Weikersheim

Weltladen Gäste vom Kleinkind bis zum Senioren feierten mit Altstadtverein und WEG / Heiteres Straßenfest zum Umzugsjubiläum

Impulsgeber für den Blick auf die ganze Welt

Archivartikel

Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Eröffnung feierte die Weikersheimer „Eine Welt-Gruppe“ die zehnte Wiederkehr des Umzugs aus den „Gemeindehaus-Katakomben“ ins Strecker-Häusle.

Weikersheim. Es mag kein „großes“ Jubiläum sein: ein wichtiges ist es allemal. „Glückliche Fügung“ sei es gewesen, dass der Altstadtverein, der 2001 das seit 1987 leerstehende Altstadthäuschen kaufte, um es vor dem Abriss zu retten, in der im Fairen Handel engagierten, aus dem Missionskreis hervorgegangenen Weltladen-Gruppe (WEG) einen mit seinem Angebot und Anspruch perfekt zu dem Arme-Leute-Häuschen passenden Nutzer fand.

„Großes Los“ gezogen

Umgekehrt war das Haus auch für den bereits zwei Jahrzehnte aktiven Missionskreis das große Los: Der zuvor im Untergeschoss des katholischen Gemeindezentrums untergebrachte Weltladen erlebte mit dem Umzug in die mietfrei überlassenen Räume nicht nur eine deutliche Vergrößerung der Verkaufs- und Lagerfläche, sondern dank des zentralen Standorts auch eine deutliche Vergrößerung des Kundenkreises.

Charme und Energie

Wenn Schüler oder Touristen in das bucklige Lädchen mit den althergebracht niedrigen Decken und Türrahmen, bei denen es sich empfiehlt, den Kopf einzuziehen, hereinschneien, kommt immer das Gespräch auch auf die Lebens- und Existenzbedingungen früherer Bewohner und die der Produzenten des hier fair gehandelten Angebots. Immer, wenn sie Besuch habe, berichtete Dekanin Renate Meixner, mache sie mit ihren Gästen beim Stadtrundgang auch eine Stippvisite am und wenn möglich im Weltladen. Die seien immer vom einmaligen Charme und der Energie fasziniert, die der Weltladen ausstrahlt. Kirchen-Mitinitiatoren und Co-Träger des Fairen Handels und Weltläden verbinden, so Meixner, die gemeinsamen und zusammengehörenden Ziele Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Die Dekanin lobte den Weltladen als Impulsgeber, der daran erinnert, nicht nur das eigene Wohlergehen im für andere Teile der Welt zerstörerischen Wohlstand im Blick zu haben, sondern die ganze Welt ins Auge zu fassen.

„Welt gerechter machen“

Vorstandsmitglied Osmund Schneider erläuterte das näher: „Fairer Handel will die Welt gerechter und lebenswerter gestalten und leistet Hilfe zur Selbsthilfe.“ Dafür werden den Produzenten Vermarktungsmöglichkeiten eröffnet und existenzsichernde Mindestpreise garantiert.

Bei den Verkaufspreisen in den insgesamt rund 900 Weltläden in Deutschland wird eine Fairtrade-Prämie eingepreist, die der Gesundheits- und Bildungsvorsorge der Partner zugute kommt. WEG ist Mitglied beim Weltladen-Dachverband und beim Kleinkredit-Finanzdienstleister Oicocredit. Nach einem Monitoring darf der Weltladen seit kurzem das internationale WFTO-Siegel führen, das die Einhaltung der Kriterien des Fairen Handels bestätigt.

FairTrade-Bildungsauftrag

Wie alle Weltläden sieht sich auch das Weikersheimer Weltladenteam dem FairTrade-Bildungsauftrag verpflichtet und sorgt mit Informationsabenden, durch internationale Gäste, authentische Berichte, Kamingespräche, Faires Frühstück und Faire Wochen für mehr Wissen über die Lebens- und Arbeitsbedingen in den Ländern, die wir lange eher abwertend als „Dritte Welt“ bezeichnet haben.

Mit einem kleinen historischen sowie bau- und sanierungsgeschichtlichen Abriss zum nach der letzten Bewohnerin Babette Strecker benannten Haus ergänzte Rüdiger Klumpp das Grußwortbündel: Lange wurde das Haus von zwei Familien bewohnt – heute undenkbar auf dieser kleinen Fläche. Selbst Stall sowie Schuster- und Schneiderwerkstatt fanden hier noch Unterkunft.

In mehrjähriger Sanierung hatte der Altstadtverein zunächst die Statik saniert und mit historischen Mitteln wie Lehmputz und alten Ziegeln nach altem Vorbild Böden und Dach gesichert und die ersten beiden Räume saniert. Wie das im einzelnen aussah, konnten Besucher anhand der großen Bildertafel zumindest teilweise nachvollziehen.

Auch fürs Weltladenteam und den eigens gegründeten Trägerverein WEG blieb noch genug zu tun: Gustav Schulz arbeitete sich in die Materie historischer Bautechniken ein und sorgte gemeinsam mit Bauamateuren aus dem Altstadtverein, WEG und aus Kriegsgebieten geflüchteten Helfern für die in den Folgejahren umgesetzte Sanierung der Stube.

Instrumentaltrio zu Gast

Die ist inzwischen Rahmen für Gesprächskreise, Vorträge, Kamingespräche, Coffee-Stop und zum Fest auch für das Instrumentaltrio „Niederndorfer Saitenmusik“.

Theresia Richter (Hackbrett), Franz Bauer (Zither) und Gitarrist Werner Obermayer fanden sich vor 27 Jahren in Niederndorf bei Herzogenaurach zusammen. Bekannt ist die 2011 mit dem Volksmusikpreis der Hanns-Seidel-Stiftung ausgezeichnete Gruppe unter anderem aus der BR3-TV-Sendung „Unter unserm Himmel“.

Flohmarkt in der Garage

Bei kleinen herben und süßen Leckereien genossen zahlreiche Besucher bis in den späten Nachmittag das Jubiläumsfest im Weltladen und drumherum, stöberten im Weltladen und im Flohmarkt, für den eine Nachbarin eigens ihre Garage geräumt hatte, und nutzten außerdem die Gelegenheit, im schön kühlen kleinen Kellerraum informative Kurzfilme zum Thema kennenzulernen.