Walldürn

Frech, feucht und fröhlich Starkbieranstich im Miltenberger Gasthaus „Zum Riesen“

Politikerschelte in bester Manier

Zu seinem 15. Starkbieranstich hatte das Brauhaus Faust am Aschermittwoch nach Miltenberg geladen. Winfried Müller wartete dort mit polternder Politikerschelte in bester Manier auf.

Miltenberg. „Ozapft is!“, hieß es am Aschermittwoch im Miltenberger Gasthaus „Zum Riesen“, zur Eröffnung der „fünften Jahreszeit“. Bierbrauer Cornelius Faust präsentierte seinen diesjährigen Fastentrunk rotbraun gemalzt, mit 19 Prozent Stammwürze und 7,5 Prozent Alkoholgehalt.

In seiner Begrüßungsrede zur Geschichte des Starkbiers sowie zur Bedeutung des poltischen Aschermittwochs stimmte Geschäftsführer Johannes Faust die Bockbier-Brüder und -Schwestern auf den bedeutenden Event ein.

Voll besetzt war Miltenbergs gute Stube denn auch, als der Breitendieler und ehemalige Vertriebsleiter des Brauhaus Faust, Winfried Müller, in seiner Paraderolle als „Europaabgeordneter Dr. Müller-Lügenscheid“ auflief, nach eigenen Worten „völlig unbestechlich. Und mit Bier schon gar nicht.“ Ihn hatte Bierbrauer Cornelius Faust den Starkbier-Enthusiasten zuvor als Gastredner und „König der nutzlosen politischen Phrasen, Kenner des gesammelten Nichtwissens, Jongleur der Worthülsen“ vorgestellt.

Vor einem begeisterten Publikum brillierte Müller alias „Müller-Lügenscheid“ dann einmal mehr mit schonungslosen Analysen des politischen Tagesgeschäfts im Miltenberger Lokalkolorit, „im Jahre fünf nach Joachim Bieber und zum vorletzten Mal unter Bürgermeister Helmut Demel“.

Als Kernthema seiner politischen Aschermittwochsrede hatte „Müller-Lügenscheid“ das unter Demel entstandene neue Miltenberger Selbstbewusstsein mit dem Motto „nicht kleckern, sondern klotzen!“ aufgespießt. Damit karikierte „Müller-Lügenscheid“ die äußerst rege Bautätigkeit der Stadt in der Ära Demel. Speziell schoss sich „Müller-Lügenscheid“ dabei auf den „Palazzo Prozzi“ mit dessen „Spanischer Treppe“ ein – das neue Miltenberger Museumsdepot in edlem Sandstein, Baukosten 9,5 Millionen Euro.

Im Hinblick auf die im März nächsten Jahres anstehenden Bürgermeisterwahlen in Miltenberg, verlegte sich der „Europaabgeordnete“ schlussendlich auf die neuen Amtskandidatinnen beziehungsweise den bislang einen Kandidaten: Sabine Balleier, Sabine Stellrecht-Schmitt und Cornelius Faust. Nacheinander nahm er sich diese zur Brust und spiegelte ihre Schwächen schonungslos. Während er zu Cornelius Faust diverse Wortspiele zu dessen Namen zum Besten gab, nahm „Dr. Müller-Lügenscheid“ bei den beiden Kandidatinnen deren Vorliebe für kommunale Grünanlagen aufs Korn. Balleier und Stellrecht-Schmitt stünden ihm zufolge dafür, dass allein mehr Grünflächen der Schlüssel zu Miltenbergs erfolgreicher wirtschaftlicher Zukunft seien und nur diese alle strukturellen Probleme beseitigten.

Machten sich auf dem Miltenberger Marktplatz, vor dem „Riesen“ und auf dem Engelsplatz erst einmal Feuchtbiotope und Fröschequaken breit, dann blühe und boome endlich wieder der Einzelhandel in der City, piesakte „Dr. Müller-Lügenscheid“.

Zugleich unterstrich der seine eigene politische Kompetenz: „Wenn es jemanden gibt der alles weiß, dann sind wir das, die Politiker!“ Abschließend forderte er die Starkbiergemeinde im Riesen dazu auf, ihm bei den anstehenden Europawahlen am 26. Mai erneut ihre Stimme zu geben, „damit ich mir auch weiterhin ein schönes und sorgenfreies Leben gönnen kann!“ bf