Weikersheim

Gymnasium Weikersheim Jetzt als „Weiterführende Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt“ vom Kultusministerium zertifiziert

Jedes einzelne Fach muss sich bewegen

Archivartikel

Sport und Bewegung werden groß geschrieben am Weikersheimer Gymnasium. Als eine von 70 Schulen im Land darf sich das Gymnasium jetzt „WSB-Schule“ nennen – mit einem Minister-Zertifikat.

Weikersheim. Hinter der Auszeichnung stecken viele Ideen und noch viel mehr Arbeit. Das Gymnasium Weikersheim hat sich im vergangenen Jahr für die Zertifizierung als so genannte „WSB-Schule“ (Weiterführende Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt) beworben. Dieses Bewegungsprofil bildet seit vielen Jahren einen bedeutenden Schwerpunkt des Gymnasiums Weikersheim – und der soll noch weiter ausgebaut werden.

Die offizielle Zertifizierung durch das Landesinstitut für Schulsport, Schulkunst und Schulmusik (LiS) fand nun im Rahmen eines Sportturniers am Gymnasium Weikersheim statt. Neben dem LiS waren auch die Schulleitung, Fachlehrer, die Fördervereinsvorsitzende, Bürgermeister Klaus Kornberger sowie die AOK bei dem kurzen Verleihungsakt vertreten.

„Bausteine“ umgesetzt

In einem Hintergrundgespräch erläuterten die Vertreter des Gymnasiums und des Landesinstituts für Schulsport die Bausteine, die für erfolgreiche Zertifizierung notwendig waren.

Grundsätzlich gilt: Bewegung, Spiel und Sport prägen an einer WSB-Schule das tägliche Schulleben in ganz besonderer Art und Weise. Die so genannten „WSB-Bausteine“ sollen den Schulen schulische Handlungsfelder aufzeigen, die im Schulalltag vielfältige Varianten von Bewegung, Spiel und Sport ermöglichen.

Eine WSB-Schule setzt die Bausteine in ihrem Schulentwicklungsprozess kontinuierlich um, bemüht sich um ihren Erhalt und Ausbau. An den verschiedenen Schulen wird es ortsspezifisch zu einer großen Vielfalt in der Umsetzung und in der Schwerpunktsetzung kommen. Die Initiative WSB versteht sich nicht als starres Programm, sondern unterstützt den vielfältigen, kreativen Umgang mit den einzelnen WSB-Bausteinen.

Mentoren zeigen, wie es geht

Konkret für Weikersheim bedeutet das: Der Sportunterricht muss „vollumfänglich“ statttfinden, darf also nicht zum Kann-Phänomen mit Stundenausfällen werden. Doch auch jedes andere Unterrichtsfach muss bewegungsfreundlich aufgezogen werden.

In den Sprachfächern werden Wörter mit „Vokabelhüpfen“ vermittelt, in Mathematik werden Parabeln beispielsweise mit körperlicher Bewegung dargestellt. Die Pausen sind „Bewegungspausen“, das Schulgelände wurde und wird entsprechend angepasst und ausgebaut. Auch die Schüler dürfen hier mitreden – Unterstufenkinder etwa wünschen sich Klettermöglichkeiten. Und die sollen auch umgesetzt werden. Größere wünschen sich einen Holzschnitzelpfad ums Schulgelände – auch der wird mit dem Schulträger bereits diskutiert.

Die bewegte Pause wird hoch bewertet. Seit rund fünf Jahren gibt es sie in Weikersheim schon. Rund zwanzig Bewegungsmentoren aus dem Kreis der Schüler sind bereits ausgebildet worden, viele aus dem Neigungsfach Sport.

Ältere Schüler stellen in den Pausen Materialien wie Einräder, Tore oder Skateboards zu Verfügung – und bei Bedarf das Sachwissen für den Umgang damit. Umsonst müssen sie das übrigens nicht tun: per Vertrag verpflichten sich die Schüler für ihre Aufgaben und werden dafür mit einer Aufwandsentschädigung entlohnt.

Insgesamt, da ist sich Schulleiterin Christiane Ballas-Mahler sicher, steigt durch die deutlich verstärkte Schülerverantwortung auch das Zusammengehörigkeitsgefühl in der ganzen Schulgemeinschaft. Kurz: Sport und Bewegung verbinden – nicht nur auf dem klassischen Sportplatz.

Der Hintergrund: Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich Kinder heute insgesamt viel zu wenig bewegen; auch in der Freizeit. Bewegungsfreundliche Schulen sind also nicht nur im unmittelbar körperlich-gesundheitlichen Sinne präventiv tätig, auch Lernen und Leistung verbessen sich bei regelmäßigen Sport- und Bewegungsphasen.

Lernen verbessert sich

Körper und Geist sind verbunden: Kognitive Fähigkeiten (die „Kopfarbeit“) werden durch Bewegung wirksam unterstützt, Informationsaufnahme und -speicherung verbessern sich und damit auch die Unterrichtsergebnisse.

Auch das Thema Ernährung spielt flankierend eine Rolle: Zwar werden Schüler nicht zu gesundem Essen „gezwungen“, es gibt in der Caféteria aber täglich ein Müslibuffet, eine bunte Salattheke und vegetarische Alternativen zu Fleischgerichten.

Die Lehrkräfte haben sich nach den WSB-Bausteinen umfangreich weitergebildet und müssen dieses Wissen umsetzen. An den jüngsten Schulsportwettbewerben haben sämtliche Schüler des Gymnasiums auch teilgenommen. Unter erschwerten Bedingungen übrigens. Mangels örtlichem Sportplatz (wegen der laufenden Umgestaltungsmaßnahmen am westlichen Tauberufer) wurden alle per Bus nach Niederstetten zur dortigen Sportstätte gefahren.

All diese Details mussten für die Zertifzierung dokumentiert und nachgewiesen werden. Vor Ort wurde die umfangreiche Dokumentation von Fachleuten überprüft und besprochen. Jetzt gab es offiziell „Brief und Siegel“ des Kultusministeriums. Nachlassen geht nicht: Alle fünf Jahre wird überprüft, ob die Zertifikatsbedingungen noch eingehalten werden.