Walldürn

Seniorentag bei der Wallfahrt Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann aus Würzburg hielt die Predigt beim Pontifikalamt

„Von Jesus lernen und handeln wie er“

Archivartikel

Beim Seniorentag der Wallfahrt zum Heiligen Blut hielt Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann die Predigt beim Pontifikalamt. Er forderte die Gläubigen auf, zu Boten des Friedens zu werden.

Walldürn. Das Pontifikalamt in der voll besetzten Basilika wurde von Katrin Kirchgeßner an der Orgel kirchenmusikalisch umrahmt.

Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula, OFM, sagte gestern bei der Begrüßung, die Wallfahrt steht unter dem Leitwort: „Suche Frieden und jage ihm nach“. Frieden, das sei ein großes Wort, gerade für die Menschen, die das Ende des 2. Weltkrieges erlebt haben. Es gebe in Deutschland Eltern, Kinder, Enkel und Urenkel, die nie persönlich einen Krieg erlebt haben. Die aus persönlicher Erfahrung nicht wissen, was Fliegeralarm, Luftschutzkeller und Bombennächte heißen, wie sich in Schutt und Asche gelegte Städte anfühlen oder wie es sei, auf der Flucht zu sein.

Teil der Wahrnehmung

„Krieg, das ist Geschichte.“ – diese Aussage könne man aber so auch nicht stehenlassen. „Was Krieg ist, seine Grausamkeit und Sinnlosigkeit, seine menschenverachtenden Auswirkungen, all das ist Teil unserer täglichen Wahrnehmung.“ Je mehr und je schneller die Informationskanäle funktionieren würden, desto mehr und desto schneller würden wir Zeugen der Kriege in dieser Welt.

Leitwort eine Aufforderung

„Suche Frieden und jage ihm nach ist daher eine Aufforderung, die heute noch genauso aktuell ist wie vor Generationen. Suche Frieden ist daher auch für uns eine bleibende und zukunftsorientierte Aufgabe. Um den wahren Frieden zu finden müssen wir unser Leben aber auch auf Gott ausrichten.“ So wolle man gemeinsam Eucharistie feiern, um ihm näher zu kommen und seinen Frieden zu finden.

Bischof em. Hofmann freute sich, in der Wallfahrtsbasilika die Messe zu feiern. „Hier feiern wir das Geheimnis unseres Glaubens. Wir wollen uns vor Gott stellen in dem Bewusstsein, dass er uns sieht. Und sein Blick ist voller Liebe.“

Der Bischof ging nach der Lesung aus dem 1. Brief des Apostels Petrus und der Verkündigung des Evangeliums nach Matthäus auf das Leitwort und die Bedeutung von Walldürn als Wallfahrtsort ein. „Die Heilig-Blut-Wallfahrt ist eine große Besonderheit im Kranz der vielen Wallfahrtsstätten in Deutschland und weltweit.“

Noch viel zu erklären

Die Diskussionen um den Empfang der Heiligen Kommunion von evangelische Ehepartnern zeige, dass es noch vieles aufzuarbeiten und zu erklären gilt. Für katholische Christen ist Christus unter der Gestalt des Weines und des Brotes ganzheitlich gegenwärtig. „Für evangelische Christen ist das zumeist nicht nachvollziehbar.“ Die zur Wallfahrt berichteten Geschehnisse aus dem Jahr 1330 würden den katholischen Glauben auf handfeste Weise unterstreichen. „Im Allerheiligsten, der Eucharistie, verbirgt sich der Auferstandene real.“

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ – das Wort Gedächtnis bedeutet hier im biblischen Sinn kein einfaches sich Erinnern. Es bedeutet den Auftrag, Jesu in seiner Gänze wahrzunehmen und zu erfüllen. „Jesus sagt zu den geweihten Priestern wie damals zu den Aposteln: Wann immer ihr die Einssetzungsworte so sprecht wie ich, also auch in meinem Sinne, in meiner Intention, dann bin ich unter euch genauso gegenwärtig wie jetzt im Abendmahlssaal“, so Bischof em. Hofmann.

Berührung bedingt Konsequenz

In Walldürn werde in besonderer Weise das allerheiligste Altarsakrament verehrt. „Hier werden wir an die Bergpredigt herangeführt, die uns lehrt, arm, gewaltlos, barmherzig und friedfertig zu sein. Hier werden wir an das Leitwort der heiligen Messe herangeführt, das – wie die Bergpredigt – sagt: Suche Frieden und jage ihm nach. Die Berührung mit dem gegenwärtigen, auferstandenen Gekreuzigten bedingt die Konsequenz, von Jesus zu lernen und wie er zu handeln.“ Wenn wir die Begegnung in der Eucharistie mit ihm haben wollen, dann müssen wir auch die Gemeinschaft mit den Menschen haben, die uns begegnen. „Denn wir treffen in jedem anderen Christus selbst.“

Frieden stiften

Die Gläubigen hätten sich auf den Weg nach Walldürn gemacht, weil sie in das Geheimnis der realen Gegenwart Jesu Christi eintauchen wollen. Von Walldürn gehen Glaubenströme aus, sagte der Bischof weiter. „Glaubensströme, die unsere Glaubensgewissheit für die bleibende Gegenwart Jesu Christi stärken und uns ermutigen im Frieden stiften, anderen davon Zeugnis zu geben. Tauchen wir voll Dankbarkeit und Vertrauen ein in das Geheimnis des unter uns gegenwärtigen Christus, der uns durch das hier bezeugte Blutwunder auf besondere Weise ganz nah ist.“