Walldürn

Motorradwallfahrt in Walldürn Rund 250 Biker waren gekommen / Predigt von Pater Josef

Stadtpfarrer: „Für jeden ist Platz bei Gott“

Zahlreiche Biker nahmen an der Motorradwallfahrt teil. Sie stand unter dem Leitwort „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Stadtpfarrer Pater Josef ging in seiner Predigt darauf ein.

Walldürn. In diesem Jahr waren es bei guten äußeren Witterungsbedingungen rund 250 Motorradfahrer, die am Samstagnachmittag auf rund 200 Motorrädern der Marken BMW, Honda, Kawasaki, Yamaha, Triumph, Harley Davidson, Suzuki, Ducati, Horex, Rewaco, MZ, DKW, Zündapp und Moto Guzzi den Weg zu dieser nunmehr 19. Walldürner Motorradwallfahrt antraten.

Sie waren gekommen, um in der Wallfahrts- und Garnisonsstadt Walldürn mit ihrer Gnadenstätte zum Heiligen Blut zu verweilen und innezuhalten und ihren christlichen Glauben „aufzutanken“. Die Motorradfahrer kamen – wie man an den Nummernschildern ablesen konnte – aus Aschaffenburg, Bad Dürkheim, Bad Mergentheim, Darmstadt-Dieburg, Erbach-Michelstadt, Frankfurt, Hanau, Heidelberg, Heilbronn, Heppenheim, Holland (weiteste Anreise), Karlsruhe, Künzelsau, Ludwigsburg, Ludwigshafen, Main-Kinzig-Kreis, Main-Taunus-Kreis, Mainz, Mannheim, Mespelbrunn, Miltenberg, Obernburg, Ochsenfurt, Offenbach, Offenburg, Rastatt, Rems-Murr-Kreis, Schweinfurt, Südliche Weinstraße, Tauberbischofsheim, Tübingen, Tuttlingen, Würzburg und natürlich aus dem Neckar-Odenwald-Kreis zu dieser Motorradwallfahrt angereist.

Den Wallfahrtsgottesdienst hatte Stadtpfarrer P. Josef Bregula OFM Conv. unter das Wallfahrtsthema „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Johannes 14,6) gestellt. Er wurde musikalisch umrahmt von der Band „Young Musicians“ unter der Leitung von Jürgen Miko.

Anliegen vor Gott bringen

Der Stadtpfarrer freute sich, dass sich auch in diesem Jahr wieder erfreulich viele Biker auf den Weg gemacht hätten, um ihren Glauben zu leben und um wichtige persönliche Anliegen vor Gott zu bringen, der den Menschen zugesagt habe, dass er deren Weg, deren Wahrheit und deren Leben und so deren Orientierung und Hilfe in allen Lebenssituation sei. Er wünschte den Bikern, dass sie an diesem Gnadenort Trost und Stärkung erfahren mögen.

Nach der von Gemeindereferentin Anne Trabold vorgetragenen Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Römer und der Verkündigung des Heiligen Evangelium nach Johannes durch den Zelebranten, sagte der Stadtpfarrer, dass zwei Worte in dem zuvor gehörten Evangelium bei ihm besondere Erinnerungen ausgelöst hätten: die Worte „Weg“ und „Wohnung“. Sie würden ihn an manchen Urlaub erinnern, als er allein mit dem Rucksack unterwegs gewesen sei.

Dabei habe er allerlei Wegerfahrungen gemacht: Zuallererst müsse man sich einen Ruck geben, um wirklich aufzubrechen und sich auf den Weg zu machen. Dann brauche man Pausen. Man verlaufe sich manchmal, müsse wieder umkehren. Jeden Tag komme irgendwann der Moment, wo man nicht mehr weiter wolle. Doch dann überwinde man diesen Punkt und komme schließlich doch am Ziel.

Auch das Ankommen sei etwas Herrliches. Man wisse, dass nun ein Platz für einem bereit sei. Und am nächsten Tag gehe es dann weiter. Diese gemachten Erfahrungen seien für ihn zu einem lebendigen Gleichnis geworden. Das Leben sei so ein Weg, so eine Wanderung, eine Pilgerreise. Weg heiße im Griechischen „hodos“, und der Weg zu einem Ziel „methodos“. So gebe es viele „Methoden“, sein Leben zu meistern.

Jesus Christus habe einmal gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wer so lebt wie ich, der kommt an. Wer nach meiner Methode lebt, kommt vielleicht nicht immer bei den Leuten an, aber er kommt ans Ziel. Der findet Gott, der findet Sinn im Leben, der findet Heimat bei Gott!“

„Heimat, Wohnung“ – das sei das zweite Stichwort. Jesus Christus habe einmal gesagt: „Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen, und ich gehe hin, euch einen Platz zu bereiten.“ Meistens höre man diese Schriftstelle im Requiem oder bei der Beerdigung. Wenn einer hingegangen sei zu Gott, dann würden uns diese Worte oft Trost geben. Aber das sei nur die halbe Wahrheit. Das Evangelium sage viel mehr: Für jeden sei Platz bei Gott.

Anderen eine Zusage geben

Ganz verschiedene Menschen, jeder mit seinen persönlichen Eigenarten – sie alle hätten Platz bei Gott. Das Evangelium sei somit für jeden Katholiken also zunächst ein Zuspruch. Jesus sage uns, dass wir bei Gott erwünscht seien, dass wir ein Wohnrecht bei ihm hätten. Dadurch werde dieses Evangelium auch zum Anspruch. Es fordere von uns, auch anderen diese Zusage zu geben und ihnen Platz zu schaffen.

Wenn das wirklich so sei, wenn jeder bei Gott Platz habe, dann bräuchten wir nicht erst zu warten, bis einer sterbe, um solche Worte hervorzuholen. Dann könnten wir doch jetzt schon einen Vorgeschmack davon geben. Denn dann seien solche Worte nicht nur eine Vertröstung auf das ewige Leben bei Gott. Dann liege es doch an uns, hier schon davon Zeugnis zu geben. Dazu gebe es beispielsweise die Kirche und die Pfarrgemeinde. Sie könnten so ein Ort sein, wo jeder daheim sein dürfe, wo für jeden ein Platz sei. Als Christen dürften wir uns aber nicht nur auf die Kirchengemeinde beschränken. Wenn Gott für uns Platz habe, dann sollten wir auch für unsere Mitmenschen Platz haben, und vor allem für diejenigen, die keiner wolle. Der Weg, den Jesus gegangen sei, sei gewesen, Menschen zu Gott zu führen, sei es gewesen, ihnen Raum zu schaffen, in dem sie leben können. Darum könne Jesus Christus denn auch zurecht sagen: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Diesen Weg nachzugehen, nach dieser Methode zu leben, heiße: „Christ sein!“

Nach dem Gottesdienst auf dem Wallfahrtsplatz nahm Pater Josef auf dem Schlossplatz die Segnung der dort abgestellten Motorräder vor, ehe die Teilnehmer die Heimfahrt antraten – gestärkt und erneuert im christlichen Glauben. ds

Info: Weitere Bilder gibt es unter www.fnweb. de im Internet.