Walldürn

Zweiter Wallfahrtssonntag in Walldürn Weihbischof Ulrich Boom aus Würzburg Hauptzelebrant / Predigt über das Leitwort der Wallfahrt 2018

„Wahren Frieden schenkt nur Jesus“

Archivartikel

Einen weiteren Höhepunkt der vierwöchigen Hauptwallfahrtszeit in Walldürn stellte am zweiten Wallfahrtssonntag das Kommen von Weihbischof Ulrich Boom, Diözesanadministrator aus Würzburg, dar.

Walldürn. Als Hauptzelebrant am Sonntag in Walldürn stellte Weihbischof Boom das Leitwort der diesjährigen Wallfahrtszeit „Suche Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34) in den Mittelpunkt seiner Ansprache, wobei er dieses Thema recht zeitkritisch beleuchtete und dabei eine zeitgemäße derzeitige und künftige christliche Glaubensrichtung aufzeigte. Kirchenmusikalisch feierlich umrahmt wurde das Pontifikalamt von den Chören der Seelsorgeeinheit Walldürn unter der Leitung von Edi Farrenkopf und von Organistin und Kirchenmusikerin Katrin Kirchgeßner an der Dauphin-Orgel.

Zug auf den Wallfahrtsplatz

Der kirchliche Würdenträger wurde von Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter P. Josef Bregula OFM Conv., den weiteren Zelebranten sowie den Ministranten unter feierlichem Geläut vom Pfarrheim aus durch die Walldürner Wallfahrtsbasilika auf den Wallfahrtsplatz zum Freialtar geleitet. P. Josef Bregula begrüßte zu Beginn des Pontifikalamtes neben den vielen Wallfahrern aus nah und fern und Weihbischof Boom, Bürgermeister-Stellvertreter Herbert Kilian, Stadt- und Kreisräte, die Mitglieder des Pfarrgemeinderates mit Vorsitzendem Wolfgang Eisenhauer an der Spitze sowie die am Sonntagmorgen in Walldürn weilenden großen Pilgergruppen aus Bad Schönborn/Mingolsheim, St. Matthias Rodgau/Nieder-Roden, Großkrotzenburg, Mudau-Steibach, Eisingen und Großrinderfeld.

Es gebe heute in Deutschland Eltern, Kinder, Enkel und Urenkel, die nie persönlich einen Krieg erlebt hätten und die aus eigener persönlicher Erfahrung nicht wissen, was Fliegeralarm, Luftschutzkeller und Bombennächte heiße oder wie sich in Schutt und Asche gelegte Städte anfühlen würden, so Stadtpfarrer Bregula. „Krieg, das ist Geschichte“ – so absolut könne man dies aber ganz bestimmt nicht sagen.

Was Krieg sei, seine Grausamkeit und Sinnlosigkeit, seine menschenverachtenden Auswirkungen, all dies sei Teil der täglichen Wahrnehmung. Je mehr und je schneller die Informationskanäle funktionieren würden, desto mehr und desto schneller würden die Menschen heute Zeugen der Kriege in dieser Welt. Aufgrund der Medien live und in Echtzeit würden in den Wohnzimmern die Bomben einschlagen, Menschen im Kugelhagel sterben. Wenn auch die Nachkriegsgeneration in Deutschland keinen Krieg erlebt habe, könne man wohl dennoch nicht davon sprechen, dass sie einen umfassenden Frieden kenne.

Christus näher kommen

Wahren Frieden könne nur Jesus Christus schenken. In diesem Sinne solle man sich in der Eucharistiefeier auf die Suche nach dem wahren Frieden machen und Jesus Christus näher kommen.

Nach den von Lektor Jürgen Kugler vorgetragenen Lesungen sowie der Verkündigung des Evangeliums durch Diakon Hans Miko predigte Weihbischof Ulrich Boom zum Thema „Suche Frieden und jage ihm nach“. Dieses Leitwort sein eine klare Ansage. Aktuell zu allen Zeiten, und in diesem Jahr besonders.

Trügerischer Frieden

Vor 400 Jahren habe der 30-jährige Krieg begonnen, in dem sich Konfessionen gegenüber gestanden hätten, der aber letztendlich dennoch kein Konfessionskrieg gewesen sei. In erster Linie sei es damals schon auf allen Seiten um Macht und Einfluss gegangen. Dieser Krieg habe großes Elend über Europa gebracht.

Die Frage stellend „Hat sich diese Gemengelage heute geändert?“, zeigte Weihbischof Boom auf, dass danach der Erste Weltkrieg 29 Millionen Tote gebracht und Papst Benedikt XV. den Zweiten Weltkrieg als eine „unnütze Schlachterei“ genannt habe.

Momentan herrsche ein trügerischer Frieden. Wo nicht mit Waffen gekämpft werde, da seien es die Mächte der Wirtschaft. Die Völkerbewegung unserer Tage sei eine Folge weltweiter Ungerechtigkeit und Ausbeutung. Es könne keine Mauer so hoch sein und keine Grenze so sicher, als dass sie der Mensch nicht überwinde, um teilzuhaben an den Gütern dieser Welt, die allen gehören würde. Die Menschen würden heute mehr denn je spüren, dass Frieden und Gerechtigkeit einander bedingen würden.

„Suche Frieden und jage ihm nach“ –: so sei nicht von ungefähr das Leitwort auch für den Katholikentag 2018 in Münster gewesen. Sei Münster doch Ort des Westfälischen Friedens von 1648 gewesen. Von dort habe er drei Bilder und Erfahrungen mitgenommen in seinen weiteren Lebensalltag:

Zum einen die auf der Kirchenmeile gemachte Erfahrung, dass man nicht alles gutheißen müsse für sich, aber dass man verstehen und zulassen sollte, wie der Andere sei und denke.

Zum Zweiten die bei der Wallfahrt nach Telgte im Münsterland gemachte Erfahrung, dass „Unterwegs sein“ nicht stehen bleiben, sondern miteinander gehen und aufeinander hören heiße.

Und eine dritte Erfahrung habe er am letzten Tag des Katholikentages 2018 beim abendlichen Singen auf vielen Plätzen der Stadt bei Kerzenlicht: Dort sei in ganz besonderer Weise erfahrbar geworden, was Gott uns immer wieder schenken wolle: Frieden für sich und untereinander.

„Vergebt einander“

Das Evangelium dieser Wallfahrtsmesse bringe jedem wieder einmal mehr in Erinnerung, wer den Menschen seinen Frieden geben wolle. Es sei der Gekreuzigte und wiederauferstandene Herr. Er rufe den Menschen zu: „Friede sei mit euch“ – auch hier und jetzt. „Vergebt einander“, das sei ein Friedenswort und der Schlüssel zum Frieden.

Weihbischof Ulrich Boom beendete seine Wallfahrtspredigt schließ-lich mit den Worten: „Wir dürfen verschieden und vielfältig sein, aber wir sollten gemeinsam unterwegs sein.“ ds