Weikersheim

KKC Laudenbach Jan Wiechert mit Kriminalfällen aus der hohenlohischen Geschichte / Die Spurensuche führt auch ins Örtchen Haagen

Michel unterliegt dem „Henckher“

Im gut besuchten Julius Echter Keller fand eine Lesung des KKC Laudenbach mit dem Buchautor Jan Wiechert statt.

Laudenbach. In charmanter und unterhaltsamer Weise las der Autor aus seinem Erstlingswerk „Böse alte Zeit“, Kriminalfälle aus der hohenlohischen Geschichte.

Jan Wiechert arbeitet im Hohenlohe-Zentralarchiv in Neuenstein. Die Kriminalgeschichte der Region gehört zu seinen Spezialgebieten. Sein Buch gibt einen tiefen Einblick in das düstere Kapitel der hohenlohischen Geschichte. Dabei geht es nicht allein um blutige Taten und ihre oft grausame Bestrafung, er beschreibt vielmehr die Geschichte, Lebenswege und Schicksale kleiner Leute im alltäglichen Leben mit authentischem Bezug auf Grundlagen historischer Dokumente.

Dass sich eine der neun tragisch, komischen Kriminalfälle, in Haagen und Laudenbach abspielte, erhöhte die Aufmerksamkeit der Zuhörer.

So hat sich im 17. Jahrhundert folgendes ereignet: Als sich der Schafrichter Matthes Röhrlein am Morgen des 15. Septembers 1630 von Schrozberg nach Weikersheim begab, stand keine Hinrichtung, sondern ein freudigeres Ereignis an. In der Stadt sollte ein Jahrmarkt abgehalten werden und Röhrlein hatte als herrschaftlicher Diener zu erscheinen.

Auf dem Weg über Haagen trugen die Rebstöcke schwer am Gewicht ihrer Früchte. Die Lese, das süße Ergebnis der sauren Arbeit am Weinberg, war zum Greifen nah – und Matthes Röhrlein griff zu.

Er ahnte nicht, welches Unheil sich in seinem Rücken zusammenbraute. Dem Schneider Georg Michel, der sich unter den Beschwerdeführern befand, obgleich er gar keinen Weinberg besaß, raunte seinem Nebenmann zu, „er wolle dem Henckher schon kommen“.

Folgenschweres Handgemenge

Die erschrockene Frage, „ob er so keckh, daß er den Henckher angreife“, beantwortete Michel mit Ja. Es ist durchaus bemerkenswert, dass sich die Haagener, die sich doch als ehrliche Leute verstanden, auf Handgreiflichkeiten mit einem Mann einlassen wollten, der durch seinen Beruf als unehrenhafte Person galt. Es kam zu einem folgenschweren Handgemenge, das mit dem Tod des Schneiders Michel endete.

Schwierigkeiten bereitete nicht zuletzt die spätere Befragung der Zeugen aus dem Amt Laudenbach, die sich partout weigerten, zur Vernehmung ins benachbarte Weikersheim zu reisen und das notwendige „Ablesen der Trauben“ als Entschuldigung vorschoben.

Diese und eine weitere Geschichte brachten nicht nur die Zuhörer aus Haagen und Laudenbach zum Schmunzeln. Das Publikum erlebte an diesem Abend eine amüsante und kurzweilige Lesung. Passend zu den Geschichten aus der „Bösen alten Zeit“ wurden liebevoll zubereitete Hohenloher Häppchen, als „Die Henkersmahlzeit“, angeboten.

Winfried Gross bedankte sich im Namen des KKC Laudenbach bei Jan Wiechert für die spannende und unterhaltsame Lesung und bei Marijke Beemsterboer von „Buch und Papier“ für den Buchverkauf an diesem Abend. Dieses spannungsgeladene Buch „Böse alte Zeit“ ist noch bei Buch und Papier in Weikersheim erhältlich. kkc