Walldürn

EU-Projekttag an der Frankenlandschule MdB Alois Gerig referierte über Europa und die Aufgaben der Zukunft

„Zusammenhalt ist wichtiger denn je“

Den Europatag nutzte die Frankenlandschule zu einem Projekttag. Gastreferent war MdB Alois Gerig. Nach seinem Vortrag folgte eine angeregte Diskussionsrunde mit den Schülern.

Walldürn. Die Schulleiterin der Frankenlandschule, Oberstudiendirektorin Felizitas Zürn begrüßte Gerig zu dem EU-Projekttag mit Schülern der Klassenstufe 13 des dreijährigen Wirtschaftsgymnasiums. Der Bundestagesabgeordnete ging unter anderem auf die Themen „Bedeutung der EU für Deutschland“ oder „Folgen des Brexit für Deutschland und die Gesamt-EU“ ein.Nach seiner persönlichen Vorstellung zeigte er auf, dass es gerade in so bewegten Zeiten wie derzeit wichtiger denn je sei, dass die europäische Staatengemeinschaft fest zusammenhalte als Projekt des Friedens, der Freiheit, des Wohlstandes und der Demokratie. Weiter ging er auf die vier Grundfreiheiten Reise- und Aufenthaltsfreiheit, freier Warenverkehr, freier Verkehr von Dienstleistungen und freier Kapitalverkehr ein.

So sei es etwa in der EU möglich, unkompliziert zu reisen und ohne größere Beschränkungen im Ausland zu leben. Bürger genauso wie Unternehmen könnten überall in der Europäischen Union Konten er-öffnen oder Kredite aufnehmen, und Kapital könne ungehindert fließen, wobei es jedoch beim nationalen Steuerrecht bleibe. Steuerhinterziehung und Geldwäsche würden die EU-Mitgliedstaaten gemeinsam bekämpfen.

Rolle gestärkt

Europa biete mit über 500 Millionen Verbrauchern den größten zusammenhängenden Wirtschaftsraum der industrialisierten Welt. Fast zwei Drittel ihrer Produkte würden deutsche Unternehmen in die EU exportieren. Der Euro habe sich als zweitwichtigste Währung neben dem Dollar etabliert und Europas Rolle als Wirtschaftsmacht gestärkt.

Mit Terrorismus und Fundamentalismus, Bürgerkriegen und humanitären Katastrophen könne heute kein Staat mehr alleine fertig werden. Europa biete hier die Chance zu wirksamen friedenserhaltenden und friedensschaffenden Maßnahmen. Nur gemeinsam mit ihren Partnern könne die Bundesrepublik Deutschland ihre Sicherheit schützen und ihre Verantwortung in der Welt wahrnehmen. Europa biete strenge Kontrollen an den Außengrenzen und gemeinsame Regelungen in der Visa-, Asyl- und Einwanderungspolitik. Europa sei der Schlüssel für eine effiziente Bekämpfung der grenzübergreifenden Kriminalität. Finanzkontrolle und Betrugsbekämpfung seien im Rahmen der europäischen Zu-sammenarbeit gestärkt worden.

In Zeiten einer immer größer werdenden Umweltbelastung biete Europa grenzüberschreitenden Umweltschutz und beim Klimaschutz sei die EU weltweit Spitzenreiterin. Sehr wichtig sei, dass Europa Verbraucherschutz biete. Ob Kennzeichnungsvorschrift für Lebensmittel oder Produktstandards für Kinderspielzeug: Die EU schütze Verbraucher.

Globales Engagement

Die Welt erwarte heute von den europäischen Staaten ein globales Engagement. Außenpolitische Aufgaben von weltweiter Dimension seien aber von den einzelnen europäischen Staaten nicht mehr zu meistern. Die Europäische Union biete hier die Chance, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Im Rahmen der gemeinsamen Außenpolitik leiste hier jedes Mitgliedsland seinen Beiträge je nach seinen gegebenen Möglichkeiten. Wenn die Staaten Europas sich einig seien, dann hätten sie in der Welt ganz sicherlich auch Gewicht und würden internationales Gehör finden.

Gemeinsame Handelspolitik

Erfreulich sei, dass die EU eine gemeinsame Handelspolitik betreibe. Kein einzelnes Mitgliedsland könnte seine Interessen so erfolgreich durchsetzen, wie die EU dies könne. Ein wichtiges Ziel der EU-Handelspolitik sei es, Absatzmärkte für europäische Produkte zu öffnen. Mit der Währungsunion seien Preise europaweit transparent geworden. Die Einführung des Euro sei ein Durchbruch für den Binnenmarkt gewesen. Für Deutschland sei der Euro daher ein großer Gewinn und sollte trotz Haushaltskrisen in einigen Mitgliedsländern nicht infrage gestellt werden. Auf die Auswirkungen des „Brexit“ eingehend sagte Gerig, dass damit Deutschland dann deutlich mehr als bisher an die EU bezahlen müsse. Nach dem Austritt Englands aus der Europäischen Wahrungsunion könnten sich möglicherweise auch andere Länder, in denen Europakritiker gleichermaßen auf dem Vormarsch seien, dem britischen Beispiel anschließen in der Hoffnung, im Zuge eines Austritts ihrerseits „bessere“ Konditionen für das eigene Land auszuhandeln.

Bisher seien die 27 EU-Mitgliedsstaaten in den Brexit-Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich geschlossen. Es wachse aber die Nervosität, dass es den Briten doch noch gelingen könnte, die EU-Staaten gegeneinander auszuspielen. Es sei daher künftig unbedingte Einheit innerhalb der 27 EU-Mitgliedsstaaten gegenüber Großbritannien zu zeigen. Der Austritt Großbritanniens würde vor allem auch die deutsche Wirtschaft belasten. Mehr als die Hälfte der britischen Importe würden aus dem EU-Raum stammen, und Zollschranken könnten nach dem Brexit das Geschäft belasten, wordurch tausende von Jobs dann auf der Kippe stehen würden und man mit Absatzeinbußen von bis zu 20 Prozent rechnen müsste.

Die Schüler nutzen dann die Möglichkeit zu einer Diskussionsrunde, für die das eingeräumte Zeitlimit nicht ausreichte. Felizitas Zürn dankte Gerig für seien Bereitschaft zur Teilnahme am EU-Projekttag und dessen stete enge Verbundenheit mit der Frankenlandschule. Gerig war einige Jahre Gesamtelternbeiratsvorsitzender. ds