Weikersheim

Tauberländer Dorfmuseum Sonderausstellung „Luxus auf dem Lande“ in Weikersheim eröffnet

Alte Schätze aus Truhen und Kassetten

Wenn eine Sonderausstellung im Dorfmuseum präsentiert wird, treffen sich Freunde regionaler Geschichte: Man kennt sich auch über die Stadtgrenzen hinweg.

Weikersheim. Rund 40 Besucher waren es am vergangenen Freitag, die Birgit Bulenda, Vorsitzende des Vereins Tauberländer Volkskultur, zur Vernissage begrüßen konnte – darunter neben Bürgermeister Klaus Kornberger, Weikersheimer Stadträten und Vertretern aus den Ortschaften auch Gäste, die benachbarte Museen betreuen.

Sie alle hatte der Titel der Sonderausstellung „Luxus auf dem Lande“ neugierig gemacht – ein Titel, der wohl, so Helmut Fehler in seinem einführenden Vortrag, für Verwunderung gesorgt haben dürfte. Gab’s so etwas wie Luxus überhaupt – so auf dem Land, wo kleine Häcker, Handwerker und in schlechten Jahren oft eher karg ihr Leben fristende Bauern nur mit Mühe den Alltag bewältigten?

„Erfolg“ dargestellt

Es gab ihn, den Luxus – wenn auch natürlich nicht in solchem Übermaß wie heute. Fehler definierte das Stichwort „Luxus“ bescheiden als das ein wenig „Mehr als das Notwendige“. Bei diesem „Mehr“ folgte man nicht nur dem Streben nach Schönheit und Alltagserleichterung, sondern auch um die Darstellung von Erfolg: Das „Mehr“ hebt ab vom Mittelmaß, erst recht von Armut. Fehler folgte Gottlob Haag, der die Ausgrenzung und Demütigung Besitzloser anklagte, weil für Hohenloher galt „das Haben bestimmt das Sein.“

Es dürfte manchmal recht schwer gewesen sein, den Spagat zwischen Hoffart und Geiz – beide galten insbesondere in den protestantisch geprägten Regionen als Laster – zu bewältigen, ohne lästernder Kritik auszusetzen.

Knechten und Mägden dürfte bereits eine silberne Schuhschnalle oder ein seidenes Haubenband als Luxus gegolten haben. Land- und Hofbesitzer dagegen konnten sich Zierrat im Fachwerk, an Hofpfosten und Toren leisten, das Haus mit Marienstatuen schmücken, die vor Chaisen und Schlitten gespannten Zugtiere mit verziertem Zaumzeug ausstatten, beim Mobiliar und selbstverständlich bei der Kleidung auf feine Gestaltung Wert legen – Zeugnisse dafür finden sich auch in der Dauerausstellung des Dorfmuseums.

Fehlers Recherchen förderten manch Interessantes zu Tage: So belegen Schriftstücke um 1870, dass auch die Obrigkeit habe ein Auge auf die „überall und in allen Ständen“ wachsende Luxussucht gehabt habe. Dort wird beklagt, dass „von dieser verderblichen Seuche auch das Landvolk nicht ganz frei geblieben“ sei. Unter anderem, so Fehler, habe die Markgrafschaft Ansbach die Nutzung silberner Totenkronen und die Größenordnung von Hochzeitsfeiern reglementiert und die gestatteten Kosten von Amts wegen gedeckelt.

Dem Streben nach Luxus taten derartige Einschränkungen keinen Abbruch: Mehr oder weniger bescheidene Wohlstandsbelege wurden in Truhen, Schänken und Kassetten verwahrt, in etwas besser gestellten Familien auch schon mal in Vitrinen: Schmuckstücke, feine, in zahllosen Stunden für die Aussteuer mit Zierstickerei verschönerte Stoffe, selbst elegantes Schuhwerk, feinst geklöppelte Spitzenhandschuhe und selbst Federfächer fanden in der Zeit von 1850 bis 1950 Eingang in Haushalte auf dem Lande, das feine Tafelgeschirr dürfte wohl vornehmlich bei entsprechenden Anlässen genutzt worden sein.

Etliches noch nie gezeigt

Die von Renate Gröner und Johanna Wilckens liebevoll gestaltete Sonderausstellung wurde überwiegend aus in den Depots des Dorfmueums verwahrten Stücken zusammengestellt, darunter Etliches, das hier noch nie gezeigt wurde. Einige Leihgeber, insbesondere Renate Gröner und Roland Kroneisen, ergänzten die Depotfunde um Exponate aus ihren Sammlungen.

Bürgermeister Klaus Kornberger lobte das Engagement des Vereins und die Sonderausstellung, die auch Kennern des Museums etliches zu bieten habe.

Viel Lob gab es von den Vernissagebesuchern auch für die musikalische Umrahmung durch die aus Bernsfelden stammende Flötenschülerin Valerie Fischer, die gemeinsam mit ihrer Lehrerin Regine Burdinski von der Musikschule Hohenlohe heitere Weisen ausgewählt hatte.