Weikersheim

Regionale Braugerstenschau in Laudenbach Hohe Qualität trotz langer Trockenheit / Ministerialdirigent mahnt bessere Aufklärungsarbeit bei Öko-Anforderungen an

Getreide bei Wetterextremen empfindlich

Archivartikel

Regen Besucherzuspruch erlebte am Freitagnachmittag die regionale Braugerstenschau in Laudenbach.

Laudenbach. Veranstalter war der Main-Tauber-Kreis in Kooperation mit der BAGeno Raiffeisen Bad Mergentheim und der Herbsthäuser Brauerei. Vor Beginn der Veranstaltung konnten die Besucher die Braugerstenproben inspizieren.

„Ein Lob an die Landwirte des Kreises, die sich abermals sehr regsam an der Braugerstenschau teilgenommen haben“, betonte Werner Rüger, Leiter des Dezernats „Ländlicher Raum“ beim Landratsamt. Zudem zeige die große Besucherzahl das große Interesse an und die hohe Bedeutung der Braugerstenschau sowie der Fachvorträge.

„Ich bin sehr gerne heute hierhergekommen, weil mir die Verbindung zur Landwirtschaft äußerst am Herzen liegt und die Braugerstenschau der Qualitätssicherung dient“, betonte der Weikersheimer Bürgermeister Klaus Kornberger.

Über „Braugerste und Agrarmarkt 2019“ referierte Berthold Walter, Geschäftsführer der der BAGeno Raiffeisen (siehe gesonderter Bericht auf der Folgeseite). „Es ist äußerst beachtlich und ich bin sehr froh darüber, dass Sie trotz der langen Trockenheit im vergangenen Jahr wieder reichlich und eine derartig qualitativ hochstehende Braugerste hervorgebracht haben“, so Klaus Wunderlich, Seniorchef der Herbsthäuser Brauerei, in seinem Bericht „Braugerste 2018 aus Sicht der Brauerei“. Aufgrund der schwankenden Klimabedingungen seien sowohl Ertragsmengen als auch Preise der Gerste „immer wieder eine Lotterie“. Aktuell liege der die Preisspanne pro Tonne Braugerste zwischen 205 und 225 sowie durchschnittlich bei 220 Euro.

„Klimawandel im Südwesten – Herausforderungen und Anpassungsmöglichkeiten für die Landwirtschaft“ stand im Mittelpunkt eines Fachvortrags von Dr. Holger Flaig vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe. In Süddeutschland werde es im Laufe der Zeit während der Vegetationsperiode im Durchschnitt wärmer und trockener. Zudem gebe es immer öfters extreme Sommerhitze sowie Starkregen und Hagel, was sich auf die Landwirtschaft massiv auswirke. Immer wenn es Wetterextreme im Frühjahr gebe, reagiere speziell die Braugerste sehr empfindlich. Zahlreiche Anpassungsmaßnahmen könnten die Landwirte relativ kurzfristig umsetzen wie beispielsweise Auswahl neuer Arten und Sorten mit Wassereffizienz und Hitzetoleranz sowie Risikostreuung durch vielfältigere Sortenwahl und Fruchtfolge.

„Zukunft des Marktfruchtbaus in Baden-Württemberg“ war Inhalt eines Vortrags von Joachim Hauck, Ministerialdirigent beim Baden-Württembergischen Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Um eine Familie ernähren zu können und über die Runden zu kommen, müsse ein landwirtschaftlicher Betrieb jährlich eigentlich mindestens 75 000 Euro Gewinne erzielen, gab der Ministerialdirigent zu Bedenken. Davon sei man allerdings weit entfernt, belegte er an einer Übersicht über die Gewinne von Haupterwerbsbetrieben in Baden-Württemberg.

Rationalisierung schreite im Ackerbau rasend schnell voran. „Wir müssen betriebsintern Risiken mindern, uns breiter aufstellen und sehen, wo Kosten gesenkt werden könnten“. Hinzu kämen von der Gesellschaft an die Landwirtschaft gestellte Anforderungen wie unter anderem Tierwohl, Biodiversität und Ökologie. Oft werde bei Diskussionen über das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln wie etwa Glyphosat nicht regional unterschieden. „Wir müssen noch bessere Aufklärungsarbeit leisten“, appellierte Hauck. „Wir brauchen eine klare Diskussion über die Effizienz der Landwirtschaft im Zusammenwirken ökologischer Belange“, forderte er darüber hinaus.

Der zukünftig nachhaltige Ackerbau werde weder rein ökologisch noch rein konventionell, sondern ein Kompromiss und Mix zwischen beiden Bewirtschaftungsweisen sein, prognostizierte der Agrarexperte. Bei allen Zielen und Konflikten der europäischen und nationalen Agrarpolitik müsse berücksichtigt werden, wenn die landwirtschaftlichen Betriebe nicht mehr wettbewerbsfähig seien und ihre Position in der Vermarktungskette nicht verbessern könnten, auch Umweltziele wie Nachhaltigkeit oder Ressourcenschutz weniger oder nicht erreicht werden könnten. Deshalb sei es notwendig, dass alle politischen und gesellschaftlichen Interessensseiten einander zuhören sowie miteinander reden würden, lautete ein weiterer Appell Haucks.