Walldürn

Ungewöhnlicher Feuerwehreinsatz Um ein Fischsterben zu verhindern, rückte die Feuerwehr aus und führt dabei noch mit einer Drehleiterübung durch

Rettung für Zander, Güstern und Rotaugen

Eine Hilfsaktion der besonderen Art gab es gestern am Gottersdorfer Weiher: Die Feuerwehr führte eine Übung mit einer Drehleiter durch und rettete dabei vielen Fischen das Leben.

Gottersdorf. „Wasser marsch“ hieß es dieser Tage am Gottersdorfer Weiher für die Feuerwehr Walldürn. Die rückte gestern mit zwei ihrer Einsatzwagen samt großer Drehleiter an, um für den Ernstfall zu üben. Deren Testlauf hatte auch einen weiteren Vorteil: Sie sicherten damit das Überleben der Fische im See. Bereits in den Tagen zuvor waren die ortsansässigen Floriansjünger im Einsatz gewesen, um den Tieren zu helfen. Die hohen Temperaturen, die seit Wochen herrschen, ließen den Sauerstoffgehalt im Gewässer in den Keller sinken. Es drohte ein Fischsterben, weshalb Roland Mohr, Vorsitzender des Angelsportvereins, reagieren musste.

Aufgeheiztes Wasser

Als warnendes Beispiel diente beispielsweise das massenhafte Fischsterben in einem Stausee bei Ellwangen. Aus dem aufgeheizten Wasser mussten in der vergangenen Woche 20 Tonnen Fisch mit einem Wert von rund 50 000 Euro gezogen werden.

Um solch ein Unglück – zugegeben im Gottersdorfer Weiher im etwas kleineren Rahmen – zu verhindern, meldete sich Mohr bereits vor mehreren Tagen bei der Feuerwehr und bat um Hilfe. Die Floriansjünger sagten zu und verbanden den Hilferuf gleich mit einer Übung. Mit einem Schlauch saugten die Einsatzkräfte das Wasser aus dem See und spritzten es wieder zurück in den Weiher. „Dadurch wird das Wasser aufgewirbelt und nimmt wieder Sauerstoff auf. Mehr ist gar nicht notwendig“, erklärte Mohr im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Eine spezielle Aufbereitungsanlage werde also gar nicht benötigt.

Forellen in Gefahr

Das Problem der aktuellen Hitzeperiode ist folgendes: Je wärmer die Temperatur des Wassers ist, desto niedriger ist die Sauerstoffsättigung. Diese wird in Milligramm pro Liter dargestellt. Zuletzt stellte der Angelsportverein bei seinen Messungen an verschiedenen Stellen nur noch einen Wert von 4,5 bis 3 Milligramm pro Liter fest. Dadurch waren zum Beispiel die Forellen im Weiher bedroht. „Diese brauchen viel Sauerstoff, die Grenze liegt bei ihnen bei 5 Milligramm“, erläuterte Mohr. Das warme Wasser bindet weniger Sauerstoff, welcher sich dann nur noch in den tieferen Gefilden in ausreichender Konzentration vorfindet. Karpfen dagegen kommen auch mit weniger Sauerstoff aus, da sie vor allem am Grund des Gewässers leben. Im Gottersdorfer Weiher leben nach Angaben von Mohr außerdem Schleien, Rotaugen, Güstern, Rotfedern sowie als Raubfische Welse, Barsche, Aale und Hechte. Als guter Indikator für einen Sauerstoffmangel diene der Zander. „Der Raubfisch ist sehr empfindlich“, so Mohr.

Es geht wieder aufwärts

Und offenbar zeigte die „kühle Dusche“ Wirkung, wie der Vereinsvorsitzende bestätigte. „Die Werte sind deutlich nach oben gestiegen.“ Welche Fischarten sich in dem idyllisch gelegenen See befinden, können die Wanderer und Spaziergänger in unmittelbarer Nähe des Fischhäuschens sehen. Seit ein paar Wochen stehen dort zwei Hinweistafeln mit allerlei Informationen zu den unterschiedlichen Fischarten im See, die vom Angelverein dort aufgestellt wurden. Die einstündige Übung lockte auch Schaulustige an, die sich die spektakuläre „Rettungsaktion“ der Feuerwehr nicht entgehen lassen wollten. Bis Mitte der Woche müssen die Fische noch „schwitzen“, danach gibt es nach Vorhersage der Wettermetrologen eine Abkühlung. kn/ms