Weikersheim

Weinwanderweg eröffnet Der Tauberschwarz gibt die Route ins Ebertsbronner Tal vor / Historisches Gewächs vor dem Aussterben bewahrt

Einem Erbe der Region auf der Spur

Archivartikel

Einen genussvollen und informativen Nachmittag rund um die Eröffnung des neuen „Tauberschwarz Wanderweges“ gab es jetzt in Laudenbach mit Gästen aus der ganzen Region.

Laudenbach. Nette Gäste, beste Stimmung, super Wetter, leckere Weine und eine tolle Kulturlandschaft waren die optimalen Voraussetzungen bei der Eröffnung des neuen „Tauberschwarz Wanderweges“ von Laudenbach nach Ebertsbronn. Aus einer Idee ist nun Wirklichkeit geworden um den Tauberschwarz als das Erbe der Region zu würdigen und zu ehren.

Blickt man zurück in die Geschichte, so muss man feststellen, dass die Fürsten von Hohenlohe-Weikersheim über die Jahrhunderte hinweg große Förderer des Weinbaus waren. Der Weinbau brachte ihnen einen gewissen Wohlstand und so ist es auch sehr wahrscheinlich, dass unter ihrer Herrschaft irgendwann im 16. Jahrhundert die ersten Tauberschwarzsetzlinge beschafft wurden. Von nun an bereicherte die neue rote Rebsorte den in der Region üblichen gemischten Satz in den Weinbergen. Durch seine große Frosthärte war der Tauberschwarz eine ideale Rebsorte für das eher kontinentale Weinbauklima.

Bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war der Tauberschwarz eine der wichtigsten Rebsorten in den Weinbergen entlang der Tauber um Weikersheim und im Vorbachtal. Als in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts dann aber die großen Rebflurbereinigungen im Vorbach- und Taubertal Einzug hielten, und die Weingärtner zu sortenreinem Anbau übergingen, wurden die oft über 200 Jahre alten Reben gerodet. Da zu dieser Zeit der Weißwein beliebter war, geriet der Tauberschwarz in Vergessenheit.

Eine glückliche Fügung

In Ebertsbronn standen in den 1970er Jahren die letzten Reben der autochthonen Rebsorte Tauberschwarz, unter anderem in dem Weinberg der Familie Balbach. Nach einer Jahrhunderte alten Weinbautradition galt der Tauberschwarz damals als nahezu ausgestorben.

Es war eine glückliche Fügung, dass Hermann Balbach senior, ein Winzer aus Ebertsbronn, gerne Tauberschwarz genoss und immer ein Holzfass mit 100 Litern der historischen Rebsorte für sich und seine Gäste im Keller hatte. Das wusste auch der damalige Weinbauberater Georg Dierolf, der in den 60er Jahren die Weingärtner in der Region fachlich betreute. Er schlug der Familie Balbach vor, einen Versuchsweinberg mit verschiedenen Tauberschwarz-Klonen zu pflanzen, und diese mit ebenfalls gepflanzten Portugieserreben zu vergleichen. Dieser Weinberg wurde 1966 im Gewann Ackerberg angelegt und in den Folgejahren gewissenhaft ausgewertet. Von den besten Klonen wurden Ruten geschnitten und zur weiteren Selektion in die Weinbauschule Weinsberg geschickt.

Ein entscheidendes Ereignis bei der Renaissance der Tauberschwarzes war dann der Polarwinter 1978/79. Bei Temperaturen von unter minus 20 Grad waren fast alle Weinreben in der Region erfroren. Die Tauberschwarzreben jedoch hatten dem Frost getrotzt und brachten einen beachtlichen Ertrag. Dadurch wurde man wieder aufmerksam auf die alte Rebsorte und veranlasste einen weiteren Anbau im staatlichen Rebgut in Lauda.

Neue Erfolgsgeschichte

Die Sorte fand bei den Weingärtnern, wie auch bei den Weinliebhabern in der Folgezeit großen Anklang und somit begann die Erfolgsgeschichte der regionalen Rebsorte Tauberschwarz. Sie ist wie keine zweite Sorte mit unserer Region und Heimat untrennbar verbunden und ihr zu Ehren wurde der „Tauberschwarz Wanderweg“ ins Leben gerufen.

