Walldürn

In den „Löwen-Lichtspielen“ Die Filmemacherin Mo Asumang diskutierte mit Besuchern des Films „Die Arier“

Umgang mit der Angst wichtiges Thema

Der Dokumentarfilm „Die Arier“ wurde in den Löwen-Lichtspielen Walldürn gezeigt. Die Filmemacherin Mo Asumang diskutierte in dem Walldürner Kino anschließend mit den Besuchern.

Walldürn. Über die Entstehungsgeschichte des Dokumentarfilms „Die Arier“ und über den Umgang mit Rassismus haben rund 100 Zuschauer am Dienstagabend in den „Löwen-Lichtspielen“ mit der Regisseurin Mo Asumang diskutiert. Von ihrem Film waren die Besucher sehr beeindruckt.

In ihrem eineinhalbstündigen Dokumentarfilm „Die Arier“ geht die Regisseurin Mo Asumang der Frage nach, was hinter der Idee von sogenannten „Herrenmenschen“ steckt. Unter anderem befragte sie auf Demonstrationen Rechtsradikale, reiste zur Volksgruppe der Arier in den Iran und traf sich in den USA mit Mitgliedern des weltweit berüchtigten Ku-Klux-Klans.

Ein wichtiges Thema in der Diskussionsrunde nach dem Ende des Films war der Umgang der Filmemacherin mit Angst. Denn als dunkelhäutige Afro-Deutsche gehört sie zum Feindbild vieler Personen, mit denen sie das Gespräch suchte. Vor allem ihre Recherche in den USA beim Ku-Klux-Klan sei besonders gefährlich gewesen, denn sie wusste, dass diese Schusswaffen besaßen.

„Das war recht gruselig“, sagte Asumang in dem Gespräch. „Die Unsicherheit ist das, was uns Angst macht.“ Um ihre Angst zu bekämpfen, blickte sie ihren Gesprächspartnern in die Augen und stellte ihnen Fragen. „Man muss aktiv werden und nicht in die Opferrolle verfallen.“

Hintergründe dargestellt

Auch für Hintergründe über Chris, einem Aussteiger aus der Nazi-Szene in Deutschland, interessierten sich die Besucher. Der Film sei fast fertig gewesen, als sie begann, nach einer solchen Person zu suchen. Nach einem halben Jahr fand sie Chris, damals noch Nazi, aber auf dem Weg heraus aus dieser Szene.

„Ich wollte den Film mit etwas Positivem, einem Funken Hoffnung, beenden“, erklärte Mo Asumang. Den Kontakt zu Chris pflegt sie bis heute.

In Bezug auf den Umgang mit Rassisten stellte die Filmemacherin fest: „Die menschliche Ebene ist megastark. Davor haben die Rassisten Angst.“ Aus diesem Grund wollten ihre Anführer die Kommunikation ihrer Anhänger mit Andersdenkenden unterbinden.

Sie habe die Erfahrung gemacht, dass die Anführer in dieser Szene nicht so einen starken Hass zeigen wie ihre Anhänger. So habe sie zum Beispiel ein bekannter Hass-Prediger sogar umarmt. Unabhängig davon wollten Rassisten ihre Gegner und die Mehrheitsgesellschaft im Allgemeinen aus der Balance bringen. Man sollte deshalb in der Kommunikation mit Rassisten souverän umgehen.

Wo fängt Rassismus an? Für Mo Asumang bereits dann, wenn man Rassismus anderer Menschen akzeptiert. Wer zum Bespiel die AfD wähle, obwohl er die rassistischen Äußerungen ihres Vorsitzenden Alexander Gauland kenne, sei ebenfalls ein Rassist, so ihre Meinung.

Gegen Ende gab Mo Asumang einen kleinen Einblick in ihre Biographie. Sie wurde im Jahr 1963 als Kind einer Deutschen und eines Ghanaers geboren. Als ihre Mutter mit ihr im achten Monat schwanger war, informierte jene ihre Mutter darüber, dass das Kind eine dunkle Hautfarbe haben werde. „Dann bringe ich mich um“, soll Asumangs Großmutter daraufhin gesagt haben. Diese änderte ihre Meinung aber, sobald das Baby auf der Welt war. Mo wuchs hauptsächlich bei ihrer Oma in Kassel auf, einer früheren Mitarbeiterin in der SS. „Sie hat sich rührend um mich gekümmert.“

1996 wurde sie Deutschlands erste afrodeutsche Moderatorin. Sie arbeitet als Moderatorin, Filmemacherin, Dozentin und Schauspielerin. Eine Morddrohung im Lied einer Nazi-Band veranlasste sie dazu, sich stärker mit Rassismus zu beschäftigen. Die Recherche und Dreharbeiten für den Dokumentationsfilm „Die Arier“ sei einerseits ein Abenteuer für sie gewesen, andererseits auch eine „Reise nach Innen“, sagte Mo Asumang.