Walldürn

Neues Buch erschienen Willi Gehrig hat die Geschichte des Walldürner Stadtteils beleuchtet

Wettersdorf im Wandel der Zeit

Wettersdorf im Wandel der Zeit - Willi Gehrig hat in seinem neuen Buch über den Walldürner Stadtteil dessen Geschichte beleuchtet.

Wettersdorf. Unter dem Titel "Wettersdorf im Wandel der Zeit" erscheint jetzt ein von Willi Gehrig (Glashofen) verfasster Streifzug durch die jüngere Geschichte des Odenwalddorfes auf der "Walldürner Höhe". In der Replik auf die Vergangenheit treten dabei zwei Besonderheiten des Ortes in den Blickpunkt.

Da ist die Bistumsgrenze zu nennen, die bis 1828 an der Talsohle des Ortes entlang des historischen Wettersbaches verlief. Die Bewohner im südöstlichen Teil des Ortes waren bis dahin über die Pfarrei Hardheim der Diözese Würzburg zugehörig. Ihre Schule, die Kirche und der Friedhof befanden sich demnach in der Filiale Dornberg. Da es damals noch nicht die jetzige Straße nach Vollmersdorf gab, mussten sie den Fußweg bergwärts durch den Wald nehmen.

Für den überwiegenden Bereich von Wettersdorf war dagegen Mainz der Bischofssitz. Dies änderte sich 1801 als Napoleon die Grenze zu Frankreich an den Rhein verlegte und dadurch die Bischofsstadt auf französischem Terrain kam. In Folge dessen wurde das Erzbistum Mainz nach Regensburg transferiert. Mit Gründung des Erzbistums Freiburg, das sich nun über das gesamte Land Baden sowie Hohenzollern erstreckte, mussten die Diözesen Mainz/Regensburg und Würzburg ihre badischen Pfarreien an das neu geschaffene Erzbistum Freiburg abgeben. Damit kam es auch zur Vereinigung von Wettersdorf, nach dessen Vollzug sich nun an alle Einwohner zur Filialmutterkirche Reinhardsachsen, als Teil der Pfarrei Walldürn, orientierten, was sowohl den Kirchgang, die Schule als auch die Begräbnisstätte betraf.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal liefert das Erbbestandsgut, das "Churfürst Berthold" am Montag nach dem St. Martinstag 1487 an Claus Platz erblich verlieh. Sein damaliger Titel lautete: "Berthold von Gottes Gnaden des hohen Stuhls zu Mainz, Erzbischof des Hohen Römischen Reichs durch Germanien, Erzkanzler und Churfürst". Aus diesem Hof gingen ab dem Mittelalter bis 1832 drei weitere Güter hervor, die im 19. Jahrhundert die Eigentumsrechte vom "Mainzer" Rechtsnachfolger, dem Fürst von Leiningen, abkaufen mussten.

Die vier Höfe Albrecht Beuchert, Meidel, Seyfried und Trabold waren in Wettersdorf privilegiert, besaßen das alleinige Weiderecht und eine festgeschriebene Holznutzung aus dem Gemeindewald. Außerdem hatten sie den Zugriff auf den Zehnten aus dem Gewann "Berg", das die drei südöstlich des Dorfgrabens gelegenen Bergbauern und die später dort angesiedelten Kleinbauern an sie entrichten mussten.

Zehnt- und Fron-Ablösung

Nach der badischen Gemeindereform 1831 begann die über viele Jahre hinweg andauernde Regulierung der Obrigkeitsrechte. Dies alles brachte eine Welle von gerichtlichen Auseinandersetzungen mit sich, bis endlich 1866 Frieden im Ort einkehren konnte. In diese Zeit fiel auch die Auswanderung zahlreicher Einwohner nach Amerika. Große Lasten wurden den Bauern auch durch das Militär aufgelastet.

