Walldürn

Zeremonie im Alten Rathaus Damaliger Regierungsdirektor Adolf Kühn übergab Urkunde

Stadtrecht vor 70 Jahren zurückerhalten

Walldürn.Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Bürgersaal des Alten Rathauses hat Walldürn am 11. Oktober 1948 das Stadtrecht zurückerhalten. Der damalige Regierungsdirektor Adolf Kühn übergab die entsprechende Urkunde über die Wiederverleihung der Bezeichnung „Stadt“ an die Gemeinde.

Zu diesem für Walldürn bedeutsamen Ereignis war der Gemeinderat, nunmehr der Stadtrat, zu einer Sondersitzung einberufen worden. Der damalige Landrat Franz Xaver Schmerbeck, Buchenes Bürgermeister, Vertreter der Geistlichkeit beider Konfessionen, die Walldürner Schulleiter, Heimatforscher Hans Eckstein und zahlreiche Bürger waren Zeitzeugen der Verleihung.

Nachdem Bürgermeister Dr. Arthur Trautmann die Gäste begrüßt hatte, überreichte Regierungsdirektor Kühn die Urkunde im Namen der Landesregierung und überbrachte die Glückwünsche des Präsidenten des Landbezirks Baden, Dr. Heinrich Köhler, und des Landesdirektors Gustav Zimmermann. Die Wiederverleihung, so führte Kühn in seiner Ansprache aus, falle in eine bewegte Zeit, die immer noch zwischen Krieg und Frieden schwebe. Die Jahre 1945 bis 1948 seien eine schwere Probe und Lehrjahre für alle Gemeinden gewesen.

Walldürn könne auf eine reiche Geschichte zurückblicken. Der Name der Stadt sei weit über die Grenzen der Region bekannt und in der katholischen Welt ein Begriff. Die Rückgabe der Urkunde bezeichnete Kühn als Akt der Wiedergutmachung, denn mit einem Federstrich hätten damals die Gewaltherren des Dritten Reichs Walldürn seines Stadtrechts beraubt. „Möge Walldürn wachsen und gedeihen“, schloss der Regierungsdirektor Kühn seine Rede. „Und möge die liebe, alte und neue Stadt besseren Zeiten entgegengehen, für eine friedvolle Zukunft unseres Vaterlandes.“

In seinen Dankesworten sagte Bürgermeister Trautmann, dass damit die seit 1201 bestehenden Rechte der Stadt – damals von Konrad I. Grafen von Dürn verliehen – neu bestätigt wären. „Wenn zum Beispiel die Stadtrechte Mannheims aus dem Jahre 1724 stammen, so bedeutet das nicht mehr und nicht weniger, als dass auch Walldürn seiner Tradition nach verdient, unter den ersten Städten Badens und der deutschen Heimat überhaupt genannt zu werden“, sagte Trautmann.

„Unerträglich verarmt“

Die Wegnahme des Stadtrechts sei nur eine Kränkung gewesen, die Walldürn in den vergangenen Jahren habe hinnehmen müssen. Es sei wohl die Stunde, in der man kritisch feststellen dürfe, dass durch Staatsunklugheit und Staatsallmacht Walldürn, dessen Herrschaftsbereich einst bis zur Pfalz hinunter nach Mainz, also weit über die Jagst hinausreichte, ein an Behörden und schulisch unerträglich verarmtes Gemeinwesen wurde. An Regierungsdirektor Kühn gewandt, fuhr der Bürgermeister fort: „Sie haben uns den Glauben zurückgebracht, dass man Walldürn nicht vergessen hat.“ Als Zeichen der Dankbarkeit überreichte er dem Überbringer der Freudenbotschaft eine prachtvoll gearbeitete Kerze.

Landrat Schmerbeck sagte, dass es nicht allein mit Äußerlichkeiten getan sei, sondern Walldürn damit auch eine Verpflichtung übernommen habe. Bürger und Stadtverwaltung müssten in gemeinsamer Selbsthilfe den Aufstieg der Stadt erarbeiten. Nur dann könne er der Stadt zusätzliche Hilfe angedeihen lassen.