Weikersheim

Weltladen Altstadtverein und WEG feiern Zehn-Jahr-Umzugsjubiläum am Samstag, 29. Juni, mit Flohmarkt und Musik

Fairer Handel längst in Weikersheim angekommen

Archivartikel

Weikersheim.Das bucklige kleine Häuschen in der Altstadt ist in die Jahre gekommen: Es wurde um 1756 errichtet und bot zwei Familien Unterkunft und teilweise Lebensgrundlage. Hier wurde gekocht, gelebt, gearbeitet. Kleine Stuben, in die man sich wohl schon seinerzeit hineinbücken musste. Kochstelle, Kellergelass, Stall und phasenweise Schusterwerkstatt und Schreinerei teilten sich den knappen Raum

. Zentral wohnte hier auch eine Zeit lang Weikersheims Nachtwächter Christof Ott – und ganz zuletzt noch die 87-jährige Babette Strecker. Nach dem Tod der langjährigen Stadtkirchenmesnerin stand das Haus ab 1994 leer. Den drohenden Abriss verhinderte der Altstadtverein, der das Häuschen 2001 kaufte und mit hohem ehrenamtlichen Aufwand als sozialgeschichtliches Dokument sicherte.

Seit zehn Jahren herrscht hier wieder Leben: In der zwei Jahrzehnte zuvor auf Initiative von Barbara Hofmann und Helga Weihrauch gegründeten Weltladengruppierung, die bis dahin meist nach Gottesdiensten im nur zehn Quadratmeter großen Kellerraum des katholischen Gemeindehauses ihr Angebot präsentieren konnte, fand der Altstadtverein den passenden Nutzungspartner. Mitte November 2008 erfolgte die Gründung der „Weikersheimer EineWelt-Gruppe – WEG e.V.“, die Basis des verlässlichen Weltladenbetriebs ist. Rund 50 Mitglieder gehören mittlerweile dem Verein an.

Bei der Eröffnung des neuen Weltladens standen zwei kleine Räume, Küchenecke und Toilette zur Verfügung. WEG und Altstadtverein beließen es nicht dabei: 2016 stellten sie der Öffentlichkeit zwei weitere in liebevoller Kleinarbeit originalgetreu naturnah mit Lehmputz sanierte Räume und den grundsanierten Keller vor. Und heuer folgte – pünktlich zur zehnten Wiederkehr des Einzugs – ein neuer Außenanstrich.

Dank der Initiative von Altstadtverein und WEG wurde aus dem Abrissfall ein Schmuckstück, das auch Touristen anspricht. Mancher, den historisches Interesse in die Räume lockt, kommt ins Gespräch und erwirbt Mitbringsel.

Kinder mit abgezähltem Taschengeld erwerben Kleinigkeiten, Erwachsene schauen bei der Suche nach außergewöhnlichen Geschenken herein oder suchen gezielt nach fair gehandelten Lebensmitteln, berichtet Barbara Hofmann, die auch nach drei Jahrzehnten noch ebenso wie in den Anfangstagen für fairen Handel begeistern kann. Das Ladenteam belässt es nicht beim Handel im Weltladen: Man entdeckt die Gruppe beim „Fairen Frühstück“ auf dem Marktplatz, findet Waren aus dem Weltladen zumindest in den „Fairen Wochen“ in lokalen Betrieben, Schulen, kirchlichen Einrichtungen, im Jeunesses-Logierhaus und im Rathaus. Bei Vorträgen und Infoveranstaltungen, Kamingesprächen und beim monatlichen Misereor-Coffee-Stop finden sich inzwischen regelmäßig Teilnehmer aller Altersstufen und gesellschaftlichen Gruppen im Weltladen ein. Laden und Nebenräume wurden zum echten Begegnungsort. Der wird am Samstag, 29. Juni, also fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Eröffnung, ab 13 Uhr nach außen erweitert: Bei schönem Wetter locken Flohmarkt und Niederndorfer Saitenmusik mit Hackbrett, Zither und Gitarre zum kleinen Platz vorm Streckerhaus.

Wenn’s regnen sollte, wird das Fest einfach kurzerhand nach innen verlegt.

Bereits am Dienstag, 25. Juni, um 16.30 Uhr wird im Weikersheimer Rathaus die vom Weltladen-Dachverband, dem auch der Weikersheimer Weltladen angehört, gestaltete Roll-Up-Ausstellung „Fairer Handel“ eröffnet.