Walldürn

Kernfragen unbeantwortet

Archivartikel

Ralf Scherer zur geplanten Ausweisung neuer Baugebiete

Die Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung in Walldürn sind in ihrer Tendenz eindeutig: Selbst wenn Procter&Gamble expandiert und die Bundeswehr Dienstposten aufstockt, wird das den bis 2030 erwarteten Rückgang der Einwohnerzahlen bestenfalls abfedern.

Trotzdem wollen die Gemeinderäte neues Bauland in einer Dimension ausweisen, wie es sie seit dem Wohnungsbauschwerpunkt „Vorderer Wasen“ Anfang der 1990er Jahre nicht mehr gegeben hat. Wie bei den geplanten Gewerbegebieten „Schöner Busch“ und „Löschenäcker“ bekommt man auch diesmal den Eindruck, dass Fakten die Ideologie nicht stören dürfen. Wieder wirken die Begründungen reichlich konstruiert. Ein konkreter Bedarf geht aus den Planungsunterlagen nicht hervor.

Zwei Kernfragen sind gänzlich unbeantwortet: Weshalb brauchen weniger Einwohner noch mehr Bauland? Und wie lässt sich dieser Flächenverbrauch in Einklang mit den Vorgaben des Landesentwicklungsplans bringen? Dieser enthält unter anderem den Grundsatz, dass die weitere Siedlungsentwicklung flächensparend und landschaftsgerecht erfolgen soll, um die vielerorts hohe Erholungs-, Freizeit- und Umweltqualität zu sichern.

Statt sich in einem offenen Dialog diesen zentralen Fragen zu stellen und die Bürger in Entscheidungen dieser Tragweite einzubinden, haben sich Verwaltung und Gemeinderat für den entgegengesetzten Weg entschieden.

Ohne die Planung jemals öffentlich thematisiert zu haben, tauchen große Flächen plötzlich als Punkte unter vielen im Vorentwurf des Flächennutzungsplans 2030 auf. Wohlwissend, dass kaum jemand diese Unterlagen akribisch studieren wird – schon gar nicht mitten in der Urlaubszeit.

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