Weikersheim

Ökumenische Chorbegegnung Ensembles aus Elpersheim und Niederstetten begeisterten in Weikersheim / Am Samstag folgt zweiter Auftritt in Niederstetten

Bis hinauf in die höchsten Höhen fein intoniert

Archivartikel

„Sing again“ ist der Chor der evangelischen Kirchengemeinde Elpersheim. Karin Kraft leitet das gut 30-köpfige Ensemble, das zu rund zwei Dritteln aus Frauen besteht.

Weikersheim. Auch im von Kirchenmusikdirektor Hermann-Josef Beyer geleiteten kaum größeren Katholischen Kirchenchor St. Johannes Evangelist Niederstetten sind die Sängerinnen in der Überzahl. Beiden Chorleitern gelingt es immer wieder, dennoch ein höchst harmonisches und qualitativ hochrangiges Gleichgewicht der Stimmen zu gestalten.

Bereits im Februar haben die Chöre mit den Proben für die beiden großen gemeinsamen Auftritte begonnen. Die Chorleiter forderten den Sängerinnen und Sängern einiges ab: Zunächst waren in beiden Formationen höchst vielgestaltige, teilweise immens anspruchsvolle Sätze zu bewältigen, dann galt es, nicht nur jeweils eigene Glanzlichter zu setzen, sondern auch einen stimmstarken Gesamtchor zu bilden und mit dem „Kleinen Chor Niederstetten“ und dem „Frauenchor“ zusätzliche Farben im Gesamtrahmen zu gestalten.

Mit einem tänzelnden Orgel-Lobpreis eröffnete Hermann-Josef Beyer den Konzertabend in der Weikersheimer Stadtkirche St. Georg. Akteuer und Publikum begrüßte Elpersheims Pfarrer Horst-Frithjof Tschampel, denn eigentlich hätte dieses Konzert anlässlich der 800-Jahr-Feier Elpersheims in der dortigen Kirche stattfinden „müssen“. Die aber hätte so vielen Sängerinnen und Sängern schwerlich Platz genug geboten. Perfekt, dass die Dekanatskirche heuer selbst Jubilar ist und so dem besonderen Konzert natürlich gern den Rahmen bot.

Höchst präzise und ausdrucksstark eröffneten beide Chöre gemeinsam das Chorprogramm mit drei Gospels, darunter dem „Titelsong“ „Lets praise the Lord“ von Michael Schmoll, begleitet von Felix Tannenberg am Kontrabass und Hermann-Josef Beyer am Piano. Schon das weit gefächerte einführende Gospel-Dreierset spiegelte enorme melodische Vielfalt.

Der Niederstettener Chor schloss mit weit schwingenden Harmonien von William Lloyd Webber an: „Singet ein neues Lied“ stammt vom Vater des Musicalkomponisten. Schwungvoll intonierte der Chor Lightfoots „Jubilate Alleluja!“, bis in die höchsten Höhen fein intoniert ließen die Sängerinnen und Sänger die Höhrerseelen mit Rutters „Look to the day“ schweben.

Ein Zeitsprung

Starke lateinamerikanische Rhythmen, ergänzt durch Percussion (Andreas Kraft), Tannenbergs Kontrabass Hermann-Josef Beyer am Piano steuerte der Kleine Chor Niederstetten mit „Cantar!“ von Jay Althouse bei, ehe beide Chöre gemeinsam mit einem italienischen Laude aus dem 15. Jahrhundert und „Ubi caritas“ – letzteres gemeinsam mit dem Streicherensemble um Manfred Birkhold – einen Zeitsprung wagten, der sich faszinierend rund ins Programm fügte. Karin Kraft gelang es anschließend, das Publikum in Alejandros Vecianas Kanon einzubinden.

Ein echtes Erlebnis: The Ground“ von Ola Gjeilo. Weite, lang atmende Klänge gestaltet der erst 40-jährige, aus Norwegen stammende Komponist – und wie die zu einem Chor verschmolzenen Ensembles seine Komposition gemeinsam mit den zehn Instrumentalisten unter der Leitung von Karin Kraft zu Gehör brachten, hätte wohl auch den Komponisten zufriedengestellt.

Dann das Streicherorchester, das mit dem 3. Satz des C-Dur-Konzerts für Cembalo und Streicher von Joseph Haydn brillierte: lupenrein und dabei herzenswarm atmend über perlenden Cembalo-Klängen – ein Genuss.

Dann übernahm erneut „Sing again“: erhebend in kleiner a capella-Besetzung mit Immanuel Faißts „Selig sind die Barmherzigen“. Mit Piano-Begleitung folgten zeitgenössischer Lob- und Segensgesang. Hoch schwebend dann „Days of Beauty“, eine Komposition von Ola Gjeilo nach Lyrik von Emily Bronté. Das Streicherensemble und Beyer am Piano begleiteten die 15 Sängerinnen perfekt.

Zum Schluss noch einmal – nun wieder in voller Besetzung – klassische Leckerbissen: Mendelssohn Bartholdys „Jauchzet den Herrn alle Welt“ und – instrumental eingeleitet – „Denn er hat seinen Engen befohlen.“

Mit „Pacem“ von Lee Dengler rundeten die Musiker das perfekt gestaltete und Umgesetzte Konzert ab. Immer wieder hatte es zwischendurch spontanen Applaus gegeben. Zum Schluss mochte das Publikum kauf aufhören, in die Hände zu klatschen.

Wer das faszinierende Konzert in der Weikersheimer Georgskirche verpasst hat, sollte sich für den kommenden Samstagabend nichts anderes vornehmen: „Lets praise the Lord“ heißt es noch einmal am Samstag, 25. Mai um 20 Uhr in der katholischen Kirche St. Johannes Evangelist vorbachaufwärts in Niederstetten.