Walldürn

Kleiner Blutfeiertag bei der Wallfahrt Weibischof em. Rainer Klug hielt die Predigt beim Pontifikalamt

„Keine großen Worte, sondern Taten“

Archivartikel

Weihbischof em. Rainer Klug aus Freiburg war der Hauptzelebrant beim „Kleinen Blutsfeiertag“ und „Krankentag“ mit Antoniusfeier und Krankensegnung in der Basilika.

Walldürn. Kirchenmusikalisch wurde das Pontifikalamt von Organist Christopher Henk an der Dauphinorgel und von Vokalsolisten der Hochschule für Musik in Mainz festlich umrahmt. Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula, OFM, sagt bei der Begrüßung, bei der Feier der Eucharistie wolle man den Heiligen Antonius von Padua als Helfer-Vorbild aller Kranken und Armen in ganz besonderer Weise verehren und das Antoniusbrot segnen.

Die diesjährige Wallfahrt stehe unter dem Leitwort: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ nach Johannes, Kapitel 14, Vers 6 - ein Vers, aus der Bergpredigt. Für viele Menschen würden die Aussagen Jesu paradox und unverständlich erscheinen. Aber gleichzeitig stelle sich der Mensch vielfach drei Grundfragen: „Welchen Weg soll ich in dieser multi-optionalen Gesellschaft einschlagen?“, „Gibt es überhaupt eine Wahrheit?“ und „Wem kann man heute überhaupt noch vertrauen in einer Gesellschaft, in der es kaum noch Vorbilder gibt?“

Und ebenso sehne sich doch der Mensch nach Leben. Man wolle ewig jung sein, ewig schön sein und so lang wie möglich leben. Warum sei heute der Stellenwert von Wellness, Beauty und Gesundheit in unserer Gesellschaft so hoch? Sei es nicht die tiefste Sehnsucht des Menschen nach echtem Leben? Er persönlich sei davon überzeugt, dass Jesus mit seiner Aussage „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ genau auf die drei Grundfragen unseres Lebens zurückgreife. Diese Fragen seien immer aktuell gewesen, sie seien an diesem Donnerstagmorgen aktuell und würden auch in der Zukunft aktuell sein. Und deshalb sei auch Jesu Aussage gestern, heute und morgen – ob wir es wollten oder nicht – aktuell.

Nach den von Lektor Jürgen Schmeiser vorgetragenen Lesungen aus dem Buch der Weisheit und aus dem Buch des Apostel Paulus an die Epheser sowie nach der Verkündigung des Heiligen Evangeliums nach Lukas durch Diakon Karl-Heinz Becker, sagte der Weihbischof, der Heilige Franziskus habe gewusst, was Krankheit, Gebrechlichkeit und Schmerzen für jeden Menschen bedeute. Und von diesem seinem kranken und gebrechlichen Leib habe der Hl. Franziskus gesagt: „In Jesus kommt Gott in das Fleisch der Gebrechlichkeit“.

Jesus kommt zu uns

„Du Herr, kommst in das Fleisch der Gebrechlichkeit“ – dieses Wort sei nicht Vergangenheit, es sei vielmehr Gegenwart. Jesus Christus komme zu uns, er komme uns entgegen – jeden Tag, jeden Morgen. Er habe unseren Leib angenommen mit all seinen Grenzen und Gebrechlichkeiten. Er könne zu mir sagen: „Du, ich kenne deine Krankheit und deine Gebrechlichkeit, ich kenne den Schmerz in deinen Gliedern und die Angst in deinem Herzen. Ich wache mit dir in der Schlaflosigkeit der Nächte und ertrage mit dir die Müdigkeit deiner Tage. Ich kenne deine Angst, nicht versorgt zu werden, und ich weiß um deine Scham, dich von anderen Menschen pflegen, ernähren und versorgen zu lassen.“ Ihm, Jesus Christus, sei das alles vertraut. Er sei stets bei mir, er wolle mein Leben mit mir leben in all seinen Höhen und Tiefen.

Das habe er auch beim Heiligen Antonius getan – bei dem Heiligen, den man an diesem Tage feiern dürfte. Antonius von Padua sei zum Heiligen und Helfer alle unserer kleinen und großen Nöte geworden. 1195 in Lissabon geboren, hätten die Menschen damals seine klaren Worte geliebt, weil er auch selber gelebt, was er zuvor gepredigt habe. Sie hätten die Demut gesehen, in der er gelebt habe, die Armut, seine Geduld, seinen Ordensgehorsam. „Worte haben wir mehr als genug, dafür aber an Werken großen Mangel“, dies sei eines der prägnanten Worte des Hl. Antonius gewesen. Diese Worte könnten wir ganz sicherlich auch für die heutige Zeit feststellen.

Gott habe den Heiligen Antonius vor allem an den Tiefpunkten seines Lebens geführt. Heute sei der Hl. Antonius in fast jeder katholischen Kirche präsent für die Hoffnungen der Menschen, und er sammle die versprochenen Gaben für die Armen. Er sei zum Liebling der Menschen geworden in all deren Alltagsnöten.

Hoffnung zeigen

„Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ Was man an diesem Kleinen Blutsfeiertag und Krankentag zuvor schon im Evangelium nach Lukas gehört habe, das sei auch unsere Berufung. Diese Berufung liege in dem, was man sei und was man lebe. Dazu brauche es keine großen Worte, sondern vielmehr Taten. Gerade in einer Krankheit, in Schmerzen, in einer Behinderung würden uns Menschen das Evangelium Jesu Christi zeigen.

Sie würden die Hoffnung zeigen, die er schenke, die Freude am Glauben, den Frieden im Herzen, die Geduld im Leiden.

Das seien die Zeichen, die Gott geschehen lasse und von denen das Evangelium gesprochen habe: Da würden sich die bösen Geister verziehen, die unser und anderer Leben bedrücken würden. Da entstehe eine Sprache der Hoffnung auf Gott und auf das Leben, das er schenke. Jeder sei nicht nur Empfänger der Liebe Gottes, sondern auch Zeuge, Täter und Bekenner dieser Liebe. ds