Weikersheim

Stadtkirche St. Georg Deutsche Stiftung Denkmalschutz gibt für die Sanierung des Weikersheimer Gotteshauses 110 000 Euro

„Dicht und trocken“ hat Priorität

Für die Sanierung der evangelischen Stadtkirche St. Georg in Weikersheim hat es einen Geldsegen gegeben: 110 000 Euro von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz.

Weikersheim. „Das ist eine richtig große Nummer“, freute sich Dekanin Renate Meixner bei der Übergabe des symbolischen Fördervertrags über 110 000 Euro. Gisela Lasartzyk, die Leiterin des Stuttgarter Ortskuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) überreichte die Zusage gemeinsam mit weiteren DSD-Vertretern und dem Vertreter von Lotto Baden-Württemberg Christoph Grüber. Dank der Förderzusage kann die Kirchengemeinde jetzt die im ersten Sanierungs-Bauabschnitt nötigen Dacharbeiten an Langhaus und Westturm der evangelischen Stadtkirche St. Georg angehen.

„Dicht und trocken“ habe Priorität, erläuterte Robert Vix, Leiter des Niederstettener Architekturbüros Vix. Nach Stürmen müssen Passanten immer wieder Umwege in Kauf nehmen, weil das Wetter am Dach nagte, auch die Holzkonstruktion bedürfe einer gründlichen Überarbeitung. Mit DSD-Unterstützung hat der Architekt in den letzten acht Jahren 14 entsprechende Sanierungsprojekte bearbeitet. Man kennt sich also – und Vix weiß um die Vorteile der Kooperation mit der 1985 gegründeten privaten „Deutschen Stiftung Denkmalschutz“. Die gestattet nämlich im Gegensatz zu staatlichen Förderungen beschränkte Ausschreibungen, was regionale – also mit den lokalen Gegebenheiten vertraute – Firmen besser zum Zuge kommen lässt. Das sorgt ebenso für Nachhaltigkeit wie die DSD-Qualitätskontrolle.

Mehrere Bauabschnitte

Die Kur für die Georgskirche soll mehreren Bauabschnitten erfolgen. Nach Langhaus und Westturm, die zunächst in Angriff genommen werden, steht die Sanierung des Chorbereichs an. Danach will die Kirchengemeinde die Sanierung im Innenraum fortführen. Der bereits gegründete Freundeskreis zeigt, dass die Planungen auch über die Kirchengemeinde hinaus Zuspruch finden. Robert Vix kündigte schon den nächsten Förderantrag an, denn man habe vor, die Außenrenovierung durchgehend durchzuführen.

Die Stuttgarter DSD-Ortskuratoriums-Leiterin erläuterte den positiven Bescheid der DSD-Wissenschaftskommission: Die von 1419 bis 1440 erbaute, knapp zwei Jahrhunderte später erweiterte, mit achteckigem Westturm versehene und insgesamt überformte spätgotische dreischiffige Hallenkirche sei für Ort und Region von besonderer Bedeutung. Sankt Georg prägt gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Schloss, die den Marktplatz sozusagen in ihre Arme schließen, das Ortsbild. Kunsthistoriker loben die Netzgewölbe im Mittelschiff, die Kreuzrippengewölbe und etliche Ausstattungselemente wie Empore, Kanzel, Altarretabel und Orgel.

Besonderes Förderaugenmerk legt die Stiftung auf Denkmale, deren Erhaltung ohne Hilfe und Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nicht gewährleistet wäre, so Gisela Lasatzyk. Kirchengemeinden tun sich gerade in den vom demografischen Wandel besonders betroffenen Gebieten, in denen besonders viele Kirchenbauten zu erhalten sind, schwer mit Sanierungsfinanzierungen, ergänzte Dekanin Meixner.

Leistbar ist die DSD-Förderung durch viele private Spender – und seit 1991 zu einem großen Teil aus Erträgen der GlücksSpirale. Dabei handelt es sich um nicht ausgeschüttete Gelder der Lotto-Rentenlotterie, wie Christoph Grüber, Geschäftsführer der Toto-Lotto Regionaldirektion Nord-Ost GmbH, erklärte.

Die Spielfreude mit Gewinnchance mache sich nicht nur für die DSD und deren Förderprojekte bezahlt, sondern fürs Land insgesamt, ergänzte Grüber: Lotto sei das lukrativste Unternehmen des Landes. Täglich flössen aus dem Unternehmen rund eine Million Euro an das Land zurück. Weikersheim profitierte bereits bei der Sanierung des Herkulesbrunnens von der Förderung.

„Wir bauen auf Kultur“, lautet der Slogan der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die sich seit ihrer Gründung dem Grundsatz „Damit Vergangenheit Zukunft hat“ verpflichtet fühlt. Entsprechend wichtig ist der Stiftung auch, die junge Generation mit ins Boot zu holen – unter anderem durch die derzeit 14 Jugendbauhütten, in denen Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege absolvieren können, berichtete Lasartzyk. Man arbeite daran, auch in Baden-Württemberg eine Jugendbauhütte aufzubauen.

Über Bauführungen nachgedacht

Mit der Aktion „denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ animiert die Stiftung Schulen, Lehrer und Schüler zur Auseinandersetzung mit kulturellen Erbe. Veranstaltungen, Aktionen, Veröffentlichungen und dem Stiftungsmagazin „Monumente“ wendet sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz an die breite Öffentlichkeit.

So bot dann auch Jörg Paczkowski, ehrenamtlicher Leiter des Wertheimer DSD-Ortskuratoriums, spontan einen Vortrag zur Kirchenbaugeschichte an, sehr zur Freude von Dekanin Meixner und der anwesenden Vertreter der Kirchengemeinde.

Angedacht wurde nach dem offiziellen Teil der Fördervertragsübergabe auch die Möglichkeit von Bauführungen im Umfeld der Sanierungsarbeiten.