Kooperation mit Glashofen

Als um das Jahr 1870 die Erweiterung des Reinhardsachsener Friedhofs thematisiert wurde, war dies mit ein Anlass sich von dem Nachbarort zu trennen. So schloss sich Wettersdorf der katholischen Volksschule Glashofen an und erstellte mit dieser Gemeinde einen gemeinsamen Friedhof. Wenig später gründete man mit dem Nachbarort eine Kirchengemeinde und erbaute 1878 dort eine gemeinsame Kirche.

Der Glashofener Kirchenrechner Gotthard Gehrig verfolgte schon damals vorausschauend das Ziel, eine eigene Pfarrei zu schaffen und fand in seinem Nachbar und Bürgermeister Augustin Gehrig eine wertvolle Stütze. Nach dem Pfarrhausbau war es 1905 mit der Errichtung der Kuratie so weit, drei Jahre danach erfolgte die Erhebung zur Pfarrei.

Nachdem die schon beschlossene Erweiterung des erst ein Jahrzehnt zuvor erbauten Glashofener Schulhauses wegen dem unmittelbar danach beginnenden Ersten Weltkrieg storniert wurde, nutzte Wettersdorf 1920 die Gelegenheit und gründete eine eigene Schulabteilung mit dem Unterricht im Wohnhaus Wörner. Kurz danach fand man mit Vollmersdorf einen Mitstreiter für den Bau eines eigenen Schulhauses, das 1923 bezogen wurde.

Wenig später sollte auch ein Kirchenneubau entstehen und man dachte ebenfalls an eine Pastorierung durch einen eigenen Geistlichen. Obwohl man schon knapp 50 000 Mark durch außerordentliche Holzhiebe erlöst hatte und damit den Neubau problemlos hätte finanzieren können, kam es nicht dazu. Die Gelder versickerten im Haushalt und der Rest diente zum Ausbau des Walldürner Weges 1934. Dazwischen war 1926 zumindest die Anlage eines neuen Friedhofs erfolgreich. So musste Wettersdorf bis 1955 warten, ehe ein neues Gotteshaus bezogen werden konnte.

Infrastrukturmaßnahmen

Sehr lange Vorlaufzeiten hatten der Neubau der Straße nach Vollmersdorf 1904 und die Errichtung der Wasserversorgung 1920. Nachdem bei der zuletzt genannten Baumaßnahme viele Alternativen erwogen und wieder verworfen wurden, kam es schließlich zur Gründung des "Wasserversorgungsverbandes Walldürner Odenwald" zusammen mit den drei Orten der "Hardheimer Höhe" mit der Quellfassung im Eichelbachtal. Durch einen Geheimvertrag musste der Flugplatz Schlempertshof ab 1941 mitversorgt werden. Zur gleichen Zeit wie die Wasserversorgung hielt die Elektrizität Einzug im Ort, nachdem der Ort schon 1903 an das Telegraphennetz angeschlossen wurde. Letzte bedeutsame Maßnahme war die Flurneuordnung in der Ortslage. Eine bereits in den 1930er-Jahren beschlossene Flurbereinigung scheiterte am beginnenden Zweiten Weltkrieg.

Nachkriegszeit

Für etwas mehr als eine Dekade war Wettersdorf vom April 1935 bis August 1945 Sitz der Gesamtgemeinde mit Dornberg, Rütschdorf und Vollmersdorf. Ab Frühjahr 1946 hatte der Ort ungefähr die gleiche Zahl Heimatvertriebener aufzunehmen, wie er Einwohner besaß. Um die Wohnungsnot einwenig zu lindern erstellte die Gemeinde ein Mehrfamilienhaus.

Auch Wettersdorf konnte sich der Krise in der Landwirtschaft nicht entfliehen, so erfolgte ab 1970 kontinuierlich der Rückgang der bäuerlichen Betriebe. Wettersdorf entschied sich 1972, sich freiwillig in die Stadt Walldürn eingliedern zu lassen. mira