Weikersheim

Gymnasium Weikersheim Schüler organisieren Wahlforum mit Partei-Vertretern für die Kommunal- und Europawahl

Für Jugendliche einfach „zu wenig los“

Archivartikel

Es ist rappelvoll in der Aula des Weikersheimer Gymnasiums. Alle Schüler der zehnten, elften und zwölften Klassen der Schule versammelten sich zum Podium mit Politikern aus der Region.

Weikersheim. Anlass des Forums am Gymnasium: die bevorstehenden Europa- und Kommunalwahlen am 26. Mai.

In Baden-Württemberg gilt für die Kommunalwahlen das Wahlrecht ab 16 Jahren. Grund genug für die SMV des Gymnasiums in Weikersheim eine Podiumsdiskussion zu initiieren, in der sich Politiker den kritischen Fragen der Schüler stellen.

Michael Krapp, Lehrer für Mathematik und Geschichte am Gymnasium, betreut das Schulprojekt und erklärt: „Die Podiumsdiskussion ist aus purem Schülerinteresse entstanden. Die gesamte Organisation liegt in Schülerhand, vornehmlich Schüler der SMV.“ Auch die Themen und der Fragenkatalog stammen von den Jugendlichen „Es wurde nichts von uns Lehrern zensiert“, so Krapp.

Der achtzehnjährige Linus Ritzer und Erik Kürschner aus der 12. Klasse stellen das Moderatoren-Team. Sie moderieren die Diskussion mit Kommunalpolitikern.

Justus Nase und Levin Arold übernehmen den Teil der Moderation mit Politikern, die zur Europawahl antreten werden. Im Hintergrund arbeiten die Leute aus der Technik: Jakob Edler, Xavier Steiner und Julian Kistner, allesamt Schüler des Gymnasiums. Die drei sorgen mit einer „Live-Cam“ für die richtige Politik-Runden-Atmosphäre. Ein Zwei-Minuten-Countdown projiziert auf eine Leinwand, limitiert die Sprechzeit der Politiker.

Für die Gesprächsrunde „Kommunalwahl“ traten an: Marcel Bauer (CDU), Jürgen Vossler (FDP), Hildegard Buchwitz-Schmidt (SPD), Christian von der Groeben (AfD), Rolf Grüning (Die Linke) und Hans Hartung (Bündnis 90/Die Grünen).

Für die Europawahl wollten diese Politiker mit ihren Statements überzeugen: Theresia Lanig (CDU), Daniel Obst (FDP), Christian von der Groeben (AfD), Heidi Scharf (Die Linke), Thomas Kraft (SPD) und Thomas Tuschhoff (Bündnis 90/ Die Grünen).

Die Schüler wissen, was sie wollen. Das Moderatoren-Team stellte gezielte Fragen zu den Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche in der Region und bohrte auch vielfach kritisch nach.

Rolf Grüning und Hildegard Buchwitz-Schmidt stimmten den Jugendlichen zu, dass es an Jugendeinrichtungen fehlt. „Es ist wenig los hier in der Gegend“, so Buchwitz-Schmidt. Seitens der Stadt Weikersheim sei nichts geboten. Deshalb habe die SPD in ihr Programm aufgenommen, etwas für Jugendliche tun zu wollen.

Vom Thema der „fehlenden Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche“ ging es weiter mit dem Diskussionspunkt „Tauberphilharmonie“. Leider könnten die Räume der Tauberphilharmonie für den Abiball nicht genutzt werden, da diese zu klein seien, um die etwa 700 Gäste aufnehmen zu können, erläutert Jürgen Vossler (FDP) die Gegebenheiten vor Ort. Nichtsdestotrotz, so Vossler, sollen aber auch die Vereine und Schulen die Tauberphilharmonie nutzen können. Hier unterbricht Moderator Erik Kürschner den Redefluss Vosslers, um der Frage nachzugehen, ob denn überhaupt Interesse bei den Schülern bestehe, die Tauberphilharmonie zu besuchen: „Wer von euch hat sich Karten gekauft?“ Schweigen. Kürschner: „Keiner.“ – Gelächter aus den Reihen. Jürgen Vossler ist sich sicher: „Was nicht ist, kann ja noch werden.“

Marcel Bauer (CDU) weißt darauf hin, dass das junge Team der Tauberphilharmonie bemüht ist und „bestimmt ein offenes Ohr hat“ für die Wünsche und Anregungen gerade junger Menschen.

Schlechter Handyempfang

Levin Arold aus der elften Klasse meldet sich aus dem Publikum und will von den Kommunalpolitikern wissen, was sie in Sachen Mobilität und „schlechter Infrastruktur“ unternehmen wollen. Hans Hartung (Bündnis 90/ Die Grünen) fände es wünschenswert, wenn jeder Ort mindestens alle zwei Stunden angefahren wird. „Es ist noch vieles im Argen“, so Hartung, „aber vieles wird auch besser werden.“ „Wir leben auf dem Land. Das ist leider so“, meint Buchwitz-Schmidt. Ein Bürgerbus sei aber im Gespräch.

Christoph Raab aus der 10 Klasse spricht das Thema Digitalisierung an und beklagt den schlechten Empfang auf der Strecke zwischen Weikersheim und Bad Mergentheim. Marcel Bauer beruhigt: „Es ist viel in der Mache.“ Weiße Flecken würden peu á peu geschlossen werden.

In der zweiten Diskussionsrunde drehte sich alles um Europapolitik: Klimaschutz, Co2-Besteuerung und Internetkriminalität. In einem waren sich fast alle Podiumsteilnehmer einig: „Fridays for Future“, zeigt das große Engagement gerade junger Leute und ist ein Zeichen für Zivilcourage.

Genau dies bemerkt auch Schulleiterin Christiane Ballas-Mahler: „Ich bin stolz auf die Schüler, wie engagiert sie an der politischen Diskussion teilgenommen haben.“