Walldürn

Zukunft der Madonnenlandbahn IHK, Landratsamt, Gemeindetag und Fahrgastverbände setzen auf Verbesserungen / Forderungen auch für S-Bahn-Linie S2

Kürzere Fahrtzeit und besserer Takt nötig

Archivartikel

Verbesserungsmöglichkeiten für die Madonnenlandbahn und die angrenzenden Bahnknoten standen im Fokus eines Informations- und Meinungsaustauschs in Mosbach.

Neckar-Odenwald-Kreis. Im Haus der Wirtschaft der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar in Mosbach trafen sich Vertreter der IHK, des Neckar-Odenwald-Kreises, des Gemeindetages und der beiden Fahrgastverbände „Pro Bahn“ und VCD. Die einhellige Forderung lautete danach: „Eine Verbesserung des Verkehrs auf der und rund um die Madonnenlandbahn ist dringend notwendig“.

Die Madonnenlandbahn verbindet Seckach über Buchen und Walldürn mit dem unterfränkischen Miltenberg. „Mobilität ist ein entscheidender Faktor dafür, dass Menschen hier leben und arbeiten. In dieser Hinsicht kann auch die Madonnenlandbahn künftig einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten“, betonte Dr. Andreas Hildenbrand, kommissarischer Standortleiter der IHK Rhein-Neckar in Mosbach.

Entlastung für die Straßen

Landrat Dr. Achim Brötel und Bürgermeister Thomas Ludwig, Kreisvorsitzender des Gemeindetages Baden-Württemberg, wiesen gemeinsam auf die Wichtigkeit von gut vertakteten Verbindungen zu den Betrieben, Schulen und Ärzten in den benachbarten Mittel- und Oberzentren wie Mosbach und Aschaffenburg hin. „Dass Menschen bereit sind, das Auto dann stehenzulassen, wenn die Bahn kommt, zeigt das Beispiel der S-Bahn eindrucksvoll. Ein leistungsfähiger Schienenpersonennahverkehr im ländlichen Raum entlastet das Straßensystem auch in den angrenzenden Ballungsräumen“, erklärte Ludwig.

Verbindung mit Rhein-Main-Gebiet

Für ihn sei die Madonnenlandbahn deshalb auch eine Durchgangsstrecke vom und zum Rhein-Main-Gebiet. Auch dafür seien eine Verkürzung der Fahrzeit auf der Gesamtstrecke durch eine Verbesserung des Anschlusses an die S-Bahn in Seckach sowie Investitionen in die Infrastruktur eine wichtige Voraussetzung. Auf das Verbesserungspotenzial ging Matthias Beß, „Pro Bahn“ Main-Tauber, bei der Vorstellung des „Fahrgast-Gutachtens Madonnenlandbahn“ systematisch ein. Für ihn bestehe ein zentraler Ansatz darin, den Fahrplan ab Dezember 2019 so abzuändern, dass die Züge – vorerst an den Wochenenden im Zweistundentakt – von Miltenberg bis Mosbach durchführen, mit attraktiven Anschlüssen auch zur S1 in Seckach und zur S2 in Mosbach. „Das zentrale Ziel – ein leicht merkbares, mindestens stündliches Angebot mit guten Anschlüssen – ist erreichbar und wird sich auch auszahlen, erfordert aber entschlossenes politisches Handeln“, so Beß. Die aktuell schwache Nachfrage sei nichts anderes als ein Spiegel dessen, was man den ehemaligen Nutzern in den vergangenen Jahren zugemutet habe.

Oliver Roßmüller, VCD Main-Tauber, ging auf die angrenzenden Bahnknoten ein. „Um mit der Madonnenlandbahn signifikante Netzvorteile zu erzielen“, so Roßmüller, „wäre es wenigstens erforderlich, zweistündlich oder zumindest mit einzelnen Fahrplanlagen in der Hauptverkehrszeit an die Expresspassagen in den Knoten Miltenberg, Osterburken (über den Knoten Seckach) und Neckarelz anzubinden.“ Damit würden Reisezeiten von und zu den umliegenden Oberzentren teilweise um 30 Minuten verkürzt werden. Weiter führte Roßmüller aus: „Mit einer bis Seckach verlängerten S2 würde der Rhein-Neckar-Raum deutlich besser erreicht werden.“

Das sah auch Landrat Brötel so: „Ein – durch die S2 ermöglichter – Halbstundentakt würde auf einen Schlag viele Probleme zwischen Seckach und Miltenberg lösen. Momentan ist diese Strecke nämlich unter anderem deshalb so unattraktiv, weil es in Seckach nur in eine Fahrtrichtung sinnvolle Anbindungen gibt.

Wenn das Land etwas für die Madonnenlandbahn tun und dort endlich auch den Landesstandard erfüllen will, dann hätte es mit dem Halbstundentakt auf der S-Bahn eine relativ einfache und schnell wirkende Möglichkeit dazu.“

Weitere Erkenntnisse Anfang 2020

Mit weiteren Erkenntnissen zur Verbesserung der Madonnenlandbahn rechnet Brötel Anfang 2020. Derzeit untersucht der Neckar-Odenwald-Kreis in Abstimmung mit dem Landkreis Miltenberg, wie die Fahrzeit verkürzt und die Vertaktung verbessert werden kann. Das Land Baden-Württemberg beteiligt sich an der Untersuchung zur Zukunftsfähigkeit der Madonnenlandbahn, indem es die Hälfte der Kosten übernimmt.