Weikersheim

Prinz-Constantin-Konzert Cuarteto Casals und Duo Weilerstein begeistern mit Stücken von Haydn, Beethoven und Enescu

Glasklare und lebendige Ausgestaltung

Beim Prinz-Constantin-Konzert im Weikersheimer Rittersaal zeigten Dozenten des internationalen Kammermusikkurses der Jeunesses Musicales ihr Können.

Weikersheim. Höhepunkt des internationalen Kammermusikkurses der Jeunesses Musicales auf Schloss Weikersheim ist sicherlich das traditionelle Prinz-Constantin-Konzert der Dozenten, in dem sich jedes Jahr Interpreten von Weltruf die Ehre geben. Bei der mittlerweile 63. Veranstaltung dieser Art waren es nun das „Duo Weilerstein“ und das spanische Cuarteto Casals.

Letzteres hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1997 als eine der weltweit führenden Streichquartettformationen etabliert. Seine überragenden Qualitäten demonstrierte dieses Ausnahmeensemble, derzeit bestehend aus Vera Martinez Mehner und Abel Tomas (Violine), dem Bratschisten Jonathan Brown und dem Cellisten Arnau Tomas Realp, im voll besetzten Rittersaal mit zwei Werken von Haydn und Beethoven und wurde danach zu Recht lautstark gefeiert.

Seltene Verbindung

In einer so nur selten anzutreffenden Verbindung erlebte man dabei eine erlesene, höchsten Ansprüchen genügende Perfektion und Spielkultur. Diese war gekennzeichnet durch Profiliertheit der Einzelstimmen und Sinn für Details, ohne dass dabei die große Linie litte, sowie durch betörende klangliche Raffinesse, unfehlbaren Geschmack und schwerelose Eleganz.

So war es etwa bei dem eingangs gespielten viersätzigen f-moll Quartett op. 20 von Joseph Haydn, 1772 entstanden als vorletztes einer Reihe von sechs Werken, die später unter dem Namen „Sonnenquartette“ bekannt wurden.

Schon die ungewöhnliche Moll-Tonart deutet darauf hin, dass der Himmel in diesem Werk weniger sonnig als trübe und verhangen ist, seine Haltung eher introvertiert und besinnlich. Bewundernswert war die dezent gedämpfte Tongebung und die fließende Sanglichkeit des Ensembles im „moderato“ überschriebenen Eingangssatz, die detailliert dynamische Ausgefeiltheit und der feinsinnige Spielwitz im Menuett, die kostbaren Verzierungen der Solovioline von Abel Tomas im Adagio und die glasklare, zugleich ungemein lebendige Ausgestaltung des doppelthematischen Fugen-Finales.

Nach der Pause präsentierte sich das Cuarteto Casals mit Beethovens frühem B-Dur-Quartett op. 18 aus dem Jahr 1800, das als letztes in einem ebenfalls sechsteiligen Zyklus seinem Gönner, dem Fürsten Lobkowicz gewidmet ist. Es waren – relativ spät – die ersten Versuche des dreißigjährigen Beethoven in dieser von seinem Vorbild Haydn geschaffenen Gattung. Gleichwohl sind sie bereits eindrucksvolle Beispiele seiner unvergleichlichen persönlichen Originalität, Erfindungsgabe und schöpferischen Potenz, wenn man etwa nur die Janusgesichtigkeit und emotionale Tiefe des mit „La Malinconia“(Melancholie) überschriebenen letzten Satzes betrachtet. Das Formbewusstsein und der mitreißende Elan, mit dem das Ensemble den Kopfsatz „Allegro con brio“ ausstattete, waren ebenso bezeichnend für seinen Rang wie die überaus delikate, empfindsame Tongebung im langsamen Satz.

Geradezu vibrierend von Geistesgegenwart war dann die Umsetzung der metrischen Doppelbödigkeit mit ihren überraschenden Akzenten im Scherzo. Mit angehaltenem Atem erlebte man die schmerzliche Innigkeit und Intensität des Adagio-Teils im gespaltenen Schlusssatz, die sich in der etwas fiebrigen, nicht ganz vertrauenswürdigen Heiterkeit des folgenden Allegretto löste.

Den farbigen Kontrast zur Wiener Klassik setzte an diesem Abend das international renommierte „Duo Weilerstein“ mit dem Geiger Donald Weilerstein und seiner Partnerin Vivian Hornik Weilerstein am Klavier. Sie präsentierten die „Impressions d’enfance“(Kindheitseindrücke) von George Enescu (1881-1955), seines Zeichens Geiger, Pianist und der bis heute mit Abstand bekannteste rumänische Komponist.

Zehnteilige Suite

In seiner 1940 entstandenen zehnteiligen Suite verarbeitet er Einflüsse von Spätromantik, Impressionismus und heimatlicher Folklore zu einem persönlichen Stil, der besonders in der Behandlung der Violine mit ihrer Imitation von Naturstimmen, zum Beispiel eines rieselnden Bachs, von Vogelgezwitscher, Grillengezirp, Windgeräuschen und Gewittertosen für seine Zeit fast schon avantgardistische Züge trägt. Zu Beginn porträtiert die unbegleitete Solovioline in einem kapriziös klagenden Rezitativ den einsamen „Geiger auf dem Lande“, gegen Ende steigern sich im „nächtlichen Gewitter“ die beiden Instrumente zu einem entfesselten, hochvirtuosen Furioso – in seinen klangmalerischen Effekten manchmal an Filmmusik gemahnend – das schließlich in einen hymnisch überhöhten „Sonnenaufgang“ mündet. Die teilweise enormen technischen Herausforderungen, die Kühnheit der Klangsprache, die zeitweise berückende Lyrik und die atmosphärische Dichte des Werkes wurden vom Duo Weilerstein ebenso engagiert wie einfühlsam kongenial umgesetzt.