Walldürn

Im „Haus der offenen Tür“ 34 Rekruten des Logistikbataillons 461 legten das feierliche Gelöbnis ab

Werten des Grundgesetzes verpflichtet

34 Rekruten des Logistikbataillons 461 legten im „Haus der offenen Tür“ das feierliche Gelöbnis ab. In den Beiträgen der Gastredner wurde die Besonderheit des Berufs eines Soldaten betont.

Walldürn. Das Gelöbnis wurde von einem Blechbläser-Sextett des Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim unter der Leitung von Hauptfeldwebel Matthias Müller musikalisch umrahmt.

Nach der Begrüßung durch Oberstleutnant Christoph Werle, Kommandeur des Logistikbataillons 461, sagte MdB Alois Gerig als erster Grußredner, wir würden viel zu selten erkennen, welches Glück wir haben würden, heute in Deutschland mitten im freien Europa zu leben. Wir würden alle Freiheiten genießen, für die andere in der Welt bis heute ihr Leben einsetzen. Und es bedürfe dieses Einsatzes, denn die Gefahren und Risiken für die Bundesrepublik Deutschland und seine Verbündete seien nicht verschwunden. Aber es bleibe dabei: Der Einsatz von Soldaten sei immer „Ultima Ratio“. Die Soldaten der Bundeswehr würden aus eigener, manchmal auch bitterer Erfahrung die Grenzen militärischer Einsätze kennen. Daher sei es so wichtig, dass die Politik gerade auf ihren Rat besonders höre, bevor ein Einsatzbefehl ergehe. Allein militärisch sei nichts zu gewinnen, damit könne man weder Frieden noch stabile Demokratien schaffen. Der Erfolg liege vielmehr im Zusammenwirken von Politik, zivilem Engagement, Entwicklungszusammenarbeit, militärischem Schutz und dem Dialog der Kulturen.

Landrat Dr. Achim Brötel führte aus, es sei schön und vor allem auch wichtig, dass das Logistikbataillon 461 an der Tradition der öffentlichen Gelöbnisfeiern festhalte. Das bringe nicht nur die besondere Beziehung der Bundeswehr zur Wallfahrts- und Garnisonsstadt Walldürn und damit zur gesamten Region zum Ausdruck, sondern dahinter stecke vor allem auch eine ganz zentrale Botschaft, die man gar nicht oft genug betonen könne: Denn die Rekruten würden dieses Gelöbnis nämlich nicht auf die Bundeswehr oder gar auf ihren Kommandeur ablegen. Der unsichtbare Oberkommandierende dieses Gelöbnisses sei vielmehr unser Grundgesetz. Die mit Abstand freiheitlichste Verfassung, die es in der gesamten deutschen Geschichte jemals gegeben hat.

Bürgermeister Markus Günther führte aus, mit diesem feierlichen Gelöbnis würden die Rekruten offiziell in die soldatische Gemeinschaft aufgenommen, und mit dem Sprechen der Gelöbnisformel würden sie künftig für die Verteidigung jener Werte eintreten, die im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert seien. Die Bundeswehr sichere den Frieden und sei deshalb eine existenzielle Grundlage für das Leben in Freiheit und für die Sicherung unseres freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates sei. Sie sei der Garant dafür, dass ein jeder in Deutschland nach seinen Werten und Vorstellungen leben könne. Konfliktherde würden räumlich immer näher rücken, und nach jahrzehntelangen Friedenszeiten in Mitteleuropa zeige sich, dass nur eine wehrhafte Demokratie diesen Frieden aufrecht erhalten kann.

Der Schütze Thore Trochim ließ die Grundausbildung in der 1. Kompanie des Logistikbataillons 461 in Walldürn Revue passieren und sah diesen Tag des feierlichen Gelöbnisses als ein ganz besonderes Ereignis für alle Rekruten an.

Oberstleutnant Christoph Werle sagte, wir würden uns heute 100 Jahre nach dem 1. Weltkrieg und über 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg und fast 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und damit der friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands befinden. Viele Deutsche könnten sich kaum noch vorstellen, dass ihr Glück und ihr Gemeinwesen durch eine Katastrophe existenzbedrohender Art gefährdet werden könnte.

Gegenseitige Treue

„Staat und Soldat sind durch ein System gegenseitiger Treue miteinander verbunden“, so formuliere es das Soldatengesetz und beschreibe damit die Erwartung der Republik an ihre Soldaten – dem Ruf ihrer Vorgesetzten in einer solchen Situation, und erst bei einer noch bedrohlicheren kriegerischen Auseinandersetzung, ohne Zögern zu folgen und mehr noch, dabei ganz konkret Gefahren für das eigene Leben in Kauf zu nehmen. Diese höchste Form der Treue, die Tugend der Tapferkeit, sei es, die den Soldaten systemgemäß vom Polizisten unterscheide. Und die ein scheinbares Paradoxon formuliere, dem jeder Führer, insbesondere aber die Verantwortlichen in den höchsten Führungsebenen in besonderem Maße ausgesetzt seien: Nämlich denjenigen in Gefahrenlagen bringen zu müssen, für dessen Leben er als fürsorglicher Vorgesetzter und Kamerad kraft Gesetzes zugleich Garant sei.

Wo immer im militärischen auf den Weg geschickt, bedeute dies die Inkaufnahme realer Lebensgefahr für die eingesetzten Soldaten durch seinen Staat, die nur gerechtfertigt werden könne durch einen mit diesem Auftrag verteidigten höheren Wert. Der Soldat im Einsatz müsse jederzeit darauf vertrauen können, dass diese Güterabwägung immerwährend Gegenstand der Operationsplanung sei – und der militärische Führer vermittle diese Verantwortung schlussendlich an das Primat der Politik.

Anschließend gelobten die Rekruten, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Diese Gelöbnisworte wurden mittels Handschlag durch Oberstleutnant Werle, MdB Gerig, Landrat Dr. Brötel und Bürgermeister Günther besiegelt. ds