In seiner Begrüßungsrede konnte Laudenbachs Ortsvorsteher Martin Rüttler zahlreiche Gäste wie die Markelsheimer Weinkönigin Constanze, die Hohenloher Weinkönigin Tamara, die Taubertäler Weinkönigin Nicole, Heike Naber, Bürgermeisterin der Stadt Niederstetten, Norbert Beck, Bürgermeisterstellvertreter Stadt Weikersheim, verschiedene Ortsvorsteher, Stadträte und Ortschaftsräte, die Familie Balbach und viele interessierte Besucher willkommen heißen.

Dem Tauberschwarz zu Ehren, durfte Constanze Schmitt den neuen „Tauberschwarz Wanderweg“ als Rundweg von Laudenbach nach Ebertsbronn und zurück, mit Enthüllung der Wanderwegtafel eröffnen.

Während der Wanderung erhielten die Gäste von Martin Rüttler viele Informationen zu Laudenbach als auch unserer herrlichen Kulturlandschaft.

An „Albert’s Weinbergshüttle“ in der Schafsteige, mit einemtollen Blick auf Laudenbach und das Ebertsbronner Tal, wurde dann ein Weikersheimer Tauberberg Tauberschwarz Kabinett präsentiert. Kirschrot im Glas, samtig, weich und fruchtig mit feinem Bukett verleiht die zarte Restsüße diesem Wein seinen Charme.

Über den ehemaligen Dürrhof ging die Wegstrecke weiter Richtung Ackerberg. Hier stehen besonders im Mittelpunkt die früheren Magerweiden bzw. Schafflächen. Peter Mühleck, der Laudenbacher Experte für diese Naturschutzflächen, erklärte die Bedeutung der ökologische Vielfalt von Pflanzen und Tieren in diesem Bereich.

Der Weg führte direkt weiter in die Weinberge von Ebertsbronn. Dort hat man an dem Tauberschwarzweinberg der Familie Balbach, an einem wunderschönen Panoramaaussichtspunkt, einen Sitzplatz mit einer Infotafel zu Ehren des Tauberschwarz erstellt. Michael Schmitt, Vorstand und Geschäftsführer der WG Markelsheim, begrüßte dort Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch. In seiner Rede ging er auf die Idee zur Errichtung des „Tauberschwarz Wanderweges“ ein, der sich aus einem Gespräch mit Herrmann Balbach im Weinberg ergab.

Mit Arbeit und Liebe verbunden

Er bat dann Balbach die Geschichte des Tauberschwarz in seinem Weinberg zu erzählen. Es war für alle Zuhörer hoch interessant und sehr authentisch, wie Balbach die Familiengeschichte von seinem Vater mit dem „Roten“ im Keller und damit einen wichtigen Teil der neuen Tauberschwarzgeschichte erzählte. Jedem Zuhörer wurde bewusst, mit wie viel Arbeit, Einsatz und Liebe zum Tauberschwarz man diese Rebsorte erhalten hat und sie die Grundlage der heutigen Tauberschwarzreben bilden. Staatsekretärin Gurr-Hirsch, Constanze Schmitt, Hermann Balbach und Michael Schmitt enthüllten dann gemeinsam die Infotafel über die Geschichte des Tauberschwarz von damals und heute. Als Wein-Highlight präsentierte Michael Schmitt dann eine Laudenbacher Schafsteige Tauberschwarz trocken. Dieser Wein ist eine absolute Weinrarität, da er ausschließlich aus dem Weinberg der Familie Balbach stammt.

Staatssekretärin Gurr-Hirsch begrüßte auch die Biedermeier-Mörike Gruppe in ihren historischen Kostümen. Sie ging neben der Geschichte auch noch auf die züchterische Auslese durch die staatliche Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg mit ihrer Außenstelle in Lauda sowie die fachliche Betreuung durch die Weinfachberater des Landratsamtes ein. Seit 1994 ist der Tauberschwarz in die Liste der zum Anbau zugelassenen Rebsorten aufgenommen.