schluss des feierlichen Hochamtes allen Gottesdienstbesuchern als Hauptzelebrant in der Hauptsprache Tansanias – in Swahili – den feierlichen Schlusssegen. ds