Weikersheim

Gemeinschaftsschule Weikersheim Prüfungscafé will „kleine Oase“ sein, die stärkt und beruhigt

„Nicht allein zu sein tut einfach gut“

Archivartikel

Weikersheim.Das Prüfungscafé ist neu an der Gemeinschaftsschule in Weikersheim. Die Idee hatte die Religionspädagogin Maria Bopp, die bereits in den Jahren zuvor den Schülern vor ihren Prüfungen ein kurzes Innehalten, einen Prüfungssegen angeboten hatte. Jetzt wurde das Angebot erweitert.

An der Wand des Raums stehen noch die Reste des kleinen Büffets: Bei Brezeln, Müsli und Obst, Saft, Glückstee und Milch konnten sich die Schülerinnen und Schüler, die sich gerade zur Abschlussprüfung auf den Weg gemacht haben, noch einmal beim gemeinsamen Frühstück am mit ein paar Blumen geschmückten Tisch stärken.

Das ist wichtig, wenn sie gleich all ihre Konzentration brauchen. Noch wichtiger aber sei es, nicht allein zu sein, bevor der Prüfungsstartschuss fällt, berichtet die Religionspädagogin. In diesem Jahr absolvieren erstmals 24 Schüler hier ihre Realschul-Abschlussprüfung, die Hauptschulabschlussprüfung legen 26 Schüler ab. Sie kamen fast vollzählig schon um sieben Uhr früh zum gemeinsamen Frühstück.

Nicht allein herumzusitzen tue denen, die vor Aufregung schon ganz zappelig oder total in sich gekehrt sind, genauso gut wie denen, die sich am Frühstückstisch noch mit coolen Sprüchen Mut machen.

Die Religionslehrerin lädt an den sechs Prüfungscafé-Terminen auch zu Gebet und Stille ein. Die meisten kennen diese Oase mit blauem Teppich, Kissen, Tüchern, Kerzen und ein paar Symbolen bereits vom wöchentlichen Pausengebet, das hilft, bei Geschichten, Fantasiereisen und Gesang im Schulalltag etwas Ruhe zu finden. „Das konfessionsoffene schulpastorale Angebot will nicht missionieren, sondern Halt geben, etwas anbieten, das einfach gut tut“, berichtet Maria Bopp. Auf strahlenförmig um eine Kerze gruppierten Papierstreifen stehen Gedanken und Bitten, wie sie einem so kurz vor der Prüfung durch den Kopf ziehen: „Ich möchte cool und ruhig bleiben“, ist da zu lesen. Auch: „Ich hoffe, dass mir die Zeit nicht ausgeht“ und „Ich hoffe auf etwas Glück“. Aber auch die schlichte Mitteilung „Ich bin ziemlich aufgeregt“, der Mutmachsatz „Ich weiß auch, dass die Prüfung nicht alles ist.“ An manchen der Streifen leuchten kleine Kerzen, von den Jugendlichen aufgestellt als Zeichen der Zustimmung, Bitte und Hoffnung. Zum Schluss der offenen Prüfungscaféstunde haben sie sich im Kreis gegenseitig die Hände auf die Schulter gelegt, einander segnend, einander Gutes wünschend – und sind dann etwas ruhiger und mutiger aufgebrochen, um zu zeigen, was sie können.

Maria Bopp freut sich, dass die Schüler das offene kirchliche Angebot nicht nur nutzen, sondern speziell das Prüfungscafé regelrecht einfordern, denn „Schule ist nicht nur Unterricht.“ Kirche wolle Weggefährte sein, Begleiter für die gesamte Schulfamilie. Beim Prüfungscafé ist sie genau das.