Walldürn

20 Jahre Lichtermuseum Die öffentlich zugängliche Privatsammlung zählt bisher 21 000 Besucher / Einzigartig in der Zusammenstellung der 2500 Exponate

Holzlaterne aus Wettersdorf für „Heidi“-Film

Das Lichtermuseum in Wettersdorf bietet den Besuchern viele interessante Einblicke. Vor 20 Jahren öffnete das einzigartige Museum seine Pforten und beherbergt heute 2500 Exponate.

Wettersdorf. Licht in seinen vielfältigen Facetten hat die Menschen seit jeher fasziniert. Besonders in der Zeit, als es noch keine elektrische Beleuchtung gab. Wie Menschen damals das Dunkel erhellten, zeigt auf anschauliche Weise das Lichtermuseum im Walldürner Stadtteil Wettersdorf, das am 23. September sein 20-jähriges Bestehen feiert. Es gilt in Baden-Württemberg als einzigartig. Und auch bundesweit lässt sich kaum eine öffentlich zugängliche Privatsammlung dieser Art finden.

Rund 2500 Exponate aus verschiedenen Jahrhunderten, Ländern und Kulturen hat der Initiator und Sammler Rektor i.R. Walter Frenzl zusammengetragen: Lampen, Laternen und andere Zeitzeugen des Lichts. Die Sammelleidenschaft weckte eine Lampe der Pennsylvanischen Eisenbahn in Frederiksbourg (USA), wo Walter Frenzl 1988 mit seiner Frau anlässlich des 30. Hochzeitstages hingereist war. Fortan brachte der Pädagoge von überall Gegenstände zum Thema Licht mit nach Hause: von Auktionen, Trödelmärkten und Reisen.

„Als die Bananenschachteln im Elternhaus überhandnahmen, musste etwas geschehen“, erinnert sich Dorothea Berberich, die im Jahr 2008 das Erbe ihres 2009 verstorbenen Vaters angetreten hat. Die Suche nach geeigneten Museumsräumen in der Region gestaltete sich schwierig. Doch am Ende fand sich eine gute Lösung am Wohnort des Sammlers. Im früheren Schulhaus in Wettersdorf wurde das Dachgeschoss mit Hilfe der Dorfbewohner museumstauglich umgebaut.

Das 1998 eröffnete Lichtermuseum stellt eine Bereicherung der Museumslandschaft in Walldürn und der Region dar. Über 21 000 Besucher sind inzwischen in die Geschichte des Lichts eingetaucht, lernten teils bekannte und teils unbekannte Leuchtkörper und Utensilien zum Thema Licht kennen.

„Leider ist die Zahl der Besucher rückläufig“, bedauert Dorothea Berberich. Dieser Trend sei jedoch auch bei vielen anderen Museen erkennbar. Die Museumsarbeit macht ihr dennoch Spaß und sie freut sich auch nach zehn Jahren als Leiterin, wenn ältere Besucher aus früheren Zeiten erzählen und alte Bräuche wieder aufleben lassen.

„Immer noch Aha-Effekte“

„Es gibt auch nach 20 Jahren noch gewisse Aha-Effekte“, betont sie. Freude bereiten ihr Führungen mit Kindern, die gern auch mal mit Feuersteinen experimentieren oder eine Petroleum-Lampe anzünden dürfen. Da kommt nicht nur bei den Kleinen Begeisterung auf. „In Zeiten des Internets darf das echte Sehen, Fühlen und Riechen nicht verloren gehen“, sagt Berberich.

Stolz zeigt sie das älteste Exponat: einen kleinen, 2000 Jahre alten Ölleuchter aus Ton. Ihr persönliches „Highlight“ ist eine Faltlaterne für Bergsteiger aus der Schweiz. Das gute Stück aus Aluminium und Glimmerscheiben ist circa 100 Jahre alt.

Gelegentlich gibt es auch Anfragen zur Ausleihe von Lampen. Zum Beispiel vom Verband der Lychnologen für eine Ausstellung auf dem Heidelberger Uni-Campus. Oder von einem Requisiteur aus Berlin, der sich vom Lichtermuseum für die jüngste „Heidi“-Filmproduktion eine Holzlaterne von 1800 auslieh. Wie es der Zufall will, eine echte Handarbeit aus der Schweiz mit Tierhaut an den Seitenwänden und einem Markknochen als Kerzenhalter. Sogar für Dreharbeiten mit der bekannten Schauspielerin Hannelore Elsner wurde der Ausstatter im Wettersdorfer Lichtermuseum fündig. Es besitzt in der Zusammenstellung der wertvollen Sammlung weit und breit ein Alleinstellungsmerkmal. Die Einrichtung lebt ausschließlich von Spenden, da außer bei größeren Führungen kein Eintritt erhoben wird. Für die nächsten zehn Jahre wünscht sich Dorothea Berberich „viele Besucher, egal ob Groß oder Klein“.

Für sie ist es die schönste Bereicherung, wenn Menschen im Lichtermuseum Interessantes gehört und gesehen haben.

Das Lichtermuseum ist von April bis Oktober jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppenführungen können jederzeit nach Vereinbarung mit Dorothea Berberich, Telefon 06281/3094 oder E-Mail: info@lichtermuseum.de stattfinden. Unter www.lichtermuseum.de gibt es weitere Informationen.