Weikersheim

Evangelischen Landessynode Seelsorge und soziale Arbeit müssen Schwerpunkte kirchlicher Arbeit sein – Martina Klärle blickt auf Arbeit zurück

Nicht treiben lassen, sondern gestalten

Wesentliches im Blick behalten und eingreifen, wo es nötig ist, ist Aufgabe der evangelischen Kirche. Martina Klärle setzt Schwerpunkte in der württembergischen Landessynode.

Schäftersheim. Seelsorge müsse ein Schwerpunkt im Dienst der Pfarrer sein und „um sozial Schwache soll sich die Kirche kümmern“, betont Synodalin Martina Klärle. Es gelte, „Nächstenliebe ständig zu leben und dorthin zu bringen, wo sie verloren gegangen ist“. Dazu genüge es nicht, da präsent zu sein, wo die Leute schon Christen seien. „Wo Armut und Leid ist, dahin muss die Kirche gehen“. Obdachlosenheime und Tafeln müsse sie im Blick haben – im sozialen Bereich geschehe durch Staat und Kirche schon viel, aber es sei immer noch nicht genug.

Die „Landessynode“ als Parlament der evangelischen Landeskirche schafft dafür die Rahmenbedingungen. Im Jahr 2013 wurde Martina Klärle gewählt, um zusammen mit Fritz Deitigsmann, Rot am See, und Dekan Siegfried Jahn, Blaufelden, den hiesigen Wahlkreis zu vertreten. Eine sehr arbeitsintensive Zeit habe sie seitdem in dieser ehrenamtlichen Tätigkeit erlebt, so Martina Klärle. Zu den drei mehrtägigen Plenarsitzungen im Jahr komme die intensive Sacharbeit in den Ausschüssen – all das mache gute Vorbereitung unabdingbar.

„Ich wollte mich in der Synode dort einbringen, wo ich mich auskenne“, so Martina Klärle. Als Professorin an der „Frankfurt University of Applied Sciences“ und Leiterin des Forschungsschwerpunkts „Erneuerbare Energien im Landmanagement“ seien das die Themen „Nachhaltigkeit und Klimaschutz“ sowie „ländlicher Raum“ gewesen. Dessen spezielle Probleme fänden bei den Beratungen in Stuttgart oft nicht die gebührende Beachtung.

Gerade beim „Pfarrplan“ sei es ihr wichtig gewesen, in der Landessynode dafür einzutreten, dass im ländlichen Raum weniger Pfarrstellen gestrichen würden als in den Ballungsgebieten.

Ein gerechtes Verteilungsmodell allein genüge aber nicht. Nötig sei eine „geopolitische Reformation“, eine echte Gemeindereform.

Quereinsteiger im Pfarramt

Gerade im kleinräumigen Bereich müsse man Vereinfachungen entwickeln und die Kirchengemeinden auch von Verwaltung entlasten. „Die Pfarrer brauchen Zeit für Seelsorge, Unterricht und Besuche bei den Kranken“.

Um den absehbaren Mangel an Pfarrern einzudämmen und zusätzlich für mehr Vielfalt der Begabungen im Pfarramt zu sorgen, brauche man auch Quereinsteiger ins Pfarramt und müsse den Dienst der Diakone besser würdigen.

Darüber, so merkt Martina Klärle an, herrsche in der Landessynode gesprächskreisübergreifend Übereinstimmung – allerdings vorwiegend bei den „Laien“, den Nicht-Theologen. Gebremst würden diese Reformen leider von den Pfarrern in der Synode.

Beim Klimaschutz, so Martina Klärle, habe sie in der Synode fünf Jahre lang gekämpft. Wenn man als Kirche dieses Thema als Teil der Bewahrung der Schöpfung predige, müsse man da auch aktiv werden, habe sie immer wieder gesagt und Anträge dazu gestellt – ohne Erfolg.

„Mir sind die Schritte immer viel zu klein. Vielleicht liegt das an meiner Ungeduld oder auch dem Bewusstsein, dass so viel mehr gehen würde“, meint Klärle.

Völlige Gleichstellung als Ziel

Jetzt endlich habe die Landeskirche einen „Klimamanager“ installiert, der die Gemeinden beraten und auch dafür sorgen solle, dass man sich beim Oberkirchenrat selbst verantwortungsbewusst Ziele zur Energieeinsparung setze. An Geld fehle es der evangelischen Kirche derzeit nicht. So ist Martina Klärle in den Haushaltsberatungen dafür eingetreten, nicht nur an künftige Austritte zu denken und deshalb zu sparen. Man könne es ihrer Meinung nach erreichen, die Zahl der Kirchenaustritte zu begrenzen, „indem wir unser Herz dort schlagen lassen, wo man es von uns erwartet, und viel mehr unserer echten Aufgaben erfüllen“. Man müsse „gestalten und sich nicht von außen treiben lassen“.

Unzufrieden zeigt sich die Schäftersheimer Synodalin im Blick auf den Fortgang der Beratungen zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Bischof Frank Otfried July habe im Herbst einen Kompromiss vorgeschlagen, wonach „bürgerlich verheiratete Homosexuelle künftig in bestimmten Gemeinden einen Segnungsgottesdienst erhalten können, sofern der örtliche Kirchengemeinderat mit Drei-Viertel-Mehrheit zustimmt und auch der Ortspfarrer keine Einwände hat“.

Beispiel Frauenordination

Das, so Martina Klärle, halte sie aber für eine „echte Diskriminierung der Ehepaare, die gleichgeschlechtlich lieben“. Sie trete weiter für eine völlige Gleichstellung ein – und hoffe, dass sich andersdenkende „theologische und kirchenpolitische Gruppen der Synode“ nicht länger dem entgegenstellen.

Vor fünfzig Jahren habe man in Württemberg die so genannte „Frauenordination“ – die volle Zulassung von Frauen zum Pfarramt – beschlossen. Auch damals habe man mit einzelnen Bibelstellen dagegen argumentiert –und inzwischen sei man übereinstimmend der Meinung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

Dies „sollten wir jetzt bei dem Thema der gleichgeschlichen Paare ebenso tun